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Landkreis Landsberg

14.01.2020

Tierskandal: Veterinäramt nimmt einem Landwirt etliche Kühe weg

Das Veterinäramt hat einem Landwirt aus dem nördlichen Landkreis rund die Hälfte seiner Milchkühe entzogen.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Unterernährt und vernachlässigt: Das Veterinäramt stellt in einem Betrieb im Landkreis Landsberg Missstände fest. Warum der Landwirt einen Teil der Herde vorerst behalten darf.

Immer wieder forderte das Veterinäramt des Landkreises Landsberg einen Landwirt aus dem nördlichen Landkreis auf, die Missstände in seinem Stall zu beheben. Da es aber wiederholt Probleme gab, zog die Behörde die Notbremse und ließ einen großen Teil der Tiere von dem Hof abholen.

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Wie Wolfgang Müller, Sprecher des Landratsamtes, auf Nachfrage des Landsberger Tagblatts bestätigt, wurden bereits Mitte Dezember 44 der 78 Rinder abgeholt. Dem Landwirt werden mehrere Verstöße zur Last gelegt. So soll ein Teil seines Milchviehs zum Zeitpunkt der Abholung unterernährt gewesen sein und die Klauenpflege soll vernachlässigt worden sein. Zudem soll der Boden des Stalls total verdreckt gewesen sein. „Der Kot der Rinder wurde nicht beseitigt. Zum einen erhöht sich dadurch die Verletzungsgefahr für die Tiere und zum anderen können sich die Rinder nicht hinlegen, was wichtig wäre, damit sie sich ausruhen können. Lebensbedrohlich war die Situation für die Tiere aber nicht“, so Müller.

Der Betrieb gilt als problematisch

Dass nicht alle Rinder mitgenommen wurden, begründet das Landratsamt damit, dass die 34 anderen Tiere noch in einem akzeptablen Zustand gewesen seien und deshalb vorerst auf dem Hof bleiben dürfen. „Wir beobachten die Situation aber natürlich sehr genau. Zuletzt waren unsere Mitarbeiter am 9. Januar vor Ort“, sagt der Pressesprecher des Landratsamtes. Sollte es weiterhin Probleme geben, sei eine erneute Entnahme möglich oder in letzter Konsequenz auch ein Haltungsverbot, informiert Müller. Der betroffene Bauer ist kein Unbekannter beim Veterinäramt. Er musste in der Vergangenheit bereits mehrere Geldstrafen zahlen – insgesamt eine vierstellige Summe laut Landratsamt. „Bislang haben leider alle vorgenommenen Maßnahmen nicht gefruchtet. Der Hof wurde zwischenzeitlich auch überschrieben, geändert hat sich dadurch aber nichts“, sagt Wolfgang Müller.

Tierskandal: Veterinäramt nimmt einem Landwirt etliche Kühe weg

Die Rinder hat das Landratsamt in Penzing in einem Stall untergebracht, den die Behörde gepachtet hat. Dort ist Platz für mindestens 80 Tiere. Die 44 Rinder werden so lange dort betreut, bis sie wieder in einem guten Zustand sind. Darum kümmert sich im Auftrag des Landkreises ein ausgebildeter Landwirt.

Die Tiere werden in Penzing betreut

Die Kosten für den Transport der Tiere nach Penzing und die dortige Unterbringung und Verpflegung holt sich der Landkreis durch den Verkauf der Milch und später auch der Tiere zurück. So entstünden dem Landkreis keine Kosten, informiert Müller. Das Gebäude in Penzing sei genau für solche Fälle wie den jetzigen im nördlichen Landkreis gepachtet worden, betont er. „Fünf bis zehn Tiere bekommt man immer irgendwo unter, aber bei Fällen wie dem jetzigen – die wir im Schnitt zweimal im Jahr haben – haben wir ein Problem. Deswegen wurde dieses deutschlandweit wohl einmalige Projekt gestartet“, sagt Wolfgang Müller. Seit Ende vergangenen Jahres nutzen weitere Landkreise diese Möglichkeit der Unterbringung in Penzing. Eine entsprechende Zweckvereinbarung zur Finanzierung der Einrichtung haben die Landkreise Aichach-Friedberg, Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Ebersberg, Fürstenfeldbruck, Garmisch, Miesbach, München und Rosenheim unterzeichnet.

Die 44 Tiere sind derzeit in einem Stall in Penzing untergebracht.
Bild: Julian Leitenstorfer

Der Fall im nördlichen Landkreis fällt in eine Zeit, in der das Thema Viehhaltung wegen des Skandals in Bad Grönenbach im Unterallgäu und anderer Vorfälle kontrovers diskutiert wird. Durch Videos des Vereins „Soko Tierschutz“ wurde der Tierskandal im Juli vergangenen Jahres aufgedeckt. Drei Großbetriebe aus Bad Grönenbach gerieten ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft. Gegen 15 Personen laufen Ermittlungen, darunter sind auch Tierärzte. Mit Ergebnissen sei voraussichtlich Ende März zu rechnen, hieß es vor einigen Tagen.

Ein Verein aus dem Landkreis Landsberg kümmert sich um die Allgäuer Tiere

28 Kälber aus einem dieser Betriebe im Unterallgäu hatten Glück: Sie dürfen auf der Zickenfarm in Bad Grönenbach und auf anderen Gnadenhöfen leben. Dass für die Unterallgäuer Tiere die Zukunft positiv aussieht, liegt an dem Tierschutzverein SchaZi, der seinen Sitz in Weil hat. „Der Landwirt kam selbst auf uns zu und hat um Hilfe gebeten“, sagte die Betreiberin des Gnadenhofs Eveline Treischl kürzlich dem LT. Der Bauer beende die Milchwirtschaft, und der Verein habe sich bereit erklärt, die 28 Kälber zu übernehmen. Sechs leben jetzt auf der Zickenfarm in Bad Grönenbach. Dabei handle es sich um die Tiere, die nicht transportfähig waren und intensiv behandelt werden müssten. Die Tiere bekämen zwei- bis dreimal am Tag Spritzen oder Medikamente. Die anderen wurden auf weitere Höfe und auf Pflegestellen verteilt, unter anderem im Raum Augsburg.

Manche Höfe finanzierten die Pflege der kleinen Rinder selbst, sagt Eveline Treischl, oder der Verein zahle 120 Euro pro Monat für Futter und Tierarzt. Der Verein hat über seine Facebook-Seite und Homepage auch eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um Geld für die Kälbchen aufzutreiben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Tierskandal: Das Verhalten ist nicht nachvollziehbar

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