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Ausstellung

02.07.2019

Stumme Dialoge voller Aussagekraft

Das Foto in der Mitte zeigt (von links) Margarete Bartsch, Lore Kienzl und Laudator Christian Burchard bei der Vernissage der Ausstellung „… im Dialog“ im Schondorfer Studio Rose. Auf dem Foto links ist die in Raku-Technik gebrannte Tonplastik „Kopf“ von Lore Kienzl zu sehen, auf dem Foto rechts das Gemälde „Blau bricht auf“ von Margarete Bartsch.

Margarete Bartsch und Lore Kienzl zeigen gemeinsam Arbeiten im Studio Rose in Schondorf

Vieles in der Kunst ist gut beschrieben mit dem Wort Reaktion, als Ausdruck einer Anteilnahme am aktuellen Geschehen, als zeitgemäße Positionierung im Wirrwarr unserer schnelllebigen Zeit. Im Studio Rose in Schondorf wird dies jedoch außer Acht gelassen und unsere rasante Taktung grundlegend verlangsamt. Denn in den dort bis 7. Juli präsentierten Arbeiten von Margarete Bartsch und Lore Kienzl spielt Reflektion die Hauptrolle.

„Zeitspeicher“ nannte der Kunsthistoriker Christian Burchard die Gemälde von Margarete Bartsch in seiner Laudatio bei der Vernissage. Und damit hat er nur allzu recht. Darüber hinaus zeichnen die Bilder noch weitere besondere Qualitäten aus: Klarheit, Tiefe und dadurch Sogwirkung. Es sind ruhige, ausgewogene Bildkompositionen, in denen Bewegung gewachsen erscheint, Dynamik zum konstant schwingenden Grundton wird, und Kraft als eine Art Lebensessenz jeden Quadratzentimeter der Bilder durchdringt. All diese Eigenschaften mögen dem versierten Einsatz ihrer Technik, der zeitintensiven Malerei mit Eitempera, geschuldet sein, vielleicht auch ihrem Lebensalter.

Wie auch immer Margarete Bartschs Form der Zeitspeicherung zustande kommt, sie spiegelt eine innere Haltung, die im Betrachter Wirkung entfaltet: Man wird für Momente dem Zeitstrom entzogen und schwingt gegenwärtig in Farbe und Form. Früher habe sie Konkretes gemalt, sei „bis an die Grenze des Fotorealismus“ gegangen und erst vor zwölf Jahren zum Ungegenständlichen gekommen, so Burchard. Auf die Frage warum sie diese Wandlung zum Abstrakten vollzogen habe, sagt Margarete Bartsch über ihren früheren Malstil: „Ich musste was loswerden, ich bin 81“, und nennt die gewonnene Abstraktion „eine Befreiung“.

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Partnerschaftlich stehen den Bildern die Plastiken und Skulpturen von Lore Kienzl gegenüber. Es ist eine gute Beziehung, die sich in dieser Kombination abbildet, denn in den Arbeiten beider Künstlerinnen liegt im positiven Sinn individuelle Abgeschlossenheit. Nichts heischt um Beachtung, oder tritt in Konkurrenz, im Gegenteil, alle Exponate stehen dem Titel der Ausstellung entsprechend, miteinander „… im Dialog“. Auch in Lore Kienzls Arbeiten zeigt sich gespeicherte Zeit, ob Lebensspanne oder evolutionäre Kulturgeschichte der Menschheit als Teil des Themas und der Aussage. Der träumerische Ausdruck im Gesicht eines wie zum Schlaf gebetteten Kinderkopfs, eine Stele, die an frühgeschichtliche Figuren von Gottheiten erinnert, oder eine Darstellung von Don Quijote, der Kunstfigur, die unnachahmlich menschliche Zweifel an der Realität, aber auch Hoffnung und Hingabe an das Dasein verkörpert.

Ihre Werkmittel sind ebenso tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt wie ihre Themen. So verwendet sie gebrauchtes Holz wie Mooreiche, das meist schon einen sehr langen Nutzungszyklus hinter sich hat, formt Figuren aus Ton und brennt sie in der uralten Raku-Technik oder nutzt Bronzeguss, der schon im vierten vorchristlichen Jahrtausend gebräuchlich war. Für Kienzl liegt die Herausforderung der Kunst darin, „das Wesentliche zu erkennen“ und „die Idee und ihre Verwirklichung im Material zur Einheit“ zu bringen. Aussagen, die ihre Werkmittel und die Formgewordenen Inhalte erläutern.

Die Ausstellung von Margarete Bartsch und Lore Kienzl im Schondorfer Studio Rose ist noch bis Sonntag, 7. Juli, jeweils Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

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