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29.02.2020

Sturm „Bianca“ beschädigt das Radom

Das Radom in Raisting ist seit Freitagnacht ohne Schutzhülle (oben). Sturmtief „Bianca“ hat sie heruntergerissen. Die Parabol-antenne ist nun ungeschützt (unten rechts). Das Foto unten links zeigt das unbeschädigte Radom.
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Das Radom in Raisting ist seit Freitagnacht ohne Schutzhülle (oben). Sturmtief „Bianca“ hat sie heruntergerissen. Die Parabol-antenne ist nun ungeschützt (unten rechts). Das Foto unten links zeigt das unbeschädigte Radom.

Der heftige Wind hat in der Region Landsberg einige Schäden hinterlassen. Das Industriedenkmal Radom am südlichen Ammersee ist seit Donnerstag ohne Hülle. Es ist nicht der erste Sturmschaden in dessen Geschichte

Sturm „Bianca“ hat in der Nacht auf Freitag in der Region deutliche Spuren hinterlassen. Das Radom der ehemaligen Erdfunkstelle in Raisting ist ohne Hülle. Im Landkreis Landsberg riss der Sturm einige Bäume um, Straßen mussten deswegen kurzfristig gesperrt werden, und auf der Bahnstrecke Geltendorf-Schongau fiel bis Freitagmittag der Zugverkehr aus.

Der heftige Sturm hat die strebenlose Traglufthülle, die als Radarkuppel (Radom) dient und eine Parabolantenne mit 25 Metern Durchmesser beherbergt, völlig zerstört. Die 1965 in Raisting südlich des Ammersees gebaute Antenne übertrug unter anderem Fernsehbilder von der Mondlandung und den Olympischen Spielen in München live. Am Rand des Parabolspiegels sind nur noch die Halterungen einer Verkleidung zu sehen.

Wie René Jakob, Geschäftsführer der Radom Raisting GmbH des Landkreises Weilheim-Schongau, vor Ort sagte, ist die Radomhülle versichert. Die erste Hülle des Radoms hielt 40 Jahre, die zweite nun gerade einmal zehn. Die Kosten für die zweite Haut betrugen laut Jakob zwischen 200000 und 250000 Euro, der Tausch der Hüllen mit einem riesigen Kran 800000 Euro.

Sturm „Bianca“ beschädigt das Radom

Durch den Druckabfall in der Schutzhülle wurde der Schaden am Radom bemerkt. Zunächst wurde die Wartungsfirma angefordert. Der Vorfall müsse sich zwischen 21.30 und 22 Uhr ereignet haben. Da vorher aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet wurde, könne es auch Abweichungen von diesem Zeitfenster geben. Gegen 4.50 Uhr rückte die Raistinger Feuerwehr mit zwei Fahrzeugen und 15 Einsatzkräften an, um die Exponate einer kleinen Ausstellung im Radom (unter anderem Schautafeln und Satellitenmodelle) ins Fundamentgebäude zu stellen und die 5200 Quadratmeter große Hüllenfolie mit Sandsäcken zu beschweren. Die Antenne selbst hatte sich zum eigenen Schutz um etwa 90 Grad „aus dem Wind“ gedreht, sagt René Jakob. Sie sei nicht dafür gebaut, im Freien zu stehen. Sie müsse nun verzurrt und die Hülle, die noch am Gebäude klemmt, beseitigt werden.

Erst vor zehn Jahren sind Gebäude und Technik des Industriedenkmals Radom für 2,4 Millionen Euro saniert worden. Die neue Hülle ist für Windstärken bis 120 Stundenkilometer ausgelegt. Wie stark der Wind Freitagnacht in 39 Metern Höhe war (so hoch ist die Hülle), hatte Jakob noch nicht in Erfahrung bringen können. Bis die Hülle ausgetauscht wird, dauert es mindestens sechs bis neun Monate, vermutet der Geschäftsführer.

Das Radom Raisting ist eine denkmalgeschützte Satelliten-Bodenstation. Der Bau wurde 1963/64 nach Plänen von Hans Maurer im Auftrag der Deutschen Bundespost errichtet. Im Inneren einer 49 Meter durchmessenden strebenlosen Traglufthalle, die als Radarkuppel (Radom) dient, beherbergt die Anlage eine Parabolantenne mit 25 Metern Durchmesser. Sie diente als Teil der Erdfunkstelle bis 1985 dem interkontinentalen Funkverkehr (Telefon und Fernsehen) über Nachrichtensatelliten.

„Ich könnte weinen.“ Das war die erste Reaktion von Landrätin Andrea Jochner-Weiß am Freitagmorgen am Industriedenkmal in Raisting. „Ein bayerisches Wahrzeichen ist über Nacht zerstört worden.“ Dass bei dem Sturm „nur“ das Gebäude und keine Menschen zu Schaden gekommen waren, darüber war die Landrätin erleichtert. Denn sie habe immer noch die Bilder im Kopf von einem Sturm vor acht Jahren, als die Sanierung des Radoms groß mit der Bevölkerung gefeiert wurde und Sturmböen das Festzelt umrissen. Vier Personen waren damals verletzt worden, eine davon schwer.

Wie die Bayerische Regiobahn mitteilt, war zwischen Schongau und Geltendorf wegen mehrerer Bäume im Gleis kein Zugverkehr mehr möglich. Es wurde Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Gegen Mittag meldete die Bayerische Regiobahn , dass alle Strecken wieder befahrbar seien, Verspätungen aber noch vereinzelt auftraten.

Im Landkreis Landsberg sorgten mehrere umgestürzte Bäume für Behinderungen auf den Straßen. Die Landsberger Polizei meldete an die zehn Fälle unter anderem in Landsberg, Igling, Hurlach, Vilgertshofen, St. Ottilien und Windach. In allen Fällen wurde die Feuerwehr verständigt, die die Bäume von den Straßen entfernte.

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