Theaterlust

01.10.2011

Triumph der Liebe

Die Liebe und der Tod: Konstantin als Tod namens Wally greift auch zur E-Gitarre. Doch die Liebe von Charlie (Markus Baumeister) und Nell (Anja Klawun) kann er nicht verhindern.
Bild: Foto: Thorsten Jordan

Premiere überzeugt durch spritzige Inszenierung

Landsberg Der Tod und die Sterblichkeit des Menschen, das ist das größte und ernsthafteste Thema, dem man sich in der Kunst zuwenden kann. Der amerikanische Theaterautor Michael McKeever tut dies mit seiner Komödie „Willkommen in deinem Leben“ in einem leichten, humorvollen, aber niemals oberflächlichen Stil, der ebenso hintergründig wie komisch und unterhaltsam ist.

Die in Landsberg bereits bekannte und beliebte „Theaterlust“ („Gatte gegrillt“, „Dracula“, „Molly Sweeney“) präsentierte im Stadttheater ihre Premiere des Stücks. Souverän und gekonnt meisterte die Truppe in der Inszenierung von Thomas Luft diese Gratwanderung zwischen Komik und Tragik.

Die Szenerie erinnert in ihrer Absurdität an einen Western der Coen-Brüder: Der junge Lektor Charlie Cox hat vor Kurzem erfahren, dass er bald sterben wird, fährt im Schock einfach irgendwo hin und gabelt mitten in der Wüste von Arizona einen Anhalter auf – seinen eigenen Tod. Nun sitzen sie in einem abgewrackten, abgelegenen Motel und diskutieren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Voller Lebensangst

Markus Baumeister verkörpert den linkischen, gehemmten Bücherwurm, der voller Lebensangst steckt, bravourös. Konstantin Moreth als Tod namens Wally hat die Glanzrolle, die er brillant ausfüllt. Mal greift er zur E-Gitarre und intensiviert mit seinem halligen Solo die Stimmung von Verlassenheit, mal singt er schwülstig zu heißen Cha-cha-Rhythmen.

Die Komödie lebt von witzigen Dialogen und Situationskomik, die Inszenierung hat Tempo und Bewegung. Und so gelingt es, dem Tod etwas Komisches abzugewinnen, über den linkischen Helden zu lachen und mit ihm trotzdem Sympathie zu empfinden. Man sitzt ja schließlich im selben Boot.

Alles ist erlaubt, die personifizierte Liebe (auf Rollschuhen: Silke Franz) platzt wie ein Deus ex Machina aus der Wand und schreitet ein. Sie wickelt alle um den Finger, schließlich auch den Tod. Und auch vor einem – vorerst – Happy End scheut das Stück nicht zurück. Der Tod muss sich vor der Lebenskraft der Liebe geschlagen geben.

Das ist nicht billig, es ist nur einfach das, was der Mensch sich wünscht, wohl wissend, dass es im richtigen Leben oft nicht so läuft, und dass der Tod doch irgendwann wiederkommt.

Brilliante Darsteller

Eine erfrischende, bunte, zuweilen schrille und spritzige Inszenierung, ein Stück mit Tiefgang, aber ohne Schwere, brillante Darsteller, die die Kunst der Komödie beherrschen, Applaus und Jubelrufe. So wünscht man sich Theater.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
jor020.jpg
Landsberg

Wer findet den Fehler auf diesem Schild?

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden