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Landsberg

24.09.2019

Theater: „Randerscheinungen“ und seine süßen Zitronen

Bei „Zitronen sind süße Früchte“ geht es wild zu. Die neue Inszenierung des Projekts „Randerscheinungen“ ist derzeit im Landsberger Stadttheater zu sehen.
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Bei „Zitronen sind süße Früchte“ geht es wild zu. Die neue Inszenierung des Projekts „Randerscheinungen“ ist derzeit im Landsberger Stadttheater zu sehen.
Bild: Thorsten Jordan

Die Gruppe Randerscheinungen präsentiert ihr neues Stück im Landsberger Stadttheater. Auf der Bühne geht es grell und wild zu.

Kunstnachtbesucher durften auf dem Hauptplatz zwei kleine Szenen bereits „vorkosten“. Jetzt feierte „Zitronen sind süße Früchte“, das neueste Stück des Projekts Randerscheinungen e.V., Premiere im Landsberger Stadttheater. Zitronen sind süß? Widerspruch ist zwecklos bei dieser Theatertruppe, die das jüngste Werk ihres „Haus- und Hofschreibers“ und Regisseurs Max von Theben alias Maximilian Huber auf die Bühne brachte.

Schnelle Bilder, die schon leicht aggressiv machen können

Es ist eine grelle, Charaktere überzeichnende Komödie mit Hang zu leichter, aber nie vordergründiger, nur leicht im Raum schwebender Tragik. Satire ist groß geschrieben, Ironie lugt aus jedem Dialog, Spott drängt sich mehr als nur einmal nach vorn. Und sie ist nichts für Schreckhafte: Mehr als einmal passiert in dem schrägen Stück etwas Unvorhergesehenes. Besucher sind bereits beim Eintritt in den Theatersaal gefordert: Noch vor Beginn des Live-Theaters flimmern Filmchen im Zeitraffer über die große Rück-Leinwand.

Mehr Impressionen von der Premiere finden Sie in unserer Galerie:

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Das Projekt Randerscheinungen mit ihrem neuen Stück im Landsberger Stadttheater.
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Zitronen sind süße Früchte
Bild: Thorsten Jordan


Für visuelle Typen hat die Bildgeschwindigkeit Aggressionspotenzial. Personen verhuschen, Sprüche, Aussagen können nachgelesen und deren Sinn erfragt werden. Dazu tönt laute Musik aus den Lautsprechern. Beginnt dann das eigentliche Theater, sind alle restlos aufgewärmt und aufnahmefähig. Ein echter Kunstgriff!

Nach der lauten Musik ist das Publikum aufgewärmt

Eine Neuigkeit erfährt das Publikum noch: „Meine Eltern haben die Schulabschlussfeier gecrasht“, erklärt Theatertochter Lea (Tine Polzer). „Aber seht selbst.“ Dieses Ereignis steht allerdings nicht am Beginn des Stücks. Vielmehr wird mit dramaturgischen Mitteln (Sprache, Bilder) darauf hingearbeitet. Und es geht auch nicht um diesen Schulabschluss, sondern um mysteriöse Ereignisse, nicht erklärbare Pannen, sonderbare Reaktionen der Personen des Stücks. Es wird gebrüllt, gekreischt, geheult – und teilweise alles auf einmal. Was ist das für ein irrer Haufen?, wird sich der eine oder andere Zuseher gedacht haben. Dabei dienen alle Absonderlichkeiten einem speziellen, mit zunehmender Dauer des Stücks klarer werdendem Zweck.

Die Geschichte wirkt wie ein einziger Rausch

Einzig Oma/Mutter/Schwiegermutter Rosa (Dr. Regina Kläger) scheint ziemlich normal zu sein. Wie sie einen doch täuschen kann... Die Szenen sind kurz, knackig, bedeutsam für den rauschhaften Fortgang der Geschichte. Es werden Fäden ausgelegt, ver- und später wieder entknotet. Ängste und Psychosen stehen im Mittelpunkt. Da sind die ständig kreischende Elli (Angelika Engl) mit ihrem Putzzwang und ihr Ex-Mann Sigi (Norbert Waldmann), der eigentlich nur aufgebracht ist und weiteres Aggressionspotenzial jederzeit locker machen kann.

Ellis Bruder Emil (Emanuel Kasprowicz) hat nicht den Mut, sich zu outen, wird depressiv und ist selbstmordgefährdet. Zusammen mit dem verhuschten Polizisten Eddy (Dr. Christoph Schönhofer) und der sexsüchtigen Peggy (Uli Geske) wird ungewollt Survival trainiert – mitten im vermeintlichen Niemandsland. Es ist ein herrlich, oder schrecklich verrücktes Grüppchen, präsentiert von Schauspielern mit Potenzial. Der Schluss der Randerscheinungen-Inszenierung wirkt wie auf Wunsch mehrfach inszeniert und jedes Mal beeindruckt er aufs Neue.

Termine Weitere Aufführungen im Stadttheater Landsberg am heutigen Mittwoch und Donnerstag, 26. September, jeweils um 20 Uhr.

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