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Serie (4)

10.11.2017

Vom Wandel des Ruethenfestes

Die Stadtgeschichte Landsbergs wäre ohne das Ruethenfest eigentlich undenkbar. Urkundlich erstmals 1751 erwähnt, ziehen die Landsberger Kinder alle vier Jahre in einem farbenprächtigen Umzug durch die Stadt, schlagen an Plätzen ihre Lager auf und präsentieren Schauspiel, Tanz und Gesang.

Das Stadtmuseum und seine zehnteilige Demoversion. Der historische Umzug

Das Landsberger Stadtmuseum macht sich im Herbst und Winter 2017/18 selbst zum Thema: Die Sonderausstellung „Demoversion Stadtmuseum“ soll anhand von zehn Themenbeispielen eine Vorstellung der künftigen Dauerausstellung geben. Und die Besucher des Museums werden aufgefordert, ihre Meinung dazu zu äußern. In einer Serie stellen wir die zehn Themen und die sie vertretenden Exponate vor. Heute: das Ruethenfest.

Der hohe Stellenwert des Ruethenfestes innerhalb der Heimatpflege und seine wichtige Funktion für das Erleben von Identität und Gemeinschaft wird alle vier Jahre deutlich, wenn der Umzug der Landsberger Kinder in historischen Kostümen mit großer Freude durch weite Teile der Bürgerschaft begleitet wird. Zudem besitzt das Fest eine sehr lange Tradition, die urkundlich erstmals 1751 erwähnt wird, aber noch sehr viel ältere Wurzeln haben dürfte.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wechselten im Festzug des Ruethenfestes die Themen, die den Jahreslauf, Errungenschaften in Gewerbe, Industrie und Wissenschaft, prägende Ereignisse, Jubiläen oder Zeitgeschehen aufgriffen. So kann das Ruethenfest 1871 in der Ausstellung im Miniaturformat bewundert werden: in einem Scherenschnitt sind auf dem mit Fahnen und Wimpeln geschmückten Landsberger Hauptplatz akribisch die Festzugwagen und Akteure dargestellt, die damals aktuell zum Ende des deutsch-französischen Krieges „die Folgen des Krieges und den Segen des Friedens“ nachstellen.

Tatsächlich war das Ruethenfest im 19. Jahrhundert in seinem Gegenwartsbezug und seinem flexiblen Motto moderner als es beim heutigen Festkanon der Fall ist. Die Historisierung der Ruethenfeste um 1900 ist im süddeutschen Raum ein weit verbreitetes Phänomen, was sich an der Medienstation in der Ausstellung des Neuen Stadtmuseums nachvollziehen lässt.

Mal angenommen, das Ruethenfest würde wieder seine Themen wechseln und sich an Tagespolitik, Alltag, sozialen Fragen oder Moden orientieren, wie sähe dann heute ein Festwagen aus? Welche Themen wären wichtig genug, um sie zu präsentieren?

Spannende Antworten auf die Frage nach dem Selbstverständnis und den identitätsstiftenden Momenten einer Gesellschaft, die der Besucher im Museum ebenso hinterlassen kann, wie die Gewichtung seiner Lieblingsthemen in der Ausstellung. (lt)

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