1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Sudbury Schule: „Aufgeben ist keine Option“

Ludenhausen

13.09.2016

Sudbury Schule: „Aufgeben ist keine Option“

„Derzeit findet an der Sudbury Schule Ammersee kein Schulbetrieb statt“, so ist es seit gestern an der Schultür in Ludenhausen zu lesen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Bildungsstätte in Ludenhausen will Betrieb weiterführen und klagt. Aufsichtsbehörde sieht Lehrziele nicht erfüllt.

„Schulgemeinschaft unter Schock“, so betitelte die Sudbury Schule Ammersee mit Sitz in Ludenhausen gestern Vormittag ihre Pressemitteilung. Der Betrieb der „ersten demokratischen Schule Bayerns“, wie sich die Einrichtung beschreibt, soll nach abgelaufener Frist von zwei Jahren eingestellt und nicht weiter verlängert werden. Das bestätigte die Regierung von Oberbayern als Schulaufsichtsbehörde auf Nachfrage. Für den Erhalt demonstrierte die Schulgemeinschaft gestern in München vor dem Kultusministerium. Und gegen den Ablehnungsbescheid der Regierung von Oberbayern reichte der Schulträger Klage beim Verwaltungsgericht München ein.

„Die Sudbury Schule Ammersee in Ludenhausen wurde mit Bescheid der Regierung von Oberbayern seit August 2014 als private Ersatzschule (Grund- und Mittelschule) befristet auf zwei Jahre schulaufsichtlich genehmigt“, teilt die Regierung von Oberbayern mit. In dieser Pilotphase sollte die Schule nachweisen, dass sie die Lehrziele einer öffentlichen Grund- und Mittelschule einhält. „Ein Erreichen der Bildungsziele konnte nicht nachgewiesen werden“, so die Regierung von Oberbayern weiter. Die staatliche Schulaufsicht habe keine oder nur ungenügende Erkenntnisse zum Ausbildungsstand der Schüler gehabt. Um sich ein Bild über den Lernstand zu verschaffen, habe die Regierung von Oberbayern im Juni 2016 eine schriftliche Leistungsprüfung festgesetzt. „Die Schulversammlung weigerte sich allerdings, an dieser Leistungsprüfung teilzunehmen.“ Bereits seit März 2015 habe es „vielfältige und zeitintensive Besprechungen, Verhandlungen und Krisengespräche mit dem Schulträger“ gegeben. Dabei sei es stets um nicht hinreichend erfüllte Auflagen zu geforderten Dokumentationen der Lerninhalte gegangen, „zumal es keine üblichen Leistungsnachweise wie Proben oder Unterrichtsnachweise der Lehrkräfte gab“. Daher habe die Regierung von Oberbayern die Sudbury Schule bereits im April 2016 in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass „die Verlängerung der schulaufsichtlichen Genehmigung wegen gravierender Mängel im Schulbetrieb in Frage“ stehe. Also lief die Betriebsgenehmigung am 31. Juli 2016 aus. Dagegen, das bestätigt die Regierung von Oberbayern, erhob der Schulträger Klage beim Verwaltungsgericht München und stellte zudem einen Eilantrag auf vorläufige Gestattung des Weiterbetriebs bis zur gerichtlichen Entscheidung im Klageverfahren. Den Eilantrag lehnte das Gericht am 9. September als unbegründet ab, teilt die Regierung von Oberbayern mit. Das Hauptverfahren läuft noch.

Nachdem man vonseiten der Behörde einen Tag vor Schulbeginn allerdings erfahren habe, dass der Schulbetrieb ungeachtet der Eilentscheidung des Gerichts fortgesetzt werden solle, untersagte man mit Bescheid vom 12. September mit sofortiger Wirkung und zwangsgeldbewert die Aufnahme des Schulbetriebs, so die Regierung von Oberbayern weiter.

Das bestätigt die Schule, die nun von einer überraschenden Ablehnung des Eilantrags spricht: „Unter Androhung einer Geldstrafe von 10000 Euro wurde uns untersagt, den Schulbetrieb wieder aufzunehmen – auch, wenn das Hauptverfahren noch läuft.“ Die 45 Schüler samt Eltern und Mitarbeitern der Sudbury Schule in Ludenhausen seien „bis ins Mark getroffen“, wie es in der Pressemitteilung heißt. „Die Schüler lieben ihre Schule, manche lernen hier zum ersten Mal glücklich und stressfrei, weil sie endlich ernst genommen werden und mitbestimmen dürfen.“ Es sei unklar, wie die Schule bis zum Ausgang des Hauptverfahrens finanziell überleben könne, nachdem jegliche Zuschüsse von seiten der Regierung eingestellt seien. Sudbury-Gründerin Gerlinde Rüdinger-Wagner schreibt: „Aufgeben ist für uns keine Option“. Das Bestreben der Regierung von Oberbayern, die Schule zu schließen, wird von den Mitarbeitern als „Aufbäumen des Systems gegen neuen Wege der Bildung gesehen“. Die Schule berichtet von einem Inspektionsbesuch von Regierungsvertretern im April, der „völlig aus dem Ruder“ gelaufen sei. Dabei seien Lernsituationen „völlig übersehen worden und Schüler in abwertender Weise befragt worden, bis ein Schüler schließlich zusammengebrochen war“. Dies dementierte die Regierung von Oberbayern.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

18.09.2016

schade, das sie sehr einseitig der position der regierung oberbayern folgen. eine objektivere betrachtungsweise würde den leser ausgeglichener informieren.

Permalink
16.09.2016

Ich habe mir diese Schule live angesehen - wäre froh wenn es eine derart pädagogisch durchdachte Schule in München geben würde - es muss ein Traum sein dort zu lernen -selten so zufriedene Schüler erlebt. Gerade für schulsystemgeschädigte Schüler, die unter diesem bayersichen Druck und Stresssystem leiden, könnte ich mir diese Schulart hervorragend vorstellen. Die sichtbare Kompetenz der Schüler hat mich überzeugt!

Übrigens als offene Kindergärten eingeführt wurden, erlebten wir damals auch viel Unverständnis - heute sind offene Kindergärten Standard - diese Schulart ist die perfekte Fortführung der offenen, partizipativ geführten vorschulischen Bildungseinrichtungen.

Aber vielleicht kann mir mal jemand von der Regierung von Oberbayern erläutern, warum Partizpation als demokratisches Grundprinzip im Bayersichen Bildungs und Erziehungsplan eine Schlüsselkompetenz ist, ab Schulbesuch seitens der Schüler aber abzulegen ist..

Welche Ängste und Befürchtungen müssen wohl dahinterstecken, wenn eine Behörde einer Schule ohne Noten die Genehmigung entzieht?

Permalink
15.09.2016

(Beitrag wurde gelöscht und Account gesperrt, bis der Klarname angegeben wird. Pseudonyme sind nicht gestattet. Bei weiteren Fragen bitte Mail an moderator@augsburger-allgemeine.de)





Permalink
15.09.2016

versteh die ganze Sache nicht wir sind auch alle in eine Regelschule gegangen die uns mit Sicherheit nicht geschadet hat .Aber es zeigt sich jeden Tag in den Zeitungen was aus antiautoritär Erzogenen Kindern und Jugendlichen die keinen Respekt vor Erwachsenen haben wird . Es sollte der ganz normale Schulweg eingehalten werden und fertig .

Permalink
15.09.2016

(Beitrag wurde gelöscht und Account gesperrt, bis der Klarname angegeben wird. Pseudonyme sind nicht gestattet. Bei weiteren Fragen bitte Mail an moderator@augsburger-allgemeine.de)

Permalink
15.09.2016

Leistungsdruck, Angst vor Demütigung, Langeweile, ständige Unterbrechungen falls doch mal was Spaß macht, fragen müssen, wenn man aufs Klo muss - unter diesen Bedingungen lernt NIEMAND optimal erfolgreich

Da kennen Sie aber die heutigen Schulen schlecht. Den Leistungsdruck erzeugen die Eltern nicht die Schule. Meinen Kindern war nicht langweilig und wurden nie gedemütigt und ich hatte 8 Kinder in 7 verschiedenen Schulen.

Permalink
15.09.2016

(Beitrag wurde gelöscht und Account gesperrt, bis der Klarname angegeben wird. Pseudonyme sind nicht gestattet. Bei weiteren Fragen bitte Mail an moderator@augsburger-allgemeine.de)


Permalink
16.09.2016

Zitat aus einer Pressemitteilung :

" Die Debatte um das Thema Sitzenbleiben zeige erneut auf, dass der Fokus nach wie vor zu sehr auf Noten und deren Vergleiche liegt. „Ziffernnoten spiegeln nicht das tatsächliche Leistungsspektrum und die Persönlichkeit eines Heranwachsenden wider. Daher pocht der BLLV auf die Etablierung zeitgemäßer Lern- und Leistungssysteme an allen Schulen.“

ach ne???? an allen sind wohl doch nicht die Eltern Schuld ?Liegt wohl doch vielmehr an der Qualität des Lernens und Bewertens an den Schulen...

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren