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Landsberg

09.12.2019

Wie viel Bio-Essen kommt auf den Teller?

Im Kreisausschuss wurde über mehr Bio und Regionalität bei den Schulmensen diskutiert. Bei der Essensausgabe in der Mensa des Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasiums arbeiten (von links) Jasmin Avemaria und Dragana Babic.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Wenn es nach dem Biolandwirt und Kreisrat Johann Drexl geht, sollen in Schulen und Seniorenheimen mehr regional und biologisch erzeugte Lebensmittel angeboten werden. Wie die Idee im Kreisausschuss ankommt.

Was kommt bei Schülern, Bewohnern von Seniorenheimen sowie den Patienten und dem Personal im Klinikum künftig auf den Teller? Mit der Frage beschäftigte sich jetzt der Kreisausschuss. Hintergrund ist ein Antrag, den Kreisrat Johann Drexl (CSU) im Oktober eingereicht hatte. Er ist auch Kreisobmann des Bauernverbands. Geht es nach Drexl, sollen künftig mindestens 30 Prozent der verwendeten Lebensmittel aus regionaler Herstellung stammen und weitere 30 Prozent aus ökologischem Anbau.

Bis 30. Juni 2020 soll die Maßnahme in allen Einrichtungen umgesetzt werden, an denen der Landkreis direkt oder indirekt beteiligt ist. „Beim ,Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen’ haben sich 24,8 Prozent der Menschen im Landkreis für strengere Vorgaben ausgesprochen. Diese hat der Bayerische Landtag im August verabschiedet. Die Bauern müssen es jetzt umsetzen und die Produktion wird deswegen aufwendiger und teurer“, begründet Drexl seine Forderung.

Gibt es einen „Volksaufstand“ bei Preiserhöhungen?

Im Kreisausschuss erntete er grundsätzlich wohlwollende Worte, musste sich aber auch viele Gründe anhören, warum sein Vorschlag schwer umsetzbar sein dürfte. Vilgertshofens Bürgermeister Dr. Albert Thurner (SPD) fürchtete einen „Volksaufstand“, wenn der Essenspreis in der Schulmensa um 20 Cent erhöht würde und Hurlachs Bürgermeister Wilhelm Böhm (CSU) sprang ihm mit konkreten Erfahrungen zur Seite. „Wir haben den Preis in der Kindertagesstätte um 30 Cent angehoben und viele Abmeldungen bekommen.“ Aus Sicht von Böhm sei die Maßnahme nur darstellbar, wenn der Landkreis bereit sei, die Mehrkosten zu bezahlen. Aus Sicht der Schulverwaltung sei ein Preis von mehr als vier Euro pro Essen nicht durchsetzbar.

Wie viel Bio-Essen kommt auf den Teller?

Auf ein anderes Problem wies Rotts Rathauschef Quirin Krötz (CSU) hin. Es sei bereits jetzt schwierig, überhaupt eine Firma zu finden, die Essen liefere. Teils gebe es überhaupt nur einen einzigen Anbieter. Bei Neuausschreibung der Aufträge mit strengeren Regeln werde sich gar keine Firma mehr finden, befürchtete er. Anders argumentierte Renate Standfest (GAL). Es dürfe nicht nur um die Wirtschaftlichkeit gehen, sondern auch die soziale und ökologische Verantwortung müsste berücksichtigt werden. „In anderen Landkreisen ist das schon möglich.“ Sie forderte ein Punktesystem für die Auftragsvergabe, wie es der Landkreis schon beim Biomüll eingeführt habe.

Klinikum rechnet mit Mehrkosten von bis zu 150.000 Euro

Landrat Thomas Eichinger (CSU) betonte, dass es nicht am politischen Willen mangle, es aber einige Stolpersteine gebe. So müsse sich der Landkreis an EU-Recht halten und dürfe bei der Ausschreibung niemanden diskriminieren. Auch würden bestehende Verträge teils deutlich länger laufen als bis zum Juni 2020, dem Datum, zu dem Johann Drexl seinen Vorschlag gerne umgesetzt sehen möchte. Eichinger verwies zudem darauf, dass das entstehende Defizit am Klinikum Landsberg der Landkreis tragen müsse. Das Klinikum informierte auf Nachfrage, dass wohl mit Mehrkosten von 150.000 Euro im Jahr zu rechnen sei. Am Klinikum koste eine Mahlzeit derzeit 4,20 Euro. Das Klinikum meldete zudem Bedenken wegen der Lieferzuverlässigkeit an. Für Großabnehmer sei die Erfüllung derart hoher Quoten schwierig.

Skeptisch fiel ebenfalls die Stellungnahme der Kreisseniorenheime aus. Diese verweisen darauf, dass eine vielfältige und ausgewogene Ernährung bei der Verpflegung von Senioren und Kindern sehr wichtig sei. Das könne nicht das ganze Jahr gewährleistet werden, wenn 30 Prozent regionale und 30 Prozent biologische Produkte sein müssen. Zudem erscheine eine Refinanzierung über die Pflegesätze „schwer möglich, weil die Verwendung von ökologisch produzierten Lebensmitteln nicht Konsens bei der Verpflegung in Pflegeheimen ist“.

Eichinger machte aufgrund der Einwände den Vorschlag, erst einmal an einer Schule anzufangen und Erfahrungen zu sammeln. Aus Sicht der Schulverwaltung wäre dies an der Wolfgang-Kubelka-Realschule in Schondorf denkbar, weil dort zum Schuljahr 2020/21 eine Neuverpachtung der Mensa anstehe.

Letztlich wurde der Antrag von Drexl, eine verbindliche Quote einzuführen, mit 5:7 Stimmen abgelehnt. Mit 7:5 Stimmen wurde eine Beschlussempfehlung an den Kreistag ausgesprochen, dass der Landkreis diese Quote anstreben und ein Punktesystem bei der Auftragsvergabe eingeführt werden soll.

Jetzt werden vor der Auftragsvergabe Punkte vergeben

Die Mensen der Landsberger Gymnasien und der Johann-Winklhofer-Realschule werden vom Inklusionsbetrieb S+I der Regens-Wagner-Stiftung betrieben. Wenn der Landkreis einen neuen Wunsch habe, müsse man über mehr Geld reden, sagte Geschäftsführer Ulrich Hauser dem LT. Mehr Bio und Regionalität seien für derzeit 3,90 Euro pro Essen nicht zu leisten.

Das Essen stammt aus der Regens-Wagner-Großküche in Holzhausen, die dort die Magnuswerkstätten und das Heim versorgt, wie Werkstättenleiterin Margit Gottschalk sagte. 600 bis 800 Essen würden mittags zubereitet, 200 abends. An die Tochtergesellschaft S+I gingen 100 Essen für die drei Schulen. Nur diese auf Bio umzustellen, wäre wegen der Nachweispflicht organisatorisch sehr aufwendig.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Für die Biomensa muss der Landkreis Partner suchen

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