Newsticker

Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Warum ist der Stieglitz so bunt?

Vogelstimmen am Ammersee

19.04.2015

Warum ist der Stieglitz so bunt?

Exkursionsbeginn in Stegen: Christine Moser (mitte, mit Buch) erläutert den Teilnehmern, wer da gerade singt.
2 Bilder
Exkursionsbeginn in Stegen: Christine Moser (mitte, mit Buch) erläutert den Teilnehmern, wer da gerade singt.
Bild: Stephanie Millonig

Christine Moser weiß viele Geschichten. Und erzählt, wer wie zwitschert und flötet

„Hören Sie den wunderschönen Gesang?“ Ein Amselmännchen sitzt auf einem Pfeiler und beäugt die 25-köpfige Gruppe, die sich am Parkplatz in Stegen getroffen hat. Der LBV Starnberg hat zu einer Vogelstimmen-Exkursion eingeladen und Christine Moser erklärt, wer wie flötet, knarzt oder pfeift. Und sie weiß viele Geschichten, sodass auch Allerweltsvögelchen wie Amsel, Drossel, Fink und Star eine ganz neue Faszination bekommen.

Die Amsel beispielsweise sei bis Ende des 19. Jahrhunderts ein scheuer Waldvogel gewesen, der dann erst in die Gärten und Parks gewandert sei, erzählt die Referentin. Und dort sind sie auch heute zu finden, wenn dichte Büsche vorhanden sind. Weniger dagegen in der Landwirtschaftsflur, wenn entsprechende Hecken fehlen. „Im südlichen Landkreis Landsberg sind kaum welche vorhanden“, erzählt Moser, die selbst in Ludenhausen wohnt. Der Gesang der Amsel zählt zu den melodiösesten: „Sie bringt auch andere Vogelstimmen“, berichtet Moser über die Fähigkeit der Amsel, zu imitieren. Einige Meter weiter ein heller, quietschig-aufgeregter Gesang: ein Stieglitz oder Distelfink mit hübschem, bunten Gefieder in Schwarz, Gelb, Rot, Braun und Weiß. „Es gibt die Geschichte, dass bei der Schöpfung alle Farben schon verteilt waren an die Vögel.“ Und so bekam der Stieglitz die Reste zusammengeschüttet und wurde besonders bunt.

Neben dem Stieglitz knarzt ein Girlitz „wie ein rostiger Kinderwagen“. Aufgeregt wippt ein Rotschwanzerl (Gartenrotschwanz), wegen seiner schwarzen Brust und seines roten Bauches auch Rußvogel oder Feuervogel genannt. Auf die immer gleiche charakteristische Tonabfolge des selbstbewussten Buchfinken wird aufmerksam gemacht und auf das freundliche Tschilpen der Haussperlinge. Moser verweist darauf, dass Spatzen sehr gesellig sind und eine komplexe Rangfolge in der Gruppe hätten. „Wer als Erster fressen oder staubbaden darf, ist geregelt.“ Von diesem Verhalten der Tiere, die sich so vor Parasiten schützen, kommt laut Moser auch das Schimpfwort „Dreckspatz“.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Von den Stegener Häusern geht es weg in die Seeanlagen, wo ein Gartenbaumläufer einen Baum hinaufsaust und ein „Titititü“ erklingen lässt. Einige Meter weiter lässt der kleinste Vogel Europas sein leises, hochfrequentes Wispern hören: das Sommergoldhähnchen. „Es wiegt nur fünf Gramm“, sagt Moser und lässt die Exkursionsteilnehmer ein Stück trockenes Brot gleichen Gewichts in der Hand wiegen.

Melancholisch perlt der Gesang des Rotkehlchens immer nach unten abfallend, ein eintöniges „Tschiwi“ lässt die Bachstelze erklingen. Lautstark meldet sich der Kleiber, mit einem „Dwitt, Dwitt“ zu Wort, während ein Buntspecht mit „Kick, Kick“ durch den Wald schwirrt. Der wie der Kuckuck seinen Namen rufende Zilpzalp ist zu hören und zu Mosers Verwunderung die leise, wehmütig abfallende Strophe eines Fitis, des Zilpzalps Zwillingsbruder. Normalerweise kämen die erst Ende April aus Südafrika zurück. „Da bin ich jetzt geplättet.“

Mischwald mit alten Bäumen säumt den Sieben-Brückerl-Weg, Spechthöhlen, die gerne von Nachmietern genutzt werden, finden sich darin. Sogar für unsere Gegend äußerst seltene Elsbeeren, wie Franz Wimmer vom LBV zeigt, wachsen hier. Aufgeregt hüpft ein Kohlmeisenmännchen auf einem Ast herum, es dauer,t bis man auf einem anderen Ast das still ausharrende Weibchen mit Nistmaterial im Schnabel erkennt. Und einige Meter weiter ist viel los bei Familie Blaumeise: Immer wieder verschwindet ein Elternteil in der kleinen Öffnung im Baum: Da seien die Jungen schon geschlüpft, sagt Christine Moser. Schließlich gilt es an die 100 Insekten oder Larven pro Küken anzubringen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren