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St. Ottilien

14.11.2019

Wie russische Künstler gegen Unterdrückung vorgehen

"Offenes Buch" zeitgenössische russische Kunst in der Klostergalerie.
2 Bilder
"Offenes Buch" zeitgenössische russische Kunst in der Klostergalerie.
Foto: Romi Löbhard

Plus Zeitgenössische russische Kunst in der Klostergalerie in St. Ottilien. Eine malerische Auseinandersetzung mit dem Glauben.

Wie gingen russische Künstler mit der Unterdrückung und Bekämpfung der Kirche in Zeiten der Sowjetunion um? Wie haben sie ihre Talente eingesetzt, welchen Weg haben sie auf der Suche nach Antworten auf beunruhigende Weltanschauungen eingeschlagen? Damit beschäftigt sich die Ausstellung „Offenes Buch“, die noch bis einschließlich Sonntag, 24. November in der Klostergalerie Sankt Ottilien zu sehen ist.

Eine Rückbesinnung auf christliche Werte

„Offenes Buch“ ist eine vom Kulturrat des Patriarchen initiierte Ausstellungsreihe. An für das Christentum bedeutenden Orten sollen Bilder russischer Künstler der Avantgarde gezeigt werden, die sich mit Kirche, Religion und Glauben malerisch auseinandergesetzt haben. Mit den Schauen soll, das ist der Wunsch der Organisatoren, die allmähliche Rückbesinnung des russischen Volks auf christliche Werte deutlich gemacht werden. Start der Ausstellungsreihe war Aquileia in Norditalien, einer zur Zeit des Römischen Reiches sehr bedeutenden Stadt mit imposanten Ausgrabungen. Jetzt also, als zweite Station, das Klosterdorf Sankt Ottilien: Es ist ein fest hier verwurzelter Ort, der mittlerweile weltweit in christlicher Mission tätig ist.

Stiftung russische Jahreszeiten

Die Ausstellung könne Brücken bauen und helfe auf dem begonnenen Weg eines Dialogs der Kulturen und Religionen, dem Verständnis von Traditionen der unterschiedlichen Völker, hieß es bei der Vernissage. Dass die Ausstellungsreihe überhaupt zustande kommen konnte, sei vielen Beteiligten, vom russischen Kulturministerium bis zur Stiftung „Russische Jahreszeiten“ zu verdanken. Sankt Ottilien freue sich über die Schau, weil Verbindungen zu Klöstern der russisch-orthodoxen Kirche verstärkt gepflegt werden sollen. Einige der Künstler der Schau seien weltlich eingestimmt, haben sich aber in der Kunst und Literatur Russlands auf die Gottsuche gemacht. Die Schau sei auch deshalb ein kleiner Beitrag zur Erklärung der spirituellen Entwicklung in heutiger Zeit. Dr. Georg Kobro, in Epfenhausen lebender, russisch-orthodoxer Erzpriester und bei der Vernissage Übersetzer für die russische Delegation betonte die Wichtigkeit der Schau. Sie sei nicht nur eine Bereicherung für den deutsch-russischen Brückenschlag, sondern zeige auch, dass Missionieren vor der Haustür extrem wichtig sei.

Dominierend sind die Engelsdarstellungen

„Offenes Buch“ ist eine Schau mit vielen Facetten. Dominierend sind Engelsdarstellungen. Sie reichen vom kubistisch strengen, nur zu erahnenden Engelsboten in rot und weiß bis zur farbenfrohen Darstellung eines fröhlichen Engelstrios. Das Thema „Verkündigung“ ist für etliche der ausstellenden Künstler ein eher anstrengender, von Unterwerfung gekennzeichneter Akt. Diese Bilder wirken so, als wollten sie eine Verbindung herstellen zu den gezeigten Kreuzigungsszenen. Kirchen wurden stets auffällig positiv auf die Leinwand gebracht. Das gilt auch für die meditativen Tänze orthodoxer Mönche, die über eine Leinwand zu gleiten scheinen, auf der alles Irdische ausgeklammert ist. Weiter zu sehen sind Mosaike sowie Bronze- und Gipsskulpturen – Letztere sind ebenfalls Engelsdarstellungen.

„OffenesBuch“ Religiöse Themen in der zeitgenössischen russischen Kunst; die Ausstellung in der Klostergalerie St. Ottilien kann bis einschließlich Sonntag, 24. November, zu den üblichen Öffnungszeiten des Klosterladens besichtigt werden.

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