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Schondorf

22.10.2020

Vintage in Schondorf: Peter Knopf und die Lust am Ungewöhnlichen

Die Vintage-Händler Peter Knopf (links) und Felix Kraft haben in ihrem neuen Ladengeschäft in Schondorf auf Klassikern des Büromöbel-Designs Platz genommen. Die Wand hinter ihnen schmückt ein Propeller aus den 1920er-Jahren.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Seit Jahrzehnten ist Peter Knopf immer auf der Suche nach Designklassikern. Mit seinem Geschäftspartner Felix Kraft hat er jetzt ein Ladengeschäft in Schondorf eröffnet.

„Nach ungewöhnlichen Dingen zu suchen“ beschäftigt und erfreut Peter Knopf seit seiner Jugend. Aus seiner Leidenschaft hat er einen Beruf gemacht, der seine Familie ernährt: der An- und Verkauf von Designmöbeln aus der Zeit seit den 1920er-Jahren. Jetzt hat er in Schondorf neben seinem bisherigen Lager auch ein Ladengeschäft eröffnet. Das LT hat sich dort umgesehen.

Über die Jahrzehnte als Händler baute sich der 60-Jährige ein Netzwerk auf, in dem er kauft und verkauft. Zu seinen Kunden zählen Händler und Unternehmen in ganz Europa sowie Privatleute. Auch die Münchner Pinakothek der Moderne erwarb einige seiner Fundstücke, verrät Knopf. Jetzt will der Unternehmer seinen Vertrieb, seit 2016 unterstützt durch Felix Kraft, auch regional bekannt machen. Ein frei gewordener Laden neben dem 460 Quadratmeter großen Lager in der Greifenberger Straße in Schondorf schien dafür der ideale Ansatz. Seit Anfang Oktober prägt ein Egg-Chair von Arne Jacobsen, ein Klassiker von 1958, mit Kuhfellbezug eines der Schaufenster, in denen zuletzt Mode präsentiert wurde. Daneben lässt sich „Kleinteiliges, was ich momentan für meine Seele brauche“ entdecken, etwa ein Holz-Werkzeugkasten oder eine Warmhaltekanne im Art-deco-Stil. Gemeinsam haben diese Dinge Knopf zufolge eins: „Sie sind wertbeständig und waren nie Mode, wenn sie auch immer wieder im Trend liegen.“

Der Propeller ist nur noch Dekoration

Der Showroom ist ein Paradies für Designbewusste: Klassiker wie der Lounge Chair von Charles und Ray Eames, Entwürfe von Le Corbusier sowie diverse Vitra-Modelle oder das modulare Regalsystem von USM Haller finden sich dort. Die Wand ziert ein Einzelstück: Ein Edelholz-Propeller, vermutlich eines zweimotorigen Flugzeugs, von 1920, der nun einen ausschließlich dekorativen Zweck erfüllt. In diesem Laden gibt es ausnahmslos gebrauchte Möbel zu kaufen, und zwar ausschließlich Originale.

Die Provenienz spiele eine große Rolle, sagt Peter Knopf. Designmöbel mit lückenlos nachvollziehbarer Herkunft und Geschichte brächten am meisten ein, am besten seien jene, die zudem im Besitz von Prominenten waren. Eine wichtige Bedingung beim Einkauf ist die Funktionstüchtigkeit. Wie wertvolle Oldtimerautos werden die Büro-, Schaukel-, Dreh- und Schalenstühle neu aufbereitet und gepflegt. Beschädigte Möbel erwirbt das Unternehmen als Ersatzteillager für Reparaturen im Kundenauftrag.

Alt, aber nicht antik

Als Jugendlicher begann Peter Knopf, sich für Design zu interessieren und stieg früh in den Handel mit Vintage-Gegenständen – alten, aber nicht antiken Dingen – ein. Mit Modeschmuck aus den 1950er- bis 70er-Jahren begann er seine Tätigkeit in den USA, gründete 1983 seine Firma und stieg 1989 auf Möbel um. Er handelte zunächst auf Flohmärkten und verlegte sich 2000 schließlich auf den Direkt- und Onlinevertrieb. Das Möbelthema entdeckte Knopf im Wendejahr 1989 mit dem Auftrag eines Zigarettenkonzerns, 100 Garten-Klapp-Eier aus DDR-Produktion in einem bestimmten Rot-Ton zu finden. Von diesem aufklappbaren Sitzmöbel aus den 70ern hatte Knopf ein erstes bereits um 1985 in New York erstanden. Die Suche einige Jahre später zog sich über zwölf Monate und hatte 300 Klapp-Eier zum Ergebnis. Parallel erreichten ihn Anfragen nach Vitra-Chairs von Ray und Charles Eames. Der Grundstock für den Handel mit Möbeln war gelegt.

Neben Design-Klassikern gibt es in dem neuen Geschäft von Peter Knopf (links) und Felix Kraft auch Weine, die Knopfs Frau vertreibt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Neben den Möbeln bietet Knopfs Frau Maya Salinger, Weinhändlerin seit 18 Jahren, im Showroom Weine aus Europa und Übersee sowie kleine Spezialitäten an. Ihr Vertrieb lief bisher online und über von ihr veranstaltete Weinproben, jetzt nutzt sie den Laden mit. Durch Corona konnte Salinger den Absatz erhöhen, während Knopf Einbußen hinnehmen musste. Der Designliebhaber, der Betriebswirtschaft studiert hat, ist aber zuversichtlich: „Es wird alles werden.“ Das habe bisher die Erfahrung immer gezeigt.

Welche Bedingung jedes Stück erfüllen muss

Die Ware muss eine entscheidende Bedingung erfüllen – sie muss von einem der beiden Männer, die hinter dem Firmennamen stehen, zu transportieren sein. Denn wie in den Anfängen der Firmengründer allein fahren nun beide, Knopf und Kraft, mit einem Transporter Kunden in Deutschland, Österreich, Holland, Belgien, der Schweiz und England an. „Groß und schwer kommt nur infrage, wenn der Gewinn entsprechend ist“, sagt Peter Knopf und erzählt die Geschichte von einem Bett, das er einst „inklusive Abholung aus der Wohnung“ in der Schweiz kaufte. Vor Ort entpuppte sich das Möbel als so groß, dass es nur unter großen Schwierigkeiten zunächst aus dem sechsten Stock abgeholt und per Außenlift vom vierten Stock ins Erdgeschoss geschafft werden konnte.

Mit dem Einstieg von Felix Kraft ist die Nachfolge geregelt. „Unsere Kinder haben leider kein so großes Interesse, zu übernehmen“, bedauert Peter Knopf. Für den 30-jährigen Kraft zählt der Gedanke der Nachhaltigkeit. „Gebraucht ist das neue Neu“, sagt er. Und jedes Möbelstück erzähle eine Geschichte, die der Kunde mit erwerbe.

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