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Landkreis Landsberg

10.07.2020

So kämpfen Bars im Landkreis Landsberg ums Überleben

Weil Igor Meiler eine Speisen- und Schanklizenz hat, darf er seine Bar Rat Pack in der Landsberger Salzgasse unter strengen Auflagen betreiben. Die lassen den Inhabern aber wenig Spielraum, viele bangen sogar um ihre Existenz.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Kneipen, Clubs und Diskotheken bleiben weiter geschlossen. Die Betreiber von Bars im Landkreis Landsberg stehen mit dem Rücken zur Wand. Wie sie den Alltag erleben.

Auch wenn die Hoffnungen nicht allzu groß waren: Bars, Clubs und Diskotheken müssen in Bayern weiterhin geschlossen bleiben. So lautet der Beschluss der Staatsregierung. Für die Gastronomen im Landkreis Landsberg ist das eine große Enttäuschung. Das LT hat sich umgehört.

Igor Meiler wollte den zweiten Geburtstag seiner Bar und Lounge Rat Pack am 1. August groß feiern. Die Sause ist längst abgesagt. Das Coronavirus hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Den aktuellen Beschluss, Bars und Kneipen weiterhin nicht zu öffnen, hat er kommen sehen. Dennoch öffnete das „Rat Pack“ vor Wochenfrist wieder seine Türen – unter Einhaltung der strengen Hygiene- und Kontaktregeln.

Zwei Dutzend Gäste dürfen rein

Das „Rat Pack“ in der Landsberger Salzgasse hat Glück und darf wegen einer Konzession als Speise- und Schanklokal unter Auflagen inzwischen wieder öffnen. Doch Igor Meiler ist eigentlich Barkeeper und das mit großer Erfahrung. In den Umgang mit den Gästen, in die Beratung zu den Cocktails investiert er viel Herzblut. Das Auftauchen des Virus nahm er zunächst, wie er sagt, „mit einem breiten Lachen“, doch mit dem Lockdown gingen ihm die Augen auf. Der 34-Jährige stammt aus einer Ärztefamilie, die Gefährlichkeit des Virus war ihm schnell klar.

Die Zeit der Schließung nutzte Meiler dann auch zu Renovierungsarbeiten, der Speicher wurde entrümpelt, neue Cocktails wurden kreiert. Doch irgendwann waren alle Arbeiten getan: „Da kam plötzlich ein großes Loch.“ Als die Vorschriften im Gastrobereich wieder gelockert wurden, entschloss auch er sich, am vergangenen Freitag wieder zu öffnen – mit zahlreichen Auflagen. „Das Service-Personal mit Mundschutz darf sich zum Beispiel nicht direkt begegnen und nicht hinter die Theke gehen. Der Barkeeper hingegen darf keine Getränke zu den Gästen bringen, die im Innenbereich an Tischen mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern sitzen.“ Für das „Rat Pack“ bedeutet das konkret: Zwei Zweiertische im Erdgeschoss, zusammen mit dem Bereich im ersten Stock sind das 16 Personen. 24 dürfte er offiziell einlassen. Igor Meiler: „Das macht weder kaufmännisch noch gastronomisch großen Spaß.“

Eine Bar hat sich mit "To-go"-Betrieb über Wasser gehalten

Meiler hat das Glück, einen anderen Beruf seinen Haupterwerb zu nennen. Sonst würde er trotz staatlicher Ersthilfen nicht mehr lange durchhalten. Dennoch hält er die Einschränkungen für notwendig – bis auf die Abstandsregelung (1,5 Meter). Die breche den Clubs und Bars das Genick.

Für Manuela Sauter von der Sonderbar am Hellmairplatz und dem „Zim-mer“ an der Karolinenbrücke, während der Corona-Zeit ein To-go-Lokal, sind die Regeln existenzgefährdend. Am Vatertag im Mai hat sie die Terrasse der Sonderbar auf dem Hellmairplatz öffnen können, vor zwei Wochen die Räumlichkeiten im Untergeschoss – nur mit einem entscheidenden Unterschied: „Vor Corona waren es 90 Leute, die wir reinlassen konnten, jetzt sind es nur noch 30.“ Die Gäste müssen entsprechend der Abstandsvorschrift sitzen, doch so komme keine Stimmung auf, der Umsatz sei zu gering. Das „Zim-mer“ mit dem To-go-Betrieb laufe zufriedenstellend. Auch die Sonderbar habe eine Genehmigung als Schank- und Speisewirtschaft, doch Manuela Sauter fehlt der Barbetrieb, die Nähe der Leute, die auf kleinstem Raum eng beieinanderstehen und feiern. „Das tut mir weh.“ Sie ist mit Leib und Seele Barbetreiberin, arbeitet seit 20 Jahren in diesem Bereich und übernahm die Bar vor elf Jahren. Wenn sich nun bis Ende August an den Bestimmungen nichts ändere, der Umsatz im Freien aufgrund der Witterung dann auch noch wegfalle, „schaffe ich das nicht mehr“. Daher unterstützt sie auch eine Petition bayerischer Gastronomen an den Landtag.

Manuela Sauter betreibt in Landsberg die Sonderbar und das "Zim-mer".
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Igor Meiler hat ebenfalls den Herbst als Fix-Datum ermittelt, dann schlage auch für das „Rat Pack“ die Stunde der Wahrheit. „Bei allem Optimismus muss ich dann nochmals alles durchdenken und vor allem durchrechnen.“ Trotz all der Einschränkungen haben er wie auch Manuela Sauter Verständnis für die staatlichen Vorgaben: „Das Wirtschaftliche darf nicht über der Gesundheit der Menschen stehen.“

In Hurlach wollen Bedienungen bereits aufhören

Das ist auch die Überzeugung von Michael Beger vom Bar-Restaurant „Südwärts“ in Hurlach. Die finanziellen Einbußen seien zwar enorm, aber glücklicherweise belaste ihn keine Pacht: Das Gebäude ist sein Eigentum. Das „Südwärts“ ist zudem an keine Brauerei gebunden. Die Hauptleidtragenden seien aber seine Mitarbeiter, hauptsächlich Hausfrauen, die den Service im Nebenjob machen. „Die Mundschutzregel ist für sie eine große Belastung, zwei wollen bereits weg.“ Es sei auch schwer, zu erklären, dass bis zu zehn Personen ohne Mundschutz an einem Tisch sitzen dürfen, Bedienungen aber permanent mit Mundschutz arbeiten müssen. Immer wieder gebe es mit Gästen Diskussionen, die das Lokal ohne Mundschutz betreten wollen. „Wir verteilen dann kurzerhand Masken.“

Der Barbetrieb an der Theke fehle jedoch sehr, der Umsatz an Bier sei um 60 Prozent eingebrochen: „Die Stammgäste bleiben weg, das tut vor allem weh.“

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