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Prittriching

07.02.2019

Wie ein junger Metzger in Prittriching das Handwerk am Leben erhält

Der 23-jährige Martin Maisterl eröffnet heute seine eigene Metzgerei in Prittriching.
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Der 23-jährige Martin Maisterl eröffnet heute seine eigene Metzgerei in Prittriching.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der 23-jährige Martin Maisterl aus Scheuring übernimmt die Traditionsmetzgerei Feicht. Warum er zwischenzeitlich auch in Moskau gearbeitet hat.

Noch liegen in der Verkaufstheke kleine, quadratische Notizblockzettel. "Gelbwurst" steht darauf in Bleistift geschrieben oder "gekochter Schinken oder Salami". Ansonsten ist alles leer. In der Ecke brummt leise eine Art gläserner Kühlschrank, darin zwei Rinderhälften, „Dry Aged“ natürlich, ein Bild wie aus einem Lifestyle-Magazin. Ab heute wird die Theke immer gut gefüllt sein, dann ist in Prittriching die Metzgerei mit angeschlossen Gastbetrieb des 23-jährigen Metzgermeisters Martin Maisterl geöffnet.

Ein junges Team auf dem Land

Am morgigen Freitag gibt es dann noch eine feierliche Eröffnung. In Zeiten, in denen Handwerker verzweifelt Nachwuchs suchen und kleine Läden – gerade auf dem Land – schließen, baut er mit seinem Team eine junge, moderne Metzgerei auf.

Das Metzgerhandwerk hat in den vergangenen Jahren einen erstaunlichen Imagewandel hingelegt. Lange hielt sich das Vorurteil des derben, schlicht-robusten Handwerks, wo der Meister immer mit dickem Bauch und blutverschmiertem Kittel den ganzen Tag im Schlachtraum oder an großen Wurstmaschinen steht, Jetzt sind es die jungen, coolen und trendigen Männer mit Tattoo und Vollbart, die Wert auf die Herkunft und Zubereitung der Fleisch- und Wurstwaren legen.

Wie ein junger Metzger in Prittriching das Handwerk am Leben erhält

Jeden Donnerstag gibt es Weißwurstfrühstück

Aus einem klassischen Handwerk, das für die meisten Jugendlichen nicht sonderlich attraktiv wirkt, wird vielerorts Handwerkskunst. Martin Maisterl liegt irgendwo dazwischen. Natürlich wolle er eine moderne Metzgerei aufbauen mit hochwertigen Produkten und Besonderheiten wie verschiedensten Steakzuschnitten. Aber auch Bewährtes und Klassisches werde es bei ihm geben, und „selbstverständlich jeden Donnerstag ein Weißwurstfrühstück“, sagt er.

Bereits mit 13 war der Berufswunsch klar

Bereits im frühen Alter von 13 Jahren wusste Martin Maisterl schon, dass er Metzger werden und irgendwann einmal „sein eigenes Ding“ machen will, wie er sagt. Familiär vorgeprägt ist er in dem Beruf allerdings nicht. Vater Konrad Maisterl ist Landmaschinenmechaniker und seine Mutter Claudia Standesbeamtin. Martin Maisterl ist der Älteste von drei Brüdern, geboren 1995 in Landsberg und aufgewachsen in Scheuring.

Auch sein Lehrmeister, die Metzgerei Kuhn hat expandiert. Mehr dazu lesen Sie hier: Im „Kuhn’s“ in Kaufering darf es jetzt ein bisschen mehr sein

Während er die Mittelschule in Weil besuchte, machte er sein erstes Praktikum in der Metzgerei Kuhn in Kaufering und war gleich begeistert. „In der Metzgerei arbeitet man immer im Team, alleine kann man dort nie etwas bewirken.“ Das habe ihm gefallen. Auch die Wertschätzung des Rohproduktes Fleisch und die Ethik im Umgang damit seien in einem kleinen Handwerksbetrieb, im Gegensatz zur Industrieproduktion, sehr hoch.

Im Auftrag der Metzgerei Kuhn war er schon in Moskau

Also begann Maisterl mit 16 Jahren seine Lehre in der Metzgerei Kuhn. Schlachten, Fleisch zerlegen, Veredeln, Verkaufsvorbereitung und natürlich die Produktion verschiedenster Wurstsorten, die Ausbildung „ist breit gefächert“. Anschließend wollte Maisterl „was anderes sehen“ und arbeitete ein Jahr lang als sogenannter Springer in verschiedenen Bereichen des Rinderschlachthofes Buchloe. „Auf Dauer wäre mir das zu stumpf", sagt er und er habe deswegen eine neue Herausforderung. gesucht. Er fand sie bei seinem alten Kauferinger Arbeitgeber: In Kuhns Auftrag ging Maisterl für zwei Jahre nach Moskau, um dort die firmeninterne Spezialitätenmetzgerei eines großen, russischen Konzerns aufzubauen.

Vier Stunden verkaufen ohne Pause

Als auch diese Herausforderung in Routine überging, kam er Ende 2015 nach Deutschland zurück und absolvierte die Meisterschule in Augsburg mit dem „Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung“ als einer der acht besten seines Jahrgangs. Nächste Station war die „ziemlich große, ziemlich gute Metzgerei mit tollem Arbeitsklima“ in Wiggenbach bei Kempten. Anderthalb Jahre pendelte er, dann wollte er „die andere Seite des Berufs kennenlernen“ und wechselte in den Verkauf. Mit einem Freund aus Ausbildungstagen fuhr er mit einem mobilen Verkaufswagen die Märkte der Region ab, „das war die Extremversion von Verkaufen, vier Stunden ohne Pause, dann weiter zum nächsten Markt.“

Was macht ein Fleischsommelier?

Zwischendurch absolvierte Maisterl noch eine Fortbildung zum „Fleischsommelier“. Ein Fleischsommelier kennt sich in der Welt der internationalen Fleischspezialitäten aus, seien es italienische Schinken, seltene Schweinerassen oder edles amerikanisches Rindfleisch. Auch beim heimischen Fleisch kann der Sommelier genau erklären, auf was zu achten ist und was die Qualitätsmerkmale sind. Marmorierung, Fettauflage, Lagerung, Ernährung des Tieres, unterschiedlichste Zubereitungsarten, mit alldem kennt sich Martin Maisterl bestens aus.

Lesen Sie dazu auch: Die Metzgerei Feicht schließt ihre Pforten

Als die alte Familien-Metzgerei Feicht aufgrund personeller Probleme vergangenes Jahr schließen musste, besprach sich Maisterl kurz mit seiner langjährigen Freundin Julia Rosian sowie beiden Elternpaaren und beschloss, sich den Traum der Selbstständigkeit zu erfüllen. „Ich habe viel Rückhalt in der Familie, alle unterstützen uns.“ Dass seine Metzgerei gleich neben seinem Heimatort liege, sei ein glücklicher Zufall. Er hatte sich schon darauf eingestellt, in der Ferne suchen zu müssen.

Während in den vergangenen Tagen im Hintergrund Vater Konrad mit seinem Werkzeugkasten durch alle Räume läuft und letzte Reparaturen erledigt, hieß es für Maisterl und sein Team – ein guter Freund, der ebenfalls Metzgermeister ist sowie eine Metzgergesellin – diese Woche produzieren, produzieren, produzieren.

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