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Unfall bei Denklingen

04.06.2020

Tragödie auf B17: "Auf einmal wird eine Familie ausgelöscht"

Tragischer Unfall auf der B17: Bei Denklingen prallte ein mit vier Personen besetzter Wagen in einen Sattelzug.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Eine Familie aus dem Raum Friedberg verunglückt bei einem Unfall auf der B17 bei Denklingen. Mutter, Töchter und eine Freundin sterben. Wie der Landsberger Polizeichef einen der schlimmsten Einsätze seiner Laufbahn erlebt hat.

Der tragische Unfall auf der B17, bei dem am Mittwochnachmittag im Bereich Denklingen vier Menschen gestorben sind, hat weit über die Region hinaus für Bestürzung und Trauer gesorgt. Auch bei den Einsatzkräften hat das Unglück, bei dem ein mit vier Personen besetzter Pkw frontal in einen entgegenkommenden Sattelzug gekracht war, Spuren hinterlassen. Bis spät in die Nacht hinein waren sie an der Unfallstelle und bargen nach dem Abschluss aller Ermittlungen vor Ort die Leichen der 49-jährigen Fahrerin, die mit ihren beiden zwölf und 14 Jahre alten Töchtern und deren 14-jähriger Freundin im Autowrack starben.

Bernd Waitzmann hat in seiner 32-jährigen Laufbahn als Polizist viel erlebt. Unter anderem den Polizistenmord in Augsburg im Jahr 2011, tödliche Verkehrsunfälle und Gewaltverbrechen. Aber der schreckliche Unfall am Mittwoch ist auch dem neuen Landsberger Polizeichef nahegegangen. „Vier Tote bei einem Verkehrsunfall habe ich noch nie erlebt. Auf einmal wird eine Familie ausgelöscht“, sagt der Polizeidirektor, der seit Anfang Februar die Inspektion Landsberg leitet.

Polizeidirektor Bernd Waitzmann leitet seit Anfang Februar die Inspektion Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Um 15.24 Uhr ereignet sich das folgenschwere Unglück zwischen Neuhof und Lustberghof (Gemeinde Denklingen). Die 49-jährige Autofahrerin aus dem Stadtbereich Friedberg ist mit ihren beiden Töchtern und deren Freundin auf dem Heimweg von einem Tagesausflug in den Bergen. Plötzlich gerät der Wagen auf die linke Spur, rauscht an einem entgegenkommenden Pkw vorbei und prallt frontal in einen entgegenkommenden Sattelzug, der wenige Minuten vorher eine Firma in Denklingen verlassen hatte und auf dem Weg in Richtung Süden ist. Der Pkw schiebt sich fast bis zum Fond unter das Führerhaus des Sattelzugs. Den ersten Rettungskräften, die eintreffen, bietet sich ein grauenhaftes Bild. Schnell wird klar: In diesem Auto hat niemand überlebt. Als Bernd Waitzmann rund zehn Minuten nach dem ersten Notruf an der Unfallstelle eintrifft, hat er die schlimme Nachricht, dass vier Personen tot sind, bereits über Funk erhalten. „Das ist eine Situation, die einen mitnimmt“, sagt der erfahrene Beamte, der mit insgesamt acht Kollegen vor Ort ist.

Tragödie auf B17: "Auf einmal wird eine Familie ausgelöscht"

Unfall auf der B17: Beinahe wäre der Wagen mit einem anderen Auto kollidiert

Der Lkw-Fahrer erleidet einen Schock. Auch die anderen Augenzeugen sind schockiert. Besonders die Insassen des Wagens, der vor dem Lkw fuhr. „Der Dame, die dieses Auto gefahren ist, in die Augen zu schauen, ist hart“, erzählt Bernd Waitzmann. Denn um Haaresbreite wäre ihr Wagen mit dem Auto der Friedbergerin kollidiert. „Eine Sekunde früher, dann haben wir nicht vier tote Menschen, sondern womöglich acht. Ich dachte mir nur, du lieber Gott“, sagt Waitzmann. Dennoch geht es für die Einsatzkräfte darum, das Chaos an der Unfallstelle zu ordnen, und für die Polizei darum, die Ursache zu klären.

Schwerer Verkehrsunfall auf der B17

Die Staatsanwaltschaft Augsburg schickt einen Vertreter an die Unfallstelle, dazu wird ein Gutachter bestellt, der die Örtlichkeit genau untersucht, ein Polizeihubschrauber vermisst die Einsatzstelle von der Luft aus. Es muss geklärt werden, wie es zu dem Unglück kam. Denn niemand kann mehr sagen, warum der Wagen plötzlich in den Gegenverkehr geriet. Für die Einsatzkräfte heißt es derweil warten.

Lange Zeit ist die Identität der Getöteten nicht zweifelsfrei geklärt. Bis die Leichen von der Feuerwehr geborgen werden können, vergehen Stunden. Erst müssen die Experten ihre Arbeit machen und alle Details aufnehmen. Gegen 20 Uhr ist der Gutachter fertig. Zunächst wird der Lkw entladen und dann beginnt die Feuerwehr mit der traurigsten Arbeit des Tages, den Helfern bieten sich schlimme Bilder. „Es war total unsicher, ob es wirklich vier Frauen sind und die Identifizierung war unheimlich schwer“, sagt Bernd Waitzmann. Dass die vier Insassinnen keine Chance hatten, wird abermals deutlich. „Die Deformation des Autos war so massiv, dass keine Hilfeleistung mehr möglich war.“ Die Arbeiten ziehen sich fast bis 22 Uhr hin. Die Einsatzkräfte gehen behutsam vor. Waitzmann: „Eine pietätvolle Bergung ist sehr wichtig.“

Die Bergung der Leichen ist kompliziert

Gegen 23 Uhr ist die Unfallstelle geräumt. Fast acht Stunden ist die Bundesstraße gesperrt gewesen. Zu diesem Zeitpunkt läuft bereits Hilfe für die Helfer. Seelsorger haben vor Ort Einsatzkräfte und Augenzeugen betreut. Und auf der Dienststelle der Polizei sprechen die Beamten über das Erlebte. „Dieser Einsatz wurde von allen Organisationen professionell bewältigt“, sagt Bernd Waitzmann. In persönlichen Gesprächen wird das Erlebte auf der Dienststelle bewältigt. „Man muss dabei schon auf die Gefühle der Kollegen eingehen. Wir hatten einen ganz jungen dabei, der gerade im dritten Monat seiner Praxiszeit dabei ist“, gibt der Polizeichef Einblick in die Dienststelle.

Die Kollegen in Friedberg und Augsburg haben am Mittwochabend die bittere Aufgabe, den Familien der Getöteten die Todesnachricht zu überbringen. Der Ehemann der Fahrerin hat seine ganze Familie verloren. Ob er jemals erfährt, warum dieses schreckliche Unglück passiert ist?

„Wir wissen nicht, warum dieses Manöver eingeleitet worden ist“, sagt Bernd Waitzmann auf die Frage einer möglichen Unfallursache. Geklärt werden müsse auch, ob die 49-Jährige unter Umständen gesundheitliche Probleme hatte. Eine Obduktion stehe im Raum. Genauso würden nun beide Unfallfahrzeuge genau überprüft und der Fahrtenschreiber des Sattelzugs ausgewertet.

Lesen Sie auch den Kommentar: Unfall auf der B17: Was für eine Tragödie

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