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Schondorf

21.10.2020

Was die Schondorfer Wasserwacht so alles im Ammersee findet

Taucher der Schondorfer Wasserwacht haben in Zusammenarbeit mit einem Münchener Unternehmer eine besondere Suchaktion im Ammersee veranstaltet.
Bild: Kirsten Wenner

Plus Taucher der Wasserwacht Schondorf machen eine besondere Aufräumaktion. Ein neu beschafftes Gerät bietet zusätzliche Möglichkeiten, in den Tiefen des Sees nach Vermissten und verlorenen Gegenständen zu suchen.

Eine ganz besondere Bergungsaktion ist kürzlich im Ammersee vor Schondorf und Utting abgelaufen: Nach siebenstündigem Einsatz waren vier außergewöhnliche Fundstücke aus dem See wieder ans Tageslicht gebracht, berichtet der Technische Leiter der Ortsgruppe, Andreas Ficht. Und mit einem neuen Einsatzgerät der Kreiswasserwacht könnten die Taucher vielleicht bald auf weitere Gegenstände im Ammersee stoßen.

Bei den aus dem Wasser geholten Gegenständen handelt es sich um vier Außenbordmotoren. Sie waren per Zufall durch die Firma Tauchdienste aus München im Zuge einer im April angelaufenen Vermisstensuche mittels Sidescan-Sonar vor Schondorf und Utting lokalisiert worden. Um eine Umweltgefährdung aufgrund von austretenden Schmierstoffen beziehungsweise Benzin zu verhindern, wurde auf Bitte der Schlösser- und Seenverwaltung und eines Eigners die gemeinsame Bergung beschlossen, erzählt Ficht.

Ab 30 Metern Tiefe wird es kompliziert

Zwei der seit unbestimmter Zeit unter Wasser liegenden Bootsmotoren lagen in nur acht beziehungsweise 13 Metern Wassertiefe und konnten durch einen Rettungstaucher geborgen werden. Die Standorte wurden vorab durch die Firma Tauchdienste mittels Unterwasser-Drohne (ROV) auf den Meter genau markiert, sodass unter Wasser keine Zeit für die ansonsten aufwendige Suchtätigkeit verloren ging.

Die zwei anderen Außenborder lagen in weit über 50 Meter Wassertiefe und waren somit für den Wasserwacht-Taucher nicht erreichbar, aus versicherungsrechtlichen Gründen sei nämlich nur erlaubt, maximal 30 Meter tief zu tauchen, so Ficht. Hier kam wiederum das ROV zum Einsatz, womit – analog einem Lassowurf – ein Hebeseil um die Propeller befestigt werden konnte. Die anschließende Bergung erfolgte dann von Hand beziehungsweise mithilfe der Bootswinch des Rettungsbootes der Wasserwacht.

Was die Wasserwacht-Taucher motiviert

Alle vier Außenbordmotoren konnten ohne den Austritt von Ölen und Benzin geborgen werden. Ein Bootsmotor wurde seinem Eigentümer wieder übergeben, die Herkunft der anderen drei Motoren werde durch die an der Bergung beteiligte Wasserschutzpolizei geklärt. Dass solche Motoren, die mindestens 2000 Euro kosten, im Ammersee versinken, kommt offenbar gar nicht so selten vor. Meist geschehe dies aufgrund von Materialermüdungen, wenn eine Halterung oder ein Heckspiegel breche, an denen diese Motoren befestigt sind, erklärt Ficht. Und es passiere auch, dass ein Motor mal aus der Hand gleite, wenn mit ihm hantiert wird.

Drei gefundene Außenbordmotoren, nachdem sie an Land gebracht worden waren.
Bild: Christian Müller

Das Interesse der Wasserwacht-Taucher am Bergen von Gegenständen aus dem See komme daher, erzählt Ficht weiter, dass sie für die Geltung ihres Tauchscheins ohnehin zehn Tauchgänge im Jahr ableisten müssten. „Bevor ich im Kreis tauche, mache ich lieber das“, sagt der Rettungstaucher.

Eigentlich geht es um die Suche von Vermissten

Für einen weiteren Aufschwung der Bergungstätigkeiten in den Tiefen des Sees könnte auch die von der Kreiswasserwacht vor ein paar Monaten gekaufte Unterwasserdrohne sorgen. Diese wurde jedoch nicht beschafft, um Gegenstände zu finden, denn: „Hintergrund ist die Vermisstensuche“, erklärt der Technische Leiter. Zweck der Wasserwacht sei die Lebensrettung an Gewässern, und nicht das Bergen von Booten und anderen Dingen, die im See versunken sind, betont Ficht. Mit der Unterwasserdrohne könne man in größere Tiefen im Ammersee und in für Taucher lebensgefährliche Bereiche wie etwa Wehrbereiche von Kraftwerken vordringen. Insgesamt ist die Suche mit Unterwasserdrohnen zwar weniger aufwendig als mit Tauchern. Allerdings, erklärt Ficht, könnten mit Sonar viel größere Seebereiche abgesucht werden, weil die Sicht im Ammersee für Kameras wie für das menschliche Auge oft nur einen halben bis einen Meter betrage.

Diese Aufnahmezeigt, wie ein Außenbordmotor in 60 Metern Tiefe auf dem Grund des Ammersees liegt.
Bild: Christian Müller

Und dann habe es die Wasserwacht natürlich etwas gewurmt, als im Sommer ein Spezialunternehmen aus Österreich an den Ammersee kommen musste, um die bei Riederau versunkene historische Jacht „Sir Shackleton“ zu heben. Doch Geld für den Kauf dafür notwendiger Bergungsgeräte wie Hebesäcke stelle das Rote Kreuz mit Verweis auf die Lebensrettungsaufgabe nicht zur Verfügung, sagt Ficht. Deswegen versuche man, einen Zuschuss über den Katastrophenschutz im Landratsamt zu erhalten.

Vor zwölf Jahren wurde nach einem US-Flugzeug im Ammersee gesucht

Was außer gesunkenen Booten möglicherweise sonst alles in den Tiefen des Ammersees verborgen ist, sorgt immer wieder für Spekulationen. Ficht weiß von Erzählungen von einem Auto, das in den 60er-Jahren auf dem vereisten Ammersee eingebrochen sein soll. Besonderes Interesse weckten auch Flugzeuge, die abgestürzt und im Ammersee versunken sind. Vor zwölf Jahren suchte ein US-amerikanisches Unternehmen nach einer am 12. Juli 1945 abgestürzten Maschine vom Typ P 47 Thunderbolt. Als Grund für die damalige Sonar-Untersuchung wurde eine Anfrage von Nachkommen eines vermissten US-Soldaten genannt. Allerdings konnte der inzwischen verstorbene Dießener Luftfahrt-Forscher Josef Köttner darlegen, dass der angeblich im Ammersee liegende Pilot bereits seine letzte Ruhestätte auf einem Soldatenfriedhof in Luxemburg gefunden hatte. Daneben ist die Bergung alter Flugzeuge auch für Sammler interessant. Die Suchaktion von 2008 wurde von einer Stiftung betrieben, die bereits Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg, dem Korea- und Vietnamkrieg besaß.

Im September 2004 wurde vor Herrsching die Segeljacht „Pfeil“ aus einer Tiefe von 65 Metern gehoben. Die Such- und Bergungsaktion zog sich damals fast drei Wochen hin. Eine Pflicht, ein untergegangenes Segelboot aus dem See zu holen, gibt es laut damaliger Aussage der Wasserschutzpolizei übrigens nicht, da davon keine Gefahr für die Umwelt ausginge. Damals war Ficht auch schon als Taucher dabei. Vor zehn Jahren folgte ein bei Utting gesunkener Schärenkreuzer. Mit anderen aus der sechsköpfigen Tauchergruppe der Schondorfer Wasserwacht sei er regelmäßig an Bootsbergungen beteiligt, erzählt er.

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