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Utting

04.01.2020

Schüler auf den Spuren der Uttinger KZ-Häftlinge

Emma Strohmeier und Jonas Rapp sind vom P-Seminar Geschicht des Ammersee-Gymnasiums. Sie haben sich mit der Geschichte des KZ-Außenlagers in Utting beschäftigt. Die Ergebnisse sind derzeit im B1 ausgestellt.

Plus Abiturienten des Ammersee-Gymnasiums machten das KZ-Außenlager Kaufering X zu ihrem Thema. Sie führten auch Gespräche mit Zeitzeugen und Überlebenden. 

Vom 18. August 1944 bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 befand sich in Utting ein Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Es trug den Namen „Kaufering X“ und gehörte zum Außenkomplex Kaufering-Landsberg des Konzentrationslagers Dachau. Diesen nahezu vergessenen Ort von Schrecken und Leid haben 15 Schüler des P-Seminars Geschichte des Ammersee-Gymnasiums Dießen (ASG) mit ihrer Arbeit wieder sichtbar gemacht. Rund neun Monate beschäftigten sie sich mit dem Thema und konzipierten eine Ausstellung.

Einige der Besucher erwiesen sich als Zeitzeugen

Dass Harry Sternberg die informative Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, freut die Gymnasiasten sehr. Zwei von ihnen, Emma Strohmeier aus Utting und Jonas Rapp aus Dettenschwang, waren im B1 anwesend, um mit Besuchern in Kontakt zu treten. Die nutzten diese Gelegenheit, und einige von ihnen erwiesen sich sogar als Zeitzeugen. So berichtete eine ältere Frau von ihren Kindheitserinnerungen. Einmal sei sie am Zaun gewesen, der das Lagergelände umgab. Ein Häftling hätte die Hand durchgestreckt und um Essen gebettelt. Die Kinder hatten aber nichts dabei. Von weiteren Besuchen wurden sie aber von der Mutter abgehalten.

So sahen die Erdhütten des KZ-Außenlagers Kaufering X in Utting aus. Abiturienten des Ammersee-Gymnasiums bastelten das Modell für eine Seminararbeit.
Bild: Dagmar Kübler

Insbesondere der Kontakt mit Zeitzeugen, darunter auch mit dem ehemals inhaftierten Abba Naor, sei für ihn etwas Besonderes gewesen, erinnert sich Jonas Rapp an die intensive Zeit der Recherche: „Die Zeitzeugen haben aufgrund ihres hohen Alters vermutlich nicht mehr lange zu leben, und wir hatten so das Glück, noch mit ihnen sprechen zu können.“ Emma Strohmeier hingegen war besonders berührt vom Tagebuch des Uttingers Adam Heinrich. „Wir fürchten das hiesige Lager mit mehreren Hundert Juden“, notierte Heinrich 1945.

Schüler auf den Spuren der Uttinger KZ-Häftlinge

Die Schüler besuchten Mahnmale und den KZ-Friedhof

Ganz bewusst haben sich die P-Seminarler für die Beschäftigung mit dem Uttinger KZ entschieden. So konnten sie sich auf die Spuren der Häftlinge begeben, besuchten Mahnmale und Friedhof und gingen die Wege in Utting ab. Viele Informationen sammelten sie über Internetrecherchen und Gespräche mit Bürgern sowie aus Büchern, beispielsweise jenen von Solly Ganor und Abba Naor, bauten ein Modell des Lagers und verfassten Texte. Etwa 450 Juden, hauptsächlich aus den liquidierten Gettos wie Kaunas und Schaulen (Litauen), sowie polnische und ungarische Juden waren im Lager X untergebracht. Die Frauen leisteten ebenso Zwangsarbeit wie die Männer, die unter anderem im Fertigteilwerk von Dyckerhoff und Widmann, wo Betonplatten für den in Landsberg entstehenden Bunker Weingut II entstanden, arbeiten mussten.

Die Bewohner Uttings, da sind sich die Abiturienten sicher, wussten von der Existenz des Lagers. So mussten Häftlinge in ihrer gestreiften Kleidung unter Aufsicht Lebensmittel vom Seefelder Hof zum Dorfbrunnen bringen. Dort fand zwei Mal täglich die Essensausgabe statt. Trotz drohender Strafen versteckten manche Uttinger immer wieder Essen in den Büschen, die den Weg der Häftlinge vom Lager dorthin säumten. Berichten zufolge wurden am Dorfbrunnen auch Exekutionen durchgeführt.

Der Organisator steuerte Fundstücke bei

Rund 200 Besucher, auch von außerhalb der Region Landsberg, haben die Ausstellung besucht, freut sich Organisator Harry Sternberg, der noch Infos in Form von Fotos vom Abriss der Dyckerhoff-Hallen 2006 sowie Fundstücke vom Gelände beisteuerte. Dass die Arbeit der Gymnasiasten von den Besuchern entsprechend gewürdigt wird, zeigen viele Kommentare, die auf Zettel geschrieben im Uttinger B1 hinterlassen sind. Ein Beispiel: „Verleugnen und Verdrängen verbraucht Energie. Sie kann auch in Beherzigen, Innehalten, Stellung nehmen und Neubeginn fließen. Danke Euch Abiturienten.“

Öffnungszeiten Raum B1, Utting, Bahnhofplatz 1, Sonntag, 5. und Montag, 6. Januar, 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0163/6350853. Am 19. Januar geht die nächste Ausstellung an den Start, erneut zum Thema „Erinnern – Vergessen“. Gezeigt werden Bilder-Geschichten von Bjarne Geiges.

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