Utting

29.05.2018

Wohnen auf Rädern

Das Tiny House, mit dem Luise Loué auf dem Campingplatz in Utting Station gemacht hat, ist fest auf einen Anhänger montiert.
Bild: Dagmar Kübler

Erstmals steht auf dem Uttinger Campingplatz ein Tiny House. Besitzerin Luise Loué folgt damit einem speziellen Lebensmodell.

Wohnen auf zwölf Quadratmetern – geht das überhaupt? Luise Loué, bekannt durch ihr Museum der Liebesobjekte, probiert es seit Kurzem aus. Schrittweise. Auf dem Campingplatz im Uttinger Freizeitgelände. Dort steht ihr Tiny House, praktisch platziert in der Nähe des Waschhauses.

Denn das Tiny House hat weder Bad noch Wasser oder einen Abwasseranschluss. Aber eine Küche hat es, quasi ein Regal mit geringer Tiefe auf Rollen, damit man es, wenn es im einzigen Raum einmal zu voll wird, wegschieben kann. Und dass dort die Besucher einmal kuscheln müssen oder dürfen, das ist vorauszusehen. Denn Luise Loué lädt gerne Menschen ein – unter dem Slogan „Minimal anders zu Kultur und Genuss auf zwölf Quadratmetern“. So kann man zum Beispiel an Fronleichnam, also Donnerstag, 31. Mai, dort den Geigenklängen von Francesca Rappay lauschen, klassisch, Weltmusik vermittelnd oder frei improvisierend. Und zwar im Parkett oder in der Loge.

Um diese aber zu erreichen, geht es eine Leiter hoch zum Bett von Luise Loué mit Blick auf den Ammersee. Wer „Parkett“ wählt, hat die Auswahl zwischen Sofa, Sitzhocker – der übrigens gleichzeitig als Stauraum dient, denn einen Schrank gibt es im Tiny House nicht – oder Kissen auf dem Fußboden. Wer stehen will, kann auch stehen, was sicher der Fall sein wird. Übliche Darbietungen laufen so ab: zuhören, klatschen, aufstehen, gehen. Im Tiny House ist das anders. Luise Loué hat es in Berlin ausprobiert, als das Häuschen ein Jahr lang zusammen mit 13 weiteren auf dem Bauhaus Campus stand.

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Ein Leben ohne großen Saus und Braus

Fest montiert auf einem Anhänger hat es nun die Reise nach Utting angetreten, und wer weiß, wohin es noch unterwegs sein wird. Denn die Mutter eines vierjährigen Sohnes ist im Aufbruch. Warum nicht einmal in Portugal am Meer leben? An der Anhängerkupplung eines stärker motorisierten Fahrzeugs folgt das Zuhause aus Holz überall hin. „Ich will mit meinem Kind die Welt entdecken und es nicht nur abfertigen“, sagt Loué, die sich gerade neu erfindet. Als Projektmanagerin könnte sie zwar weiterhin gut verdienen, aber Zeit für Kind und eigene Projekte würden dann auf der Strecke bleiben. Deshalb will sie weniger brauchen und weniger Geld benötigen. Entrümpeln, sich von Dingen trennen, Ballast abwerfen. Wasser sparen, Plastikmüll reduzieren. Kostenlos gibt es Kleider auf Tauschbörsen und Nahrungsmittel über Foodsharing.

Das Tiny House unterstützt diesen angenehmen, reduzierten Lebensstil, sagt Loué. Verwendet sie in ihrer Wohnung, die sie weiterhin unterhält, viel Zeit mit Tätigkeiten wie Putzen und Aufräumen, ist hier alles schnell erledigt. Ein völlig neuer Tagesrhythmus stellt sich ein. Ein kleiner Einkauf im Minimarkt am Pavillon, morgens schon auf dem Steg die Beine überm blauen Wasser baumeln lassen, der Lust auf eine Radltour nachgeben, auf dem Uttinger Wochenmarkt landen, bei prasselndem Regen gemütlich mit einem Buch auf Kissen im Alkoven sitzen – oder einfach nur mal richtig ausschlafen.

Auch andere leben den Traum vom mobilen Wohnen

Insbesondere das Interiorkonzept und die Farbabstimmung im Tiny House, entwickelt von der Berliner Designerin Anneli West, sorgen für Gemütlichkeit und lassen zur Ruhe kommen, sagt Loué. Idee und Plan für das Tiny House stammen übrigens vom Architekten Van Bo Le-Mentzel von der Tinyhouse University in Berlin. Der Rohbau entstand im Rahmen eines Workshops in Brandenburg. Bei Work-Partys stellten Freiwillige das Haus in sechs Monaten fertig. Ein Teil der Ausstattung, wie etwa die Fenster, wurde gesponsort.

„Im Tiny House ist alles anders, hier empfange ich Leute und verwirkliche meine Träume“, erzählt Loué. So wollte sie immer einmal, dass eine Geigerin für sie spielt. Francesca Rappay wird ihr diesen Traum nun erfüllen. Seit das Tiny House in Utting steht, inspiriert es auch andere Menschen. „Ich bekomme häufig Anfragen zum Beispiel wollen Leute hier Mantras singen, Coaching oder Verköstigung anbieten“, sagt Loué. Sie stellt ihr Häuschen auch gerne zur Verfügung für Objektfotografie, Kunstausstellungen, Menschen, die schreiben wollen oder eben für Kuschelpartys.

Ein Paar aus dem Landkreis verfolgt einen ähnlichen und gleichzeitig doch so unterschiedlichen Lebensweg (LT berichtete). Der Schwabhausener Max Eule und die Landsbergerin Tamara Hub, beide noch keine 30, hatten aus zwei Schiffscontainern ein liebevolles Zuhause gebaut. Inzwischen sind sie mit ihrem kleinen Heim in Portugal sesshaft geworden.

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