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Emmenhausen

25.01.2020

Zwei Jagdhunde hetzen ein Reh zu Tode

Eine groß angelegte Drückjagd hat vor Kurzem im Revier der Fürstenfamilie von der Leyen zwischen Waal und Emmenhausen stattgefunden.
Foto: Friso Gentsch/dpa (Symbolfoto)

Plus Bei einer Drückjagd in Emmenhausen töten zwei Hunde ein Reh mitten im Ort. Der Grundstücksbesitzer spricht von Blutrausch, der Jagdleiter weist die Vorwürfe zurück.

Ein Grundstücksbesitzer spricht vom Blutrausch zweier Jagdhunde, die in seinem Garten in Emmenhausen im benachbarten Landkreis Ostallgäu „ein Reh regelrecht zerrissen“ hätten. Er will sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn seine Enkel oder andere Kinder auf der Straße oder in dem Garten gewesen wären. Jagdleiter und Förster Emanuel Hieke sagt, dass die beiden Hunde entsprechend ihrer Ausbildung das verletzte Tier – es hatte nur drei Beine – „professionell und weidgerecht perfekt abgefangen haben“. Was ist nun wirklich passiert?

Die Vorgeschichte: Im Jagdrevier der Fürstenfamilie von der Leyen zwischen Waal und Emmenhausen hat eine Drückjagd stattgefunden. In dem knapp 400 Hektar großen Gebiet waren etwa 50 Jäger, drei Hundemeuten (mit jeweils mehreren Hunden) sowie ein paar Treiber unterwegs. Die Drückjagd findet in der Regel jedes Jahr statt. Sie wird laut Hieke hauptsächlich wegen der vielen Wildschweine und der dadurch entstehenden Schäden veranstaltet. Eigentlich sollen die Jagdhunde das Wild nur aufscheuchen und sofort wieder ablassen.

Eine Jägerin sagt, sie sei nicht zuständig

Der 59-jährige Besitzer des Grundstücks schildert den Vorfall so: Zwei Jagdhunde hätten am Vormittag ein Reh aus dem Wald und durch das Dorf gehetzt und in seinem Garten zerlegt. „Alles war voll Blut“, sagt der Mann. Die Hunde seien in einem regelrechten Blutrausch und außer Kontrolle gewesen, worin er eine Gefährdung der Bevölkerung sieht. Sein Schwiegersohn habe eine Jägerin auf einem Hochsitz in der Nähe über den Vorfall informiert und sie gebeten, das Reh aus dem Garten zu entfernen. Diese habe aber nur geantwortet, dass sie nicht zuständig sei. Dann habe der Schwiegersohn einen Jäger angerufen, der an der Drückjagd aber nicht beteiligt war. „Kurze Zeit später sind zwei Treiber gekommen und haben das Reh geholt. Die Fellreste mussten wir selbst in der Mülltonne entsorgen“, schildert der Grundstücksbesitzer den Vorfall.

Der 59-jährige sieht einen Verstoß gegen Jagdvorschriften. „Im Ort ruht die Jagd, und Hetzjagden sind sowieso verboten.“ In der Hundeausbildung sei etwas schief gelaufen, vermutet er. „So etwas darf nicht passieren“, sagt der Mann. Deshalb habe sein Schwiegersohn den Vorfall auch bei der Polizeiinspektion Buchloe gemeldet. Die Beamten ermitteln nun, ob eventuell ein Verstoß gegen das Jagd- oder das Tierschutzrecht vorliegt.

Ein „unglücklicher“ Umstand

Aus Sicht von Jagdleiter Emanuel Hieke hat sich der Vorfall folgendermaßen zugetragen: „Bei der Hundemeute hat es sich um Profis gehandelt, die extra angereist sind. Sie sind auf Drückjagden spezialisiert und waren schon in den vergangenen Jahren im fürstlichen Revier dabei.“ Das Reh, das in dem Privatgarten in Emmenhausen getötet wurde, sei krank gewesen. „Es hatte nur drei Läufe. Das haben die Hunde richtig erkannt und nur deshalb die Verfolgung aufgenommen. Ein gesundes Tier hätten sie nicht gejagt. Das Reh war geschwächt und hätte vermutlich den Winter nicht überlebt“, sagt der 30-Jährige. Er weist den Vorwurf, dass die Hunde in einem Blutrausch und außer Kontrolle gewesen seien, zurück. „Es ist üblich, dass die Hunde bei einer Drückjagd frei jagen, jedoch immer wieder zu ihren Hundeführern zurückkehren. Der einzige unglückliche Umstand bei dem Vorfall war, dass das Reh in Richtung Dorf und Privatgarten gelaufen ist.“

Dort hätten die Hunde das Tier durch einen gezielten Kehlbiss erlöst. „Dies ist das absolut richtige Verhalten eines gut ausgebildeten Jagdhundes“, sagt Hieke, der das Tier nach eigenen Angaben später selbst begutachtet hat. Falls Passanten oder Kinder in der Nähe gewesen wären, hätten die Hunde diese ignoriert, ist er überzeugt.

„Die Jägerin, die angesprochen wurde, hatte kein Handy dabei und habe deshalb selbst nichts unternehmen können. Die Jäger dürfen während einer Drückjagd aus Sicherheitsgründen ihren Stand nicht verlassen“, erklärt Hieke. Er war aber unterdessen bereits per Handy von jemand anderem über den Vorfall informiert worden und habe dann wiederum einen Jäger per Funk benachrichtigt, das Reh abzuholen.

„Das liegt im normalen Rahmen“

Die Drückjagd sei fachlich, sicherheitstechnisch und ordnungsgemäß vorbereitet und organisiert worden, auch in enger Abstimmung mit dem Landratsamt Ostallgäu, das beispielsweise die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Sperrungen auf den Straßen rund um das Revier genehmigen muss, sagt der Jäger. Geschossen wurden bei der Jagd sieben Wildschweine, sieben Rehe und drei Füchse. „Das liegt im normalen Rahmen“, sagt Emanuel Hieke.

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