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Dienhausen

12.10.2018

Sie sorgen für einen besonderen Duft im Dorf

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Der besondere Verein: Diesmal widmet sich das LT dem Brotbackverein Dienhausen.
Bild: Rudnick

Nur Bewohner Dienhausens dürfen Mitglied im örtlichen Brotbackverein werden. Enstanden ist dieser besondere Verein aus einer Geburtstagslaune heraus.

Einen Verein zu gründen soll angeblich eine typisch deutsche Eigenschaft sein. Tatsächlich gibt es kaum ein Dorf ohne Schützen-, Sport- oder Veteranenverein. Doch das ist längst nicht alles. Es gibt praktisch für jedes Interesse einen Verein. Einige etwas ungewöhnlichere Vereine wollen wir in den Sommerwochen in einer kleinen Serie vorstellen. Heute den Brotbackverein aus Dienhausen.

Wenn es in der kleinen Ortschaft Dienhausen im südlichen Landkreis ganz besonders intensiv nach frisch gebackenem Brot riecht, dann sind wieder einmal die Mitglieder des Brotbackvereins Dienhausen aktiv. Dann hat Erika Hahnel im Backhäusl beim Feuerwehrhaus den Ofen mit Fichtenholz angeheizt. Acht bis neun einen Meter lange Hölzer braucht es, um den Ofen auf rund 500 Grad aufzuheizen. Rund drei Stunden dauert das. „Dann wird die Glut rausgenommen und der Ofen ausgewaschen“, erzählt die Vorsitzende. Wenn die Temperatur im Inneren bei rund 250 Grad liegt, geht’s ans Backen. Noch einmal eine Stunde müssen die Vereinsmitglieder dann warten, bevor sie die duftenden Laibe entgegennehmen und verspeisen können. In der Zeit muss Erika Hahnel die Laibe immer wieder umschichten. Denn anders als im heimischen Elektro-Backofen, verteile sich die Hitze im Mauerwerk nicht ganz gleichmäßig.

Zehn Minuten sollte mindestens mit der Hand geknetet werden

„Jedes unserer Mitglieder kann seinen eigenen Teig zubereiten“, sagt Erika Hahnel, die dem Brotbackverein seit 2014 vorsteht. Entsprechend vielfältig seien auch die Brote, die zubereitet würden. Geknetet und dem Teig seine Ruhezeit zugestanden wird im Feuerwehrhaus. Zehn Minuten lang sollte der Teig auf jeden Fall von Hand bearbeitet werden, verrät Hahnel. Das sei eines der Geheimisse für die eher feste Konsistenz des Brotes aus Dienhausen.

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Dass das Brotbacken immer ein besonderes Ereignis im Ort ist, liegt unter anderem auch daran, dass „nur“ viermal im Jahr gebacken wird. „Wir backen im Frühjahr an, Mitte Oktober wird ausgebacken“, sagt Hahnel. Dazwischen gibt es noch das Magnusfest und ein Brotbackfest.

Für den Backofen zahlte jeder 200 Mark ein

Gegründet wurde der Brotbackverein Dienhausen 1991. Aus einer Geburtstagslaune heraus, berichtet die Vorsitzende. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Erich Fischer, Sigi Hefele, Anton Fischer, Chistian Unsin und Dani Unsin weiß Erika Hahnel, die selbst seit 25 Jahren Mitglied in diesem besonderen Verein ist.

Insgesamt waren es 27 Mitglieder die seinerzeit mit einmalig 200 Mark Mitgliedsbeitrag einstiegen und somit den Bau des Backofens am Feuerwehrhaus in Dienhausen ermöglichten. Ein Bauplan wurde erstellt, Material besorgt und losgelegt. Hebauf war am 24. Juli 1992, lässt sich der Vereinschronik entnehmen.

Mittlerweile gehören 35 Familien aus Dienhausen dem Verein an. Sein eigenes Brot backen kann jedes Vereinsmitglied. Wobei man besser sagen muss, dass jedes Mitglied nach seinen eigenen Vorstellungen und eigener Rezeptur den Teig zubereiten kann. Anheizen aber darf ausschließlich Erika Hahnel. Sie ist aber bemüht, langfristig ihr Wissen an die Jüngeren weiter zu geben. Immerhin blickt sie auf langjährige Erfahrung zurück. Schief gegangen ist natürlich auch schon so manches. „So manches Brot kam ziemlich dunkel aus dem Ofen“, erinnert sie sich. Pfifferlingsbrot werde das dann gerne genannt, denn „das ist dann keinen Pfifferling wert“, schmunzelt Hahnel.

Man kann auch Pizza und Apfelstrudel backen

Längst aber hat sie den Brotbackofen im Griff. Am Backtag kommen dann bis zu 16 Laibe zu je 750 Gramm aus dem Ofen. Die werden entweder gleich vor Ort bei einer deftigen Brotzeit verzehrt oder von den Familien mit nach Hause genommen.

„Wir haben auch schon Pizza gebacken oder Apfelstrudel“, verrät die Vorsitzende, die sich in diesem Jahr über Zuwachs im Verein freuen durfte. „Drei neue Familien konnten wir begrüßen.“ Einzige Voraussetzung, um Mitglied im Brotbackverein Dienhausen zu werden ist, Bürger aus Dienhausen zu sein.

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