Wirtschaft

04.02.2015

Zeit und Geld

Zeitforscher zu Gast in Landsberg

Seit 40 Jahren besteht der Informationskreis der Wirtschaft (IdW) in der Region Landsberg-Kaufering. Das Jubiläum war Grund genug, sich in der ersten Mitgliederveranstaltung 2015 dann auch näher mit dem Thema „Zeit“ zu beschäftigen. Stefan Jörg, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Landsberg-Ammersee eG und Sprecher des IdW-Kernteams, hatte die Zeitforscher Karlheinz und Jonas Geißler zu einem Vortragsabend eingeladen. Unter dem Titel „Ticken wir noch richtig?“ referierten Vater und Sohn über Zeit und Beschleunigung, Vernetzung und Überforderung – und darüber, wie man ihr begegnet.

Karlheinz Geißler führte das Publikum im fast voll besetzten Rathaus-Festsaal durch die Geschichte der Zeit und machte auf verblüffende Zusammenhänge aufmerksam. Wer hätte gewusst, dass die Gründung der ersten Banken und Versicherungen unmittelbar auf die Erfindung der mechanischen Uhr folgte?

Bevor der Mensch auf die Idee kam, die Zeit zu takten, richtete sich sein Leben nach den Rhythmen der Natur, erläuterte Geißler. Nicht die Zeit war wichtig, sondern das Wetter. Man säte und erntete zu den entsprechenden Jahreszeiten, aß und schlief, wie der Körper es vorgab. Mit der Erfindung der Uhr „nahm der Mensch die Zeit in die eigene Hand“, so Geißler senior. Durch die Taktung koppelte man die Zeit von der Natur ab und machte sie zum herrschaftlichen Instrument. Zeit wurde zu Geld. Die Beschleunigung nahm in Laufe der Jahrhunderte immer krassere Formen an, bis hin zur Beschleunigung sogar der Natur - man denke an die immer kürzeren Mastzeiten von Schlachtvieh.

Mit den positiven und negativen Folgen dieser Entwicklung für unser tägliches Leben setzte sich Zeitberater Jonas Geißler auseinander. „Wir gewinnen Freiheit und Ereignisvielfalt, haben mehr Wahlmöglichkeiten und Flexibilität als je zuvor.“ Die Kehrseite der Medaille: „Wir verlieren die Orientierung und den Überblick, Reflexions- und Pausenzeiten gehen verloren.“ Dauernde Erreichbarkeit führt zu häufigen Störungen, die wiederum Zeit kosten. Die Abhilfe heißt Zeitkompetenz. Geißler riet den IdW-Mitgliedern, was er auch seinen Klienten ans Herz legt: nach Möglichkeit rhythmisch leben und arbeiten, Grenzen setzen und diese auch kommunizieren. (lt)

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