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Eresing

11.11.2018

Susi, die Uhudame, soll eine Familie gründen

Die Uhudame Susi flog vor einem Jahr bei Eresing in einen Hühnerzaun und wird seitdem in einer Auffangstation bei Sauerlach aufgepäppelt.
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Die Uhudame Susi flog vor einem Jahr bei Eresing in einen Hühnerzaun und wird seitdem in einer Auffangstation bei Sauerlach aufgepäppelt.
Bild: Klaus Janke

Die große Eule, die sich vor einem Jahr in Eresing schwer verletzte, wird immer noch gepflegt. Klaus Janke aus Finning hat den Vogel in Otterfing bei Sauerlach besucht und berichtet dem Landsberger Tagblatt.

Mit den großen orangeleuchtenden Augen und dem abgeklappten linken Ohr bietet Uhudame Susi einen verwegenen Anblick. Im Oktober vergangenen Jahres verfing sich das Eulenweibchen bei der Jagd auf einen Igel bei Eresing in einem Hühnerschutzzaun. Von diesem Unfall hat sich das Tier noch nicht erholt. Sie wurde damals zu Auffangstation und Pflegestation für Greifvögel in Otterfing bei Sauerlach gebracht. Der Berufschullehrer und Falkner Alfred Aigner leitet die Auffangstation seit Jahrzehnten.

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Susi auf Reha in Otterfing

Bisher konnte Susi noch nicht ausgewildert werden und das Ehepaar Lisa und Klaus Janke aus Finning haben den Vogel jetzt bei seinem Rehaaufenthalt besucht. Klaus Janke ist Mitglied des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und hat dem Uhu den Namen Susi gegeben. Er beobachtete das Weibchen mit einem Partner schon seit mehreren Jahren, denn das Pärchen brütete auch in der näheren Umgebung. Susi hat sich zwar keine schwerwiegenden inneren Verletzungen zugezogen, als sie sich im Zaun verfing. Jedoch wurden die Außenfedern des über zehn Jahr alten Tieres beschädigt und diese sind noch nichtausreichend nachgewachsen, wie Aigner dem LT erläutert.

Der Uhu kann nicht mehr richtig fliegen

Sie kann nicht mehr richtig fliegen. Der Falkner ist sich nicht sicher, ob die Federn wieder hergestellt werden und Susi damit bei Eresing ausgewildert werden kann. Aigner hatte eigentlich schon heuer im Frühjahr vorgehabt, das Tier dorthin zu bringen, zu einem Zeitpunkt, als er einen anderen jungen Uhu bei Paterzell auswilderte. Doch Susi war noch nicht fit genug. Sie wird also vielleicht auf Dauer in Otterfing bleiben und Aigner möchte dann versuchen, mit Susi zu züchten. Die Jungen würden dann wieder ausgewildert.

Auch ein Waldkauz kam dazu

Neben Susi ist noch ein anderer gefiederter Gast aus dem Landkreis in Otterfing eingezogen: Kurz bevor die Jankes nach Sauerlach fuhren, meldet sich der Dießener Tierarzt Michael Rattenhuber. Beim ihm war ein Waldkauz abgegeben worden, der offensichtlich gegen eine Scheibe geflogen war. „Die Hausbesitzerin ist auf den Kauz, der auf dem Rücken lag, aufmerksam geworden, da ihn Krähen attackierten“, erzählt Klaus Janke, was ihm berichtet wurde. Es handelt sich um ein junges Tier, das Aigner noch zur Beobachtung bei sich behält. Der Kauz wird vermutlich irgendwo bei Sauerlach wieder in die Wildnis entlassen, die Art ist relativ häufig und muss nach Jankes Wissen nicht wieder an ihren Ursprungsort gebracht werden. Uhus jedoch gelten als gefährdet. Deutschlandweit gibt es laut LBV 1200 Brutpaare dieser größten europäischen Eulenart. 250 bis 300 Paare der Brutpaare leben Bayern. Der Lech mit seinen Steilhängen ist ein ideales Brutgebiet und bietet mehreren Paaren Heimat. Susi und ihr Partner hatten sich etwas weiter weg ein Refugium gesucht. Die Eresinger Uhudame und der Waldkauz sind zwei von vielen Greifvögeln, die von Alfred Aigner gepflegt werden. Wie Klaus Janke erfahren hat, sind es in der Regel 50 bis 100 Tiere, die Aigner betreut. Früher kamen Tiere in die Station, die gegen eine Fensterscheibe geflogen waren, heute seien es zum Großteil Tiere, die von Autos verletzt würden.

Es gibt eine Art Babyklappe für die Tiere

Und da Aigner berufstätig ist und nicht immer auf der Station sein kann, gibt es eine Art Babyklappe für die Tiere: Sie können vor der Station in einen Kasten gesetzt werden. Das ist ein Angebot, das vor allem Polizei und Feuerwehr nutzen, die verletzte Tier dort abgegeben können – inclusive Anmeldeformular. Und so tummeln sich eine Reihe von häufigen Arten wie Waldkauz und Turmfalke, aber auch sehr rare Tiere in der Station. Begeistert sind die Jankes von einem jungen Schwarzstorch, einer sehr seltenen und vor allem sehr scheuen Art. In Otterfing ist davon nichts zu merken, der schwarze Storchenvogel stakst selbstbewusst herum, wie Lisa Janke erzählt. Auch er kann nicht richtig fliegen, da er von Geburt an einen verkürzten Flügel hat, der jetzt operiert werden soll. Das Jungtier folgt Aigner, wenn es Richtung Futter geht. „Der Schwarzstorch bekommt Fischstücke, die anderen tote Mäuse oder Küken.“ Ein Steppenadler zeigt seine eindrucksvollen Kopf und verschiedenen, mit ihren große runden Augen immer etwas skurril wirkenden Eulenarten wie die einer Sumpfohreule oder der fast furchterregenden Maske einer Waldohreule, die in einem Kasten sitzen. Ein Greif lebt in Freiheit bei Alfred Aigner: ein Habicht fliegt mal aus, bleibt aber grundsätzlich auf dem Gelände, wie die Jankes erzählen. Und mit einem Stück Fleisch an einer Leine, kann der Falkner auch zeigen, wie fix der Luftjäger zuschlägt.

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