Startseite
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten
Egling
Icon Pfeil nach unten

Egling: In Egling wird die NS-Zeit aufgearbeitet

Egling

In Egling wird die NS-Zeit aufgearbeitet

  • |
  • |
  • |
    Christopher Vila, Vorsitzender des Heimatvereins Egling, mit einigen Stücken, die bereits bei ihm abgegeben wurden. Das Forschungsprojekt „Das Dritte Reich und wir“ läuft noch fast ein Jahr lang.
    Christopher Vila, Vorsitzender des Heimatvereins Egling, mit einigen Stücken, die bereits bei ihm abgegeben wurden. Das Forschungsprojekt „Das Dritte Reich und wir“ läuft noch fast ein Jahr lang. Foto: Christian Rudnik

    Es ist ein heikles Thema, das aktuell in Egling angepackt wird: „Das Dritte Reich und wir“ nennt sich das Forschungsprojekt, das unter der Leitung von Christopher Vila, dem Vorsitzenden des Heimatvereins Egling, vor Kurzem gestartet wurde. Und die Zeit drängt, dieses Projekt in Angriff zu nehmen.

    In Zusammenarbeit mit der Uni Gießen will Christopher Vila die Geschichte der Gemeinde während der Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten. „Meist wird diese Zeit auf große Opferstätten projiziert, auf KZ-Gedenkstätten oder Schlachtfelder etwa“, sagt der 34-Jährige. „Dabei geschieht die Geschichte doch vor der Haustür.“

    Persönliche Geschichten der Eglinger dokumentieren

    Das allerdings berge auch Schwierigkeiten. „Die Zeit von 1933 bis 1945 war nicht einfach, da wird auch nicht in jedem Haushalt darüber gesprochen“, sagt Vila. Dabei gebe es viele persönliche Geschichten, die man dokumentieren müsse. „Es geht nicht darum, die Leute zu belehren, zu moralisieren oder an den Pranger zu stellen, aber man muss diese Zeit aufarbeiten.“

    Inzwischen gebe es immer weniger Zeitzeugen. „Die meisten, die jetzt noch leben, hätten diese Zeit als Kinder erlebt“, so Vila. Gleichzeitig würde aber die junge Generation Fragen stellen. „Deshalb muss man einen offenen Dialog führen, denn die jungen Leute werden sich die Antworten auf ihre Fragen holen – aber die Frage ist: Wo?“, spielt Vila auf zweifelhafte Quellen vor allem im Internet an.

    Auseinandersetzungen zwischen Pfarrer und glühendem Nationalsozialisten

    Egling eigne sich als Forschungsstandort, da die Gemeinde sehr materialreich sei, so der Projektleiter. „Egling war in dieser Zeit Blockstandort, hier lebte der Ortsgruppenführer, der unter anderem auch für Prittriching, Scheuring und bis nach Kaltenberg zuständig war.“ Mit dem Oberlehrer soll ein glühender Nationalsozialist in dieser Position gewesen sein, da habe es einige Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung und auch dem damaligen Pfarrer Leonhard Neureiter gegeben, weiß Christopher Vila.

    Im Staatsarchiv hat er dazu alte Polizeiakten gefunden, dabei sei er auch auf einen Euthanasiefall gestoßen, den es in Egling gegeben habe, oder auf Zeitzeugnisse darüber, dass aus zwei anderen Orten Dorfbewohner ins KZ gebracht wurden. „Egling hat wahnsinnig viele Geschichten, die bis in die Nachkriegszeit reichen.“ Wer, zum Beispiel, wisse, dass es in Egling einige Jahre eine jüdische Gemeinde gegeben habe?

    Eglinger Heimverein arbeitet mit Uni Gießen zusammen

    Es seien eben die „kleinen Geschichten“, die die Leute berührten, so Vila. „Und wenn es nur darum geht, zu erfahren, wer früher mal in dem Haus gewohnt hat, in dem ich jetzt wohne.“ Jetzt gehe es in erster Linie darum, diese Geschichten aufzuspüren. „Dann werden wir in den Archiven überprüfen, was an diesen dran ist“, so Vila. Bei dieser Arbeit erhalte man die nötige Unterstützung durch das Projektteam der Uni Gießen unter Projektleiter Dr. Clemens Tangerding.

    Gleichzeitig sammele man auch alle Dokumente aus dieser Zeit. „Oft liegen Feldpostbriefe, Abzeichen und Ähnliches auf den Dachböden und sind in Vergessenheit geraten“, sagt Christopher Vila, der aktuell seinen Master in Museumswissenschaft macht. Inzwischen habe man bereits zahlreiche Erinnerungsstücke: „Im Heimatmuseum ist es etwas eng geworden, aber es geht noch“, sagt er mit einem Schmunzeln.

    Beim ersten Treffen hatten sich zwölf Personen eingefunden. „Darunter auch einige Vereinsvertreter, die für viele weitere Helfer stehen“, freut sich Vila. Was das Alter betreffe, so sei „von Anfang 20 bis über 80 Jahre alles dabei“. Allerdings habe es da bereits Schwierigkeiten wegen der Corona-Auflagen gegeben, weshalb man noch ein weiteres „Auftakttreffen“ durchführen möchte – wenn es die Umstände zulassen.

    Eglinger sollen Material aus NS-Zeit zur Verfügung stellen

    Bis dahin können sich Interessierte aber auch bei ihm melden. „Es gibt viele Bereiche, in denen man sich engagieren kann“, so Vila. Der eine habe vielleicht keine Zeit, aktiv an der Erforschung mitzuarbeiten, könne aber Material zur Verfügung stellen, der andere unterhalte sich lieber mit den Menschen, als in Archiven zu suchen – die Möglichkeiten, dieses Projekt zu unterstützen seien vielfältig. Ein knappes Jahr noch wird die Gruppe sammeln, dokumentieren und auswerten, dann sollen die Ergebnisse in einer Sonderausstellung im Heimatmuseum ausgestellt werden. Dabei könne sowieso nicht alles gezeigt werden – müsse es auch nicht. „Wir freuen uns auch, wenn jemand uns sein Material zur Verfügung stellt, um es dokumentieren zu können. Wenn derjenige nicht will, dass es ausgestellt wird, ist dies überhaupt kein Problem.“

    Wer sich an dem Projekt „Das Dritte Reich und wir“ beteiligen möchte, kann sich bei Christopher Vila unter der Telefonnummer 0160/93887762 oder per E-Mail info@heimatmuseum-egling.de melden.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden