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Greifenberg

21.08.2020

Was der mutmaßlichen Brandstifterin von Greifenberg jetzt droht

Das große Wohn- und Geschäftshaus in Greifenberg, in dem es zwei Mal gebrannt hat, ist mit Bauzäunen abgeriegelt. Die mutmaßliche Brandstifterin sitzt in Untersuchungshaft.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Nach drei Brandstiftungen sitzt die mutmaßliche Täterin aus Greifenberg nach wie vor in Untersuchungshaft. Was die Staatsanwaltschaft ihr vorwirft und was sie zu den Vorwürfen sagt.

Binnen weniger Monate haben zwei Brandserien den Landkreis Landsberg erschüttert. Beide Male hielten die mutmaßlichen Täter über einen längeren Zeitraum die Bürger, aber auch die Einsatzkräfte in Atem. Während zum Jahreswechsel reihenweise Scheunen im Landkreis Landsberg in Flammen aufgingen, wurde zuletzt mehrfach in Greifenberg in Wohnhäusern Feuer gelegt. Die Tatverdächtige, eine 41-jährige Frau aus Greifenberg, sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft nennt jetzt erste Details. Im Fall einer Verurteilung droht der Frau eine lange Haftstrafe.

„Die Frau hat sich zum Sachverhalt geäußert. Sie bestreitet nicht, für die drei Brände verantwortlich zu sein“, so der Augsburger Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai auf Nachfrage des Landsberger Tagblatts. Ermittelt werde gegen die Beschuldigte wegen drei Tatbeständen: schwere Brandstiftung, Sachbeschädigung und gefährliche Körperverletzung. In einem Fall sei das Vorgehen für die Ermittler gut nachvollziehbar.

Die Greifenberger Brandserie ist wohl geklärt: Die Polizei hat eine 41-jährige Greifenbergerin festgenommen. Sie soll dreimal in zwei Gebäuden Feuer gelegt haben.

Wie mehrfach berichtet, war vor zwei Wochen – in der Nacht auf den 8. August – in einem großen Wohn- und Geschäftshaus in Haupt- und Wankstraße in Greifenberg im Keller Feuer ausgebrochen. Zahlreiche Bewohner mussten von der Feuerwehr mithilfe von Leitern gerettet werden, weil die Treppenhäuser so stark verraucht waren. Den Menschen wurde nach Abschluss der Löscharbeiten empfohlen, nicht in ihre Wohnungen zurückzukehren, da die Schäden durch Rauch und Ruß so stark waren. Mehrere Personen wurden auch verletzt.

Zunächst war die Polizei von einem technischen Defekt ausgegangen

Nach dem ersten Feuer war die Polizei zunächst von einem technischen Defekt als Ursache ausgegangen. In der Folgenacht brannte es allerdings wieder im Keller – diesmal jedoch in einem komplett anderen Bereich. Wieder mussten Bewohner gerettet werden. Das Feuer hatte diesmal eine weitaus höhere Intensität als beim ersten Mal und richtete einen enormen Schaden an. Experten des Technischen Hilfswerks stellten fest, dass das Gebäude einsturzgefährdet sei. Die Polizei bezifferte den Schaden auf Millionenhöhe. Ein möglicher Abriss des Gebäudes stand im Raum.

Zu diesem Zeitpunkt machte bereits im Ort das Gerücht die Runde, dass die Brände gelegt wurden. Die Kripo Fürstenfeldbruck zog dann auch einen Experten des Landeskriminalamtes hinzu. Und der stellte dann fest, dass es Hinweise auf Brandstiftung gibt. Für Bürgermeisterin Patricia Müller ging es dann darum, Ersatzquartiere für die betroffenen Bewohner zu finden. Denn 27 Wohneinheiten waren unbewohnbar geworden und auch Ladenzeilen – darunter ein Supermarkt – und Arztpraxen waren vom Brand betroffen.

In der zweiten Nacht bricht wieder Feuer aus

Für alle Betroffenen konnten Ersatzquartiere gefunden werden. In der Nacht auf den 13. August brannte es dann in einem Mehrfamilienhaus im Föhrenweg. Dort waren mehrere Bewohner des großen Wohn- und Geschäftshauses vorübergehend untergebracht. Wieder brach das Feuer im Keller aus und wieder deutete Vieles auf Brandstiftung hin. Die Polizei setzte daraufhin eine 16-köpfige Ermittlungsgruppe ein. Vergangenen Sonntag dann der Erfolg: Die 41-jährige Tatverdächtige wurde festgenommen und tagsdarauf dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl erließ.

Derzeit befindet sich die Verdächtige noch in Untersuchungshaft. Derzeit laufen die Ermittlungen zu den drei Brandfällen nach wie vor. „Es ist schwierig vor Abschluss der Ermittlungen weitere Details zu nennen. Es sind immer zunächst die Verfahrensbeteiligten zu informieren“, sagt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein könnten, sei noch völlig offen. Allein bis die polizeilichen Ermittlungen beendet sind, könnten drei bis vier Monate vergehen. Das Ziel sei jedoch, die Ermittlungen innerhalb der nächsten sechs Monate abzuschließen. Nach einem halben Jahr würde auch das Oberlandesgericht die Rechtmäßigkeit der Untersuchungshaft standardmäßig überprüfen. „Soweit es erforderlich ist, holen wir uns bei den Ermittlungen Unterstützung von Sachverständigen“, so Nickolai zur Frage, ob ein psychiatrisches Gutachten über die Tatverdächtige erstellt wird. Zur Motivlage sagt der Oberstaatsanwalt: „Wir prüfen bei derartigen Delikten immer die Motivationslage, die nach ersten Erkenntnissen in diesem Fall wohl im privaten Bereich liegt.“

Anfang des Jahres gab es im Landkreis schon eine Brandserie

Bei der Polizei ist man zufrieden, dass die Greifenberger Brandserie schnell beendet und aufgeklärt werden konnte. „Natürlich sind wir erfreut über den schnellen Ermittlungserfolg. Die Kripo Fürstenfeldbruck hat erneut ihr Geschick im Aufklären einer Brandserie bewiesen“, sagt Nadine Hofmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt. Infolge der Brände habe man die Polizeipräsenz im Ort stark erhöht, um das Sicherheitsgefühl der Bürger wieder zu stärken.

Dabei werden Erinnerungen an die Brandserie wach, die im Dezember und Januar Polizei, Feuerwehr und besonders Landwirte im Landkreis in Atem gehalten haben. Rund ein Dutzend Feldscheunen wurden damals angezündet. Als mutmaßliche Täter konnten damals zwei 24 und 25 Jahre alte Männer aus dem Landkreis ermittelt werden. Einen Teil der Taten haben die beiden gestanden. Die Staatsanwaltschaft wird aller Voraussicht nach bald Anklage erheben. Bis der mutmaßlichen Täterin von Greifenberg eventuell der Prozess gemacht wird, dauert es noch einige Monate. Ihr droht eine lange Haftstrafe. Allein für schwere Brandstiftung sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu 15 Jahren vor.

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