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Finning

26.06.2020

Wassersuche in Finning: Warum die Ergebnisse nicht so erfreulich sind

Im Januar und Februar ließ die Gemeinde Finning an mehreren Stellen nach Wasser suchen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Gemeinderat vorgestellt.
Bild: Stefan Hülmeyer

Plus Die Gemeinde Finning sucht nach Trinkwasser. Bei fünf Probebohrungen wird man zwar fündig, aber jetzt soll nochmals über eine bekannte Alternative gesprochen werden.

Die Gemeinde Finning braucht einen neuen Trinkwasserbrunnen. Der bestehende Brunnen bei Entraching ist quantitativ ausgereizt, sprich, die Wassermenge nimmt ab. Deshalb wurde das Büro Dr. Blasy - Dr. Øverland in Eching mit Probebohrungen beauftragt. Die Ergebnisse stellte Dr. Stefan Hülmeyer, Mitarbeiter des Büros und Gemeinderat, in der jüngsten Sitzung vor. Die dabei gewonnen Erkenntnisse waren großteils ernüchternd.

Fünf Probebohrungen wurden im Wald zwischen Hofstetten und Westerschondorf beziehungsweise im Schwiftinger Forst im Januar und Februar durchgeführt. Dabei stieß man auf Grundwasser, dessen Mächtigkeit ausreichend ist. Um maximal 30 Prozent dürfe die Grundwassermächtigkeit abgesenkt werden, erklärte Hülmeyer. Das Wasser fließt von Süd nach Nord – und zwar sehr schnell, da das Gefälle mit bis zu 1,4 Prozent recht steil ist. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die einzurichtenden Schutzzonen. Schutzzonen sollen unter anderem gewährleisten, dass eventuell auftretende pathogene Keime bis zum Eintritt des Wassers in den Brunnenbereich abgestorben sind. Deshalb soll das Wasser in der Schutzzone zwei 50 Tage bis dorthin benötigen, in der Schutzzone drei ist es ein Jahr. „Aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit wäre die Schutzzone zwei mit mindestens 800 Metern ungewöhnlich groß“, erklärte Hülmeyer. Sie läge jedoch im Wald und sei damit unproblematisch, weil sie niemanden störe. Die Zone drei könnte jedoch sogar bis nach Hofstetten hineinragen.

In Westerschondorf ist der Wasserspiegel abgesunken

Die Deckschichten über den Grundwasservorkommen seien gut, beurteilte Hülmeyer. Probleme durch Verunreinigungen durch die Deponie in Hofstetten sind nach Meinung des Experten nicht zu erwarten. Unter ihr befänden sich große, abdichtend wirkende Tonschichten und zudem sei das Gelände weit genug entfernt. Ein bekannter ergiebiger Brunnen bestehe bereits in Westerschondorf, dieser weise jedoch seit Jahren beständig Nitratwerte zwischen 30 und 37 Milligramm pro Liter (mg/l) auf, so Hülmeyer. Auch dessen Wasserspiegel sei in den vergangenen Jahren gefallen. Die hohen Nitratwerte sind auch der Wermutstropfen der Probebohrungen: Sie liegen zwischen 31 und 43 mg/l.

Wassersuche in Finning: Warum die Ergebnisse nicht so erfreulich sind

Alte Nadelwälder geben viel Stickstoff an den Boden ab

Zu den Ursachen mutmaßte Hülmeyer, es könne sich um Einträge durch die Landwirtschaft handeln, aber leider gäbe es auch im Nadelwald oft hohe Nitratwerte. Diese entstehen über Stickstoffbelastung in der Luft. „Ältere Nadelwälder sind stickstoffgesättigt und geben den Stickstoff an den Boden ab“, erklärte Hülmeyer. Regelrechte Nitratstöße könne es durch Kahlschlag geben, deshalb sei dieser in den Schutzzonen verboten, bedingt durch Stürme jedoch auch nicht zu verhindern. Die maximal mögliche Dauerförderrate bezifferte Hülmeyer mit 25 Litern pro Sekunde (l/s) beim Brunnen in Westerschondorf und 15 l/s beim neuen Standort.

Für ein Wasserrechtsverfahren reicht die jetzige Erkundung nicht aus. Laut Hülmeyer müssten im nächsten Schritt Bohrungen bei den nahen landwirtschaftlichen Flächen vorgenommen werden, um zu untersuchen, ob die Nitrateinträge von dort stammen könnten. Eine aussagekräftige quantitative Bewertung der Wasserzone könne erst nach einem Dauerpumpversuch über sechs Tage gemacht werden. Dafür muss der Brunnen mit einem Bohrdurchmesser von 600 Millimetern bereits stehen. Positiv sei, dass sich das Wasser mit dem aus der Entrachinger Quelle mischen lasse. Dort liegt der Nitratwert bei 20 mg/l.

Auch in Windach gibt es bald Ergebnisse

Aufgrund der hohen Nitratwerte löste der Grundwasserfund im Gemeinderat keine Begeisterung aus. Vielmehr drehte sich die Diskussion um die Trinkwassersuche der Gemeinde Windach, die derzeit im Schöffeldinger Forst bohrt. Die Maßnahmen werden noch bis Oktober dauern, erste Ergebnisse werden in Windach Ende Juni vorgestellt, so Hülmeyer, der auch an diesen Bohrungen beteiligt ist. Es sehe jedoch gut aus und die Nitratwerte lägen um 20 mg/l.

Hülmeyer sah es als sinnvoll an, wenn sich die Gemeinden Windach, Eresing und Finning beim Trinkwasser zusammenschlössen. Dagegen spricht aber der Windacher Bürgerentscheid im Jahr 2018 gegen einen gemeinsamen Brunnenbau – und noch ein weiterer Grund: Finning kann keine Zeit mehr bei der Brunnensuche verlieren. „Wir können nicht warten, weil unser derzeitiger Brunnen in die Knie geht“, sagte Bürgermeister Siegfried Weißenbach. Er will jedoch einen weiteren Versuch starten und das Gespräch mit dem Windacher Bürgermeister Richard Michl suchen. Am 7. Juli kommt das Thema Trinkwasser dann erneut auf die Tagesordnung des Finninger Gemeinderats.

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