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Milchpreis

20.08.2015

Weniger liefern, mehr bezahlt kriegen

Hermann Dempfle und der BDM wollen durch ein knapperes Angebot dem Milchpreis wieder auf die Sprünge helfen.
Bild: Gerald Modlinger

Der BDM will im Spätsommer einen erneuten Anlauf nehmen, damit durch ein knapperes Angebot der Preis wieder steigt. Denn das Problem ist, dass Milch im Überfluss produziert wird.

Nein, da kann es auch wochenlang noch so heiß und trocken sein, das Wetter ist für Hermann Dempfle auch im August 2015 nicht das Thema, das ihn am meisten beschäftigt. Lieber beschäftigt sich der Kreisvorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) mit der Politik. Denn darin sieht er den Schlüssel, ein seiner Meinung nach viel größeres Problem als das trockene Wetter zu lösen: den tief abgestürzten Milchpreis. In den kommenden Wochen will der BDM wieder mit zwei größeren Aktionen auf das Thema aufmerksam machen – bei Agrarminister Helmut Brunner in München und dann bei EU-Agrarkommissar Phil Hogan. „Da rührt sich dann mehr, da sind auch die Franzosen dabei“, blickt Dempfle mit besonderem Interesse auf diesen Termin.

Seit einem Jahr können aufgrund der gegenseitigen Sanktionspolitik keine Lebensmittel aus der EU mehr nach Russland exportiert werden, seit mehr als 100 Tagen gibt es keine Milchquote mehr und damit gelten auch auf dem Milchmarkt endgültig die üblichen Marktregeln rund um Angebot und Nachfrage. Milch und Milchprodukte sind seit Monaten die Sonderangebote, die die Kunden in Supermärkte und Discounter locken sollen. Das geht nur, wenn der Rohstoff Milch billig ist. Das ist er, weil er reichlich vorhanden ist. Die Milchmenge wurde schon in den vergangenen Jahren trotz Quote stetig mehr, sagt Dempfle. Für den Liter konventionell produzierter Milch werden den Bauern derzeit weniger als 30 Cent bezahlt. Der Preis nähert sich den Werten des Jahres 2009, als es nur noch 25 Cent waren.

Mit solchen Erlösen könne Milch nicht kostendeckend erzeugt werden, sagt Dempfle, und er verweist auf die Zahlen von Milch Board, der Deutschen Milcherzeugergemeinschaft. Selbst die in den vergangenen Jahren erzielten Spitzenpreise von über 40 Cent genügten demnach nicht, um die Erzeugungskosten, die von 2009 bis 2015 von 38,5 auf 45,6 Cent pro Liter gestiegen sind, zu erwirtschaften.

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Trotzdem wurde gerade auch im Landkreis in den vergangenen Jahren auch in die Milchwirtschaft investiert, wie zahlreiche neue Höfe auf den Fluren und neue Maschinen zeigen. Wie das zusammengeht? Nun, etwas anders sieht es zum Beispiel in der ökologischen Landwirtschaft aus, in die Hermann Dempfle bereits in den 1990er-Jahren eingestiegen war. Biomilch ist von dem Preisrutsch kaum betroffen, denn hier ist die Marktlage ganz anders: „Bei der Biomilch sind wir unter 100 Prozent Selbstversorgungsgrad“, erklärt der Rotter Landwirt, „wir importieren viel aus Österreich und Dänemark, sogar aus England und den Niederlanden.“ Und viele Milchproduzenten verdienten ihr Geld auch noch mit allerlei anderen Sachen. Fotovoltaik und Vermietung beispielsweise, erwähnt Dempfle. Und was in der bäuerlichen Kalkulation auch eine Rolle spielt: Die staatlichen Ausgleichszahlungen tragen auch zur Einkommenssicherung bei. Rund 300 Euro pro Hektar bewirtschaftete Fläche werden an Subventionen bezahlt, für Ökobetriebe gibt es noch etwas oben drauf.

Freilich, die Zahl der Milchbauern geht auch im Landkreis stetig zurück: Vor eineinhalb Jahren sei ihm aus der Landwirtschaftsverwaltung mal die Zahl von noch 400 Milchviehhaltern genannt worden, sagt Dempfle. Er denkt, dass es inzwischen noch „höchstens 300“ sind. In Rott beispielsweise sei die Zahl der Kuhhalter in den vergangenen fünf Jahren von 19 auf zwölf gesunken. Zwar werden die Höfe weniger, die Milchmenge jedoch keineswegs: Denn die verbleibenden Milcherzeuger stocken auf. Auch Dempfle: Als er 1990 das Ziegler-Anwesen im Nebenerwerb übernahm, standen 18 Kühe im Stall, erzählt er. Jetzt kann man auf den Weiden von Vater und Sohn Dempfle 150 Kühe zählen. Dazu kommen Fortschritte bei Züchtung und Fütterung. Das lässt die Milchleistung der Kühe gerade in konventionell wirtschaftenden Betrieben ständig steigen. 10000 Liter pro Kuh und Jahr sind keine Seltenheit mehr.

Also was tun? Dempfle und sein Milcherzeugerverband BDM wollen, dass die Politik wieder dafür sorgt, dass sich das Milchangebot verknappt, damit die Preise sich wieder erholen. Von Quote will Dempfle zwar nicht reden, aber im Prinzip stellt sich Dempfle das so vor: „Die Menge muss für alle gedeckelt werden.“ Lieber für weniger Milch einen höheren Preis als für viel Milch wenig, ist Dempfles Credo. Neue Exportmärkte zu erschließen, wie dies etwa auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt als Problemlösung erachtet, ist für Dempfle der falsche Weg. China beispielsweise baue mit Hochdruck eigene Kapazitäten auf, anderswo wie in Afrika würden dadurch die Märkte zerstört.

Das Problem sei freilich, dass die Politik eben gerade die seit mehr als 30 Jahren währende Milchquote abgeschafft hat und zudem der Bauernverband nach Dempfles Einschätzung die BDM-Positionen nicht unterstützt. Der BDM selbst hat aber zuletzt Mitglieder verloren. Rund 120 seien es im Landkreis derzeit, sagt Dempfle, „es waren aber schon mal etwa drei Viertel der Milcherzeuger dabei“. Etliche seien inzwischen aus der Milchwirtschaft ausgestiegen. Andere hätten aus Enttäuschung, dass sich die Ziele nicht erreichen ließen, den BDM wieder verlassen. Dempfle selbst will dran bleiben. Im Spätsommer wird wieder demonstriert. Ende des Monats wolle der BDM in München vorstellig werden und dann soll die Milchpreismisere am 7. September auf europäischer Ebene in Brüssel wieder aufs Tapet gebracht werden.

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