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Landkreis Landsberg

05.05.2020

Wie die Metzger die Krise meistern

Der Weg für die Kunden ist genau abgesteckt: Metzgermeister Hans Rieß jun. von der gleichnamigen Metzgerei in Dießen. Hinweis: Das Foto entstand vor der Einführung der im Einzelhandel geltenden Mundschutzpflicht.
Bild: Julian Leitenstorfer

In den Metzgereien im Landkreis Landsberg hat sich einiges geändert. Die Kunden kaufen mehr haltbare Ware ein und bestellen telefonisch. Warum der Umsatz dennoch zurückgeht.

Es wird wohl kaum jemanden geben, der die Auswirkungen der Einschränkungen durch das Coronavirus nicht spürt. So sind auch die örtlichen Metzgereien davon betroffen. Zwar dürfen sie sich glücklich schätzen, weiterhin öffnen zu dürfen. Doch auch in dieser Enklave, die insbesondere Liebhaber deftiger Steaks, Grillwürstel und Braten schätzen, hat sich einiges verändert – sowohl bei den Kunden, als auch beim Kaufverhalten und bei den Örtlichkeiten selber.

Um den Sicherheitsabstand von zwei Metern zu gewährleisten, dürfen in der Metzgerei Rieß in der Dießener Fischerei nicht mehr als drei Personen den Laden gleichzeitig betreten. So kann es schon vorkommen, dass sich davor eine Schlange bildet. Damit seine Kunden bei Regen nicht nass werden, hat Metzger Johann Rieß jun. Schirme aufgestellt. Dass der Abstand eingehalten wird, muss Rieß nicht kontrollieren. „Sollte es einmal vorkommen, dass einer zu nahe kommt, maßregeln sich die Kunden selber“, sagt er und schmunzelt. Rieß hat viele neue Kunden und auch Leute, die früher nur gelegentlich gekommen sind, schauen jetzt öfters vorbei, berichtet er. Dass mehr Menschen zu Hause sind, ob in Kurzarbeit oder Homeoffice, merkt er auch daran, dass dem Kochen wieder mehr Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt werde. Fertig vorbereitete Gerichte werden weniger nachgefragt, dafür mehr Suppenfleisch oder Braten. „Die Leute finden wieder zu sich“, so Rieß.

Bild: Julian Leitenstorfer

Den Trend kann auch Christoph Kuhn von der Metzgerei Kuhn in Kaufering bestätigen, auch dort verkauft sich leckere Hausmannskost wie Schweinebraten oder Rouladen besser als sonst. Und auch Metzger Wolfgang Jakob aus Landsberg bestätigt: „Es werden wieder alte Rezepte rausgekramt. Es gilt, das Beste aus der Situation zu machen.“ Stark nachgefragt ist aufgrund der Temperaturen auch Grillgut.

Grillsachen sind derzeit stark nachgefragt

„Die Kunden kaufen gezielter ein als früher, nicht mehr die Menge für den täglichen Bedarf, sondern auf Vorrat“, hat Jakob beobachtet. Der Renner bei ihm seien Haltbares im Glas oder abgepackte Würste. „Viele Kunden kaufen große Mengen, da sie auch für die Eltern oder andere Personen mitkaufen“, sagt Christoph Kuhn. In dem großen Laden habe er die Laufwege so aufgebaut, dass Kunden sich nicht begegnen können. Sie betreten die Metzgerei im Norden und verlassen sie im Westen. Der Hygienestandard sei in Metzgereien bereits sehr hoch und musste, vor allem hinter der Theke, nicht nachgebessert werden.

Mehrwegboxen der Kunden werden derzeit nicht befüllt

Mitgebrachte Mehrwegboxen zum Befüllen mit Wurst und Fleisch werden bei Kuhn jedoch nicht mehr akzeptiert und man ist froh, dass die Zahlautomaten den Kontakt der Mitarbeiter mit Geld vermeiden. Bei Johann Rieß wird nach wie vor ohne Handschuhe bedient, jedoch desinfizieren die Verkäufer ihre Hände nach jedem Bedienvorgang. Das ist eine ganz bewusste Entscheidung, denn, so Rieß: „Lieber saubere Hände als dreckige Handschuhe.“ Um die Verweildauer der Kunden zu verkürzen, wirbt der Metzger für telefonische Vorbestellungen. Dieser Service werde sehr gut angenommen. Da er die Arbeit der Angestellten sehr erleichtert, hofft Rieß darauf, dass das auch „nach Corona“ so bleibt.

Bild: Julian Leitenstorfer

Dennoch leiden auch die Metzgereien an einem Umsatzrückgang, wie sie sagen. Zum einen fehlen Einnahmen beim Mittagstisch sowie durch Lieferungen an Kindergärten und die Gastronomie, zum anderen die vielen Schüler, die auf dem Heimweg von der Schule noch schnell eine Leberkässemmel gekauft haben. Was bleibt, ist die Gelbwurstgarantie. Die bei Kindern heiß geliebte, kostenlose Gelbwurst wird entweder mit eingepackt oder mit einer langen Zange über die Theke gereicht.

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