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Landsberg

21.01.2019

Stefan Grießinger bringt den Landsbergern die Sterne näher

Stefan Grießinger ist Naturheilpraktiker und Hobbyastronom.
Bild: Thorsten Jordan

Stefan Grießinger ist Landsbergs wohl bekanntester Hobbyastronom. Warum den 41-Jährigen auch die Kunst des Heilens fasziniert.

Der Große Wagen ist leicht, den kennt jeder. Aber alle anderen Sternzeichen müssen auch stimmen, und zwar genauestens, da ist er unnachgiebig. Kassiopeia, Orion und Perseus. Ein kleiner, achtjähriger Bub steht mit einer Sternenkarte in der Hand in seinem neuen Kinderzimmer und dirigiert den Vater. Hunderte kleiner und kleinster fluoreszierender Leuchtsterne müssen in exakter Formation an der Kinderzimmerdecke befestigt werden. Immer wieder korrigiert er des Vaters Bemühungen. Das war 1985. Der kleine Bub ist heute Landsbergs wohl bekanntester Hobbyastronom und arbeitet als Naturheilpraktiker mit eigener Praxis am Hauptplatz: Stefan Grießinger.

Warum er nach Chile reisen will

Er erinnert sich noch gut an das klassische Kosmos-Kindersachbuch über die Sterne, das damals seine Leidenschaft geweckt hat. Und an das jahrelange Betteln um ein eigenes Teleskop. Ein Herzenswunsch, der ihm schließlich für die Abschlussarbeit im Physikleistungskurs am Gymnasium in St. Ottilien von den Eltern gewährt wurde. Heute hat er sieben aktive Teleskope zu Hause stehen, kennt die europaweit besten Beobachtungsplätze, gibt am „Tag der Astronomie“ oder zu passenden Ereignissen (wie etwa dem Blutmond 2018 oder der partiellen Sonnenfinsternis 2015) öffentliche Einführungen und träumt davon, irgendwann in die Atacama-Wüste nach Chile zu reisen, um das (im Bau befindliche) größte Teleskop der Welt zu besichtigen.

Stefan Grießinger schätzt, dass es deutschlandweit etwa 30000 Hobbyastronomen gibt, deren Erkenntnisse und Entdeckungen gerne von der Wissenschaft aufgenommen werden, denn „die Großteleskope decken nur etwa zwei bis drei Prozent des Himmels ab, die Amateure haben durch ihre breite Streuung dagegen eine ziemlich große Abdeckung.“ Zu jeder Sonnen- oder Mondfinsternis sieht man Grießinger mit seinen großen Beobachtungsinstrumenten irgendwo in Landsberg stehen. Meist kündigt er seinen Standort über Facebook oder das LT an und bietet Neugierigen an, auch mal einen Blick durch seine Teleskope zu werfen.

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Mehr über Stefan Grießingers Aktionen lesen Sie hier: Ein Blick auf den Mond, den Mars und den Saturn

Mit der 3-D-Brille war man falsch ausgerüstet

Der nächste Termin findet am jährlichen Aktionstag der deutschlandweiten „Vereinigung der Sternfreunde“ statt: am 30. März am Flößerplatz. Das diesjährige Motto lautet: Möge die Nacht mit uns sein. Ein lustiges Wortspiel mit ernstem Hintergrund: Die zunehmende Lichtverschmutzung, auch Licht-smog genannt, mache nicht nur Astronomen Sorgen. Durch wachsende Industriegebiete, die nachts durchgehend beleuchtet sind, durch billige LEDs, Garten- und Fassadenbeleuchtung gebe es, so Grießinger, immer weniger Möglichkeiten, den Himmel zu beobachten. „Früher bin ich gerne nachts zur Rollmühle bei Igling gefahren, aber seit der Edeka im Frauenwald eröffnet hat, ist damit Schluss“. Es gebe Millionen Menschen, vor allem in Ballungsräumen, die noch nie einen Sternenhimmel gesehen hätten.

Dabei gibt es für ihn nichts Majestätischeres, als eine Neumondnacht in den Alpen zu verbringen. Rosettennebel, Orionnebel, Feuerradgalaxie, Makarjanische Kette, Plejaden, wer einmal die Milchstraße in voller Pracht über dem Tiefenbachferner gesehen hat, so Grießinger, wird ganz demütig und vergisst diesen Anblick so schnell nicht.

Seine zweite Leidenschaft, die Beschäftigung mit Krankheiten und Heilmethoden, hat ebenfalls in Grießingers Kindheit begonnen. Am Neujahrstag 1978 wurde er in Bayreuth geboren und noch am selben Tag zur Adoption in die bekannte Landsberger Familie Grießinger (Vater Hartmut war Stadtbaumeister, Opa Bruno Notar) nach Landsberg gegeben. Er war ein kränkliches Kind mit etlichen Lungenentzündungen, die mit drei Jahren als Mukoviszidose, eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, diagnostiziert wurden. In der Kinderklinik habe man der Mutter damals gesagt, so erzählt er, dass das Kind wahrscheinlich das nächste Jahr nicht überleben werde. Tatsächlich hat Stefan Grießinger die Krankheit im Laufe der Jahre immer besser in den Griff bekommen.

Ein kränkliches Kind

Die ewigen Arztbesuche und die Auseinandersetzung mit seinen Krankheiten, veranlassten ihn direkt nach dem Abitur zur Aufnahme des Medizinstudiums in Leipzig. Drei Jahre hat er studiert und ist letztendlich an der mündlichen Prüfung des Physikums gescheitert. „Schriftlich hatte ich alles schon bestanden, aber ich bin eben kein sturer Auswendiglerner. Zusammenhänge verstehen, das ist meins.“ Nach einem halben Jahr Auszeit und vielen Überlegungen entschied sich Stefan Grießinger für eine Heilpraktikerausbildung. „Zuerst hatte ich als schulmedizinisch Ausgebildeter Vorurteile, was will ich denn bei diesen Quacksalbern?“ Aber die Ausbildung habe ihn schließlich überzeugt, denn „das Gesundheitssystem kennt genug Leute, die spezialisiert sind, es braucht mehr, die den Überblick behalten.“ 2005 eröffnete er seine Praxis am Hindenburgring und zog 2010 in das wunderschön renovierte Hinterhaus vom heutigen Kunstcafé.

Gibt es seiner Meinung nach intelligentes Leben außerhalb der Erde? Grießinger zögert keine Sekunde, zu 100 Prozent, da ist er sich sicher und beruft sich sinngemäß auf den mittelalterlichen Priester und Astronomen Giordano Bruno sowie auf Albert Einstein: Es gibt Hundert Milliarden Sterne alleine in der Milchstraße, also auch Milliarden von Planeten. Wäre nur auf der Erde Leben entstanden, wäre das wohl eine unglaubliche Verschwendung. „Es ist geradezu albern anzunehmen, es gebe keine anderen Lebewesen, keine anderen Denkvermögen und keine anderen Sinne als die uns bekannten.“

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