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St. Ottilien

15.07.2019

St. Ottilien: Die neunte Stimme für das Geläut

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Erzabt Wolfgang Öxler weihte im Rahmen des Benediktusfestes in der Klosterkirche von St. Ottilien die neue Glocke „Glaubenszeugen“
Bild: Hertha Grabmaier

Die neue Glocke der Klosterkirche St. Ottilien ist 38 Märtyrern gewidmet. Spätestens an Weihnachten soll sie zu hören sein. Warum sich darauf koreanische Schriftzeichen befinden.

Unter dem Namen „Glaubenszeugen“ wurde die neue, neunte Glocke des Klosters St. Ottilien im Rahmen des Benediktusfestes geweiht. Dieses Mal musste der große Festtag allerdings ohne das gewohnte Glockengeläut auskommen, da der Glockenturm der großen Klosterkirche seit März aufwendig saniert wird (LT berichtete).

Während des feierlichen Pontifikalamtes zum Benediktusfest, das wegen der unsicheren Wetterverhältnisse in der Klosterkirche und nicht wie geplant am Kirchvorplatz stattfand, erhielt die neue Glocke mit dem Namen „Glaubenszeugen“ den Segen von Erzabt Wolfgang Öxler. Dabei umschritt er die Glocke, besprengte sie mit Weihwasser, beräucherte sie mit Weihrauch und salbte sie mit Chrisam. Die Überlegungen, das Geläut zu erweitern, liegen laut Erzabt viele Jahre zurück.

Der Ton der neuen Glocke ist „a1“

Pater Stefan Kling, der Glockensachverständige der Diözese, gab den entscheiden Hinweis, das Glockenensemble im oberen Tonbereich abzurunden. Die Notwendigkeit, aufgrund massiver Korrosionsschäden den stählernen Glockenstuhl neu zu errichten, bot den noch fehlenden Anlass, die gewünschte neunte Glocke anzuschaffen. Nachdem Ton, Gewicht und anderes mehr festgelegt waren, stellte sich die Frage der Widmung und des Namens. Beides war schnell entschieden. Aufgrund der langjährigen Verbindungen des Ordens mit Korea erinnert die Glocke an 38 Priester, Mönche und Schwestern der koreanischen Abtei Tokwon, die 1950 bis 1952 während der dort stattfindenden kriegerischen Auseinandersetzungen als Missionsbenediktiner ihr Leben lassen mussten.

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Nach Entwürfen des Landsberger Professors Franz Bernhard Weißhaar, der die Glockenzier mit Inschriften und Wappen entwarf, wurde die Moll-Oktavglocke mit dem Ton „a1“ am 10. Mai in der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck gegossen. Um der „Geburt“ der Glocke beizuwohnen, war eigens eine Delegation aus St. Ottilien nach Tirol gereist. Zunächst wurde das Profil der Glocke aus Holz geschnitten. Diese Schablone ist dann auch das Kernelement der Form und des Gusses. Sie entscheidet über den späteren Klang der Glocke. Deshalb sind Erfahrung und Sorgfalt enorm wichtig. Aus Lehmsteinen und -schichten wird nun der Kern gemauert und Schicht für Schicht feuergetrocknet. Anschließend füllt der Glockenformer den freien Raum zwischen Kern und Schablone mit feinen Lehmschichten: die Modellglocke oder „Falsche Glocke“.

Die Glocke wiegt fast eine halbe Tonne

Auf ihr wurden bereits die von Professor Bernhard Weißhaar entworfenen Inschriften und Verzierungen aus Wachs angebracht. Nach weiteren Arbeitsschritten geht es letztlich zur Gieß- oder Dammgrube und in Erde fest eingedämmt. Am 10 Mai war es dann soweit. Innerhalb von nur weniger Minuten strömte das flüssige, bis zu 1200 Grad heiße Metall (80 Prozent Kupfer, 20 Prozent Zinn) in den Hohlraum wischen Lehm-Kern und Lehm-Mantel. Die Glocke „Glaubenszeugen“ ist künftig mit 90 Zentimetern Durchmesser und einem Gewicht von 466 Kilogramm die zweitkleinste der nunmehr neun Glocken. Laut Erzabt Wolfgang Öxler soll das neue Glockenensemble, so ist der Zeitplan, an Weihnachten wieder zu hören sein. „Jede Glocke hat ihren eigenen Ton und doch müssen alle gut zusammenstimmen. Auch wir Menschen sollten darauf achten, gut zusammenzuklingen“, mahnte der Erzabt beim Segnungsgottesdienst.

Nach der kirchlichen Feier, von der Brüderblaskapelle und der OttiliAcappella festlich umrahmt, gab Stefanie Merlin von der Öffentlichkeitsabteilung des Klosters eine Einführung in die komplizierte Läuteordnung der Glocken, deren unterschiedliche Dispositionen die einzelnen Anlässe erkennbar machen. Bruder Odilo Rahm, der mit dem Ottilianer Geläut bestens vertraut ist, weihte unter anderem Eresings Bürgermeister Josef Loy vor seiner kleinen Verkaufshütte in die komplexen Glockengeheimnisse ein.

Auf die Besucher wartet ein großes Rahmenprogramm

Daneben gab es das Turmkreuz der Spenglerei Leib zu bewundern, die derzeit mit der Sanierung an der Klosterkirche betraut ist. Im Exerzitienhaus war eine Spielwiese für Kinder aufgebaut und der Flohmarkt zugunsten einer Schule in Togo fand reges Interesse mit seinem reichhaltigen Angebot an Klamotten, Hüten, Büchern und allerlei Krimskrams. Die wieder einmal sehr zahlreichen Besucher strömten mit den Brotzeiten aus den Klosterbetrieben zu den freien Plätzen unters Zeltdach, vor dem die Brüderblaskapelle sogar ein Paar zum Tanz animierte. Überall waren Stände mit Köstlichkeiten aus klostereigener Herstellung aufgebaut und im Klosterladen wurde es ziemlich eng.

Die neue Glocke „Glaubenszeugen“ kann bis zum Abschluss aller Renovierungsarbeiten im Chorraum der Klosterkirche besichtigt werden, bevor sie dann durch das „Heilig-Geist-Loch“ aufgezogen wird.

Lesen Sie dazu auch: Eine neunte Glocke kommt 2018 nach St. Ottilien

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