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Landkreis Landsberg

09.06.2020

Sorgt Corona für Preisaufschläge im Landkreis?

Ruth Kolodziej vom Panini in Schondorf hat aktuell deutlich weniger Gäste als früher. Dennoch bleiben die Preise unverändert.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Die Vorgaben wegen des Coronavirus sorgen in einigen Branchen für höhere Kosten. Das LT hat sich umgehört, ob die im Landkreis Landsberg an Kunden weitergegeben werden.

Die Corona-Krise hat vielen Unternehmen im Landkreis Landsberg zugesetzt. Massive Umsatzeinbußen oder ein kompletter Ausfall auf der Einnahmenseite waren die Folgen. Einen Zuschlag von den Kunden – um die Verluste zu mindern – verlangen aber längst nicht alle Firmeninhaber.

Leicht erhöht hat Friseurin Nadine Ehrich aus Hofstetten die Preise für Haarschnitte – bei Männern um einen Euro, bei Frauen um zwei Euro. „Eigentlich wollte ich dieses Jahr nicht erhöhen. Durch die coronabedingten Auflagen haben wir aber höhere Kosten.“ Beispielsweise müsse sie allen Kunden die Haare vorab waschen. „Ich habe die Preise nur geringfügig erhöht, weil doch viele Menschen von Kurzarbeit betroffen sind und weniger Geld zur Verfügung haben. Bislang hat sich bei mir noch kein Kunde über die Preiserhöhung beklagt“, sagt sie.

Friseurin Nadine Ehrich aus Hofstetten hat die Preise ganz leicht erhöht.
Bild: Thorsten Jordan

Laut Innungsobermeister Karlheinz Dittler, der einen Salon in Penzing hat, ist das Bild in der Branche sehr unterschiedlich. „Einige haben zu Jahresbeginn schon erhöht und tun es jetzt noch mal, andere verzichten darauf.“ Zu Letzteren gehöre er. Er sei froh, dass die Kunden auch unter den Umständen – wie dem Tragen einer Maske – kommen. Und Dittler hat noch einen anderen Vorteil: Sein Geschäft ist mit 100 Quadratmetern so groß, dass er die gleiche Anzahl an Kunden wie vor Corona bedienen kann. Die angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer werde er aber nicht an die Kunden weitergeben, auch weil seine Kasse den Satz von 16 Prozent nicht auf der Rechnung ausweisen könne.

Mit den Auflagen kämpfen auch Gaststätten und Cafés. Seit dem 18. Mai darf im Außenbereich wieder bewirtet werden. Eine Woche später durfte auch innen der Betrieb wieder aufgenommen werden. Der Lockdown und auch die Hygieneregeln, die einzuhalten sind, sorgten und sorgen dafür, dass in der Gastronomie ein großer Teil der Einnahmen weiterhin fehlt und zusätzliche Kosten entstehen. Ausgaben für Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Schutzmasken für die Angestellten belasten die Kassen. Gleichzeitig können wegen der Abstandsregeln weniger Gäste bewirtet werden.

Die Gäste vom Klostergasthof in St. Ottilien zahlen für ihr Schnitzel weiterhin den alten Preis. Der Pächter des Klostergasthofs, Peter Sonnauer, verzichtet auf einen Aufschlag, um anfallende Mehrkosten zu decken. Er setzt auf die Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent. Gastronomiebetriebe sollen nach dem Konjunkturpaket ab 1. Juli für ein Jahr steuerlich entlastet werden. Der Klostergasthof hat vor allem mit der fehlenden Bustouristik zu kämpfen. „Das sind 50 Prozent unserer Einnahmen“, so Sonnauer. Zusätzlich fehlten die Hotelübernachtungen, Schulungen und die Ritterspiele in Kaltenberg.

Im Vergleich zum Vorjahr sei der Gasthof unter der Woche zur Hälfte besetzt. Am Wochenende hingegen sei der Biergarten gut gefüllt. Sonnauer kann mit der aktuellen Situation trotzdem leben, wie er sagt – auch dank der Unterstützung des Klosters, das ihm sehr entgegengekommen sei. Auch die Gäste verhielten sich diszipliniert an die Vorgaben. Nur beim Hinterlassen der persönlichen Daten zögere der eine oder andere. „Mit Zureden und gutem Willen kann man sich aber wenigstens auf die E-Mail-Adresse einigen“, sagt Peter Sonnauer.

Der erhoffte Ansturm bleibt aus

Das Café Goldammer in Dießen verzichtet ebenfalls auf eine Corona-Pauschale. „Die Kartenpreise bleiben beim Alten“, versichert Inhaber Markus Dieffenbach. Seit dem Lockdown stand der Betrieb still. Das Café verzichtete auch auf andere Einnahmemöglichkeiten in der Zwischenzeit und verkaufte bewusst keine Gutscheine. Für Dieffenbach wäre das wie ein Kredit durch die Kunden. Trotz gewohnter Preise sei der erhoffte Ansturm bislang ausgeblieben. Die Gäste sind laut Dieffenbach zurückhaltend und es fehlten die Tagestouristen, die mit dem Dampfer kommen. Denn die Schiffe steuern das Ammersee-Westufer – wie berichtet – derzeit nicht an. Das dazugehörige Hotel sei aber gut angelaufen. „Viele Münchner buchten ein verlängertes Wochenende im Hotel am Ammersee.“

Auch das Café und Restaurant Panini in Schondorf macht es wie die Mitbewerber: Preise für Burger, Pizza, Pasta und Currys bleiben gleich. Während der Zwangspause bot Geschäftsführerin Ruth Kolodziej die Gerichte der kompletten Speisekarte zum Abholen an. Bei schönem Wetter sei der Außenbereich ordentlich besucht. Innerhalb des Restaurants können normalerweise bis zu 70 Gäste essen. Wegen der verschärften Regeln seien es aktuell durchschnittlich aber nur um die zehn Kunden.

Wilhelm Maucher, Besitzer und Küchenmeister vom Restaurant Lechblick in Denklingen, lehnt Preisaufschläge ab, wie er dem LT sagt. Die Gäste hätten durch Kurzarbeit auch mit der Krise zu kämpfen. Bis auf eine Ausnahme hätten sich im „Lechblick“ die Kunden auch an die Regeln gehalten.

Wilhelm Maucher vom „Lechblick“  in Denklingen hält nichts davon, eine Corona-Pauschale zu erheben.
Bild: Julian Leitenstorfer

Nur ein Ehepaar habe er wegschicken müssen: „Sie wollten ihre Daten nicht in die Liste eintragen.“ Während der Pause blieb das Restaurant zu. Die Zeit nutzte er, um zu renovieren und den Biergarten herzurichten. Ein Abholservice mache in der Stadt Sinn, dafür liege das Restaurant an der B17 aber zu weit vom Schuss. Er hofft nun auf gutes Wetter und viele Ausflügler.

Auch im Gasthof zur Brücke in Kaufering verzichtet man laut Christian Fischer auf Preisaufschläge. Weil das To-go-Geschäft so gut lief, wolle er den Kunden jetzt etwas zurückgeben.


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