Startseite
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten

Landsberg: Wird Kaufering VII eine Gedenkstätte ähnlich dem KZ Dachau?

Landsberg

Wird Kaufering VII eine Gedenkstätte ähnlich dem KZ Dachau?

  • |
  • |
  • |
     Das ehemalige KZ-Außenlager Kaufering VII könnte ein Dokumentationszentrum werden.
    Das ehemalige KZ-Außenlager Kaufering VII könnte ein Dokumentationszentrum werden. Foto: Thorsten Jordan

    Bei Regen traf sich der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Landsberger Stadtrats am Mittwochnachmittag auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII zur Ortsbesichtigung. In einer der Tonröhren informierten Manfred Deiler, Präsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, sowie die Historikerin Dr. Edith Raim und die Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne) über den aktuellen Stand des langwierigen Projekts.

    Denn Gedenkarbeit ist in der früheren Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau nur schwer möglich, weil das Gelände für die Öffentlichkeit nur eingeschränkt zugänglich ist. Seit 1998 gibt es eine Petition, um die Situation zu verbessern, doch das Thema werde „geschoben und geschoben“, begann Triebel ihren Rückblick. Die Kauferingerin ist selbst seit 2018 im Landtag. Momentan werde im Bildungsausschuss des Landtags unter anderem darüber diskutiert, ob der Zaun „weg soll“ und das Gelände damit durchgehend begehbar wird oder nicht, berichtete die Grünen-Landtagsabgeordnete.

    KZ-Außenlager Kaufering VII soll drei Funktionen erfüllen

    In einer Arbeitsgruppe, die noch unter dem früheren Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) ins Leben gerufen worden war, hatte man sich zwar unverbindlich, aber deutlich für ein Dokumentationszentrum entschieden, erinnerte Triebel. Doch „der Widerstand, dass da draußen etwas Angemessenes entsteht“, sei immer noch groß. Mit dem wissenschaftlichen Konzept, das Ende Mai dem Kultusministerium übergeben werden soll, mache das Projekt einen großen Schritt, so die Landtagsabgeordnete. Primär stehe nun der Freistaat in der Verantwortung, sich um die Belange zu kümmern, ergänzte sie. Laut Triebel gibt es drei Funktionen, die das KZ-Außenlager zu erfüllen habe: Es müsse ein Gedenkort und ein Informationsort sein. Und es übernehme zudem die „Verbindung nach außen“ zu Universitäten, der Presse, Film und Fernsehen und Überlebenden.

    Mit diesem wissenschaftlichen Konzept wurde Edith Raim aus Landsberg beauftragt, eine weitere Expertin kümmert sich um das pädagogische Konzept. Raim sprach von „kiloweise Material“, Daten und Dokumenten, die an die Öffentlichkeit müssten: „Es braucht ein Mehr an Informationen. Es gibt nur wenige Lager, wo es so viele Dokumente gibt. Dachau ist überfüllt“, sagte die Historikerin. Dort wäre man dankbar für eine weitere Gedenkstätte. Für sie steht die Einzigartigkeit des Ortes außer Frage. Auch weil wesentliche jüdische Organisationsstrukturen aus dem litauischen Ghetto Kaunas durch die Deportation der Menschen in das Außenlager Kaufering erhalten worden seien. Und auch die Zeit nach der Befreiung, als Kaufering VII als Flüchtlings- und Vertriebenenkolonie genutzt wurde, findet in ihrem Konzept Berücksichtigung.

    Ortstermin im früheren KZ-Außenlager Kaufering VII: Mitglieder eines Landsberger Ausschusses, Historiker und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne, unten links) debattierten über die Zukunft der Anlage.
    Ortstermin im früheren KZ-Außenlager Kaufering VII: Mitglieder eines Landsberger Ausschusses, Historiker und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne, unten links) debattierten über die Zukunft der Anlage. Foto: Thorsten Jordan

    Stadtrat Axel Flörke (Landsberger Mitte) zeigte sich irritiert wegen Triebels Wortwahl und fragte, ob man als Stadt kein Mitspracherecht habe. Sowohl Triebel als auch Deiler betonten, dass es vor allem um die finanziellen Aspekte gehe. „Zur Abwicklung brauchen wir natürlich die Stadt“, verdeutlichte Deiler. Die wissenschaftliche Konzeption überlasse man dagegen allein der Wissenschaft. „Was planen Sie genau: einen Gedenkort oder mehr?“, fragte Flörke weiter, der das Dokumentationszentrum kritisch und die historische Aufarbeitung als Aufgabe des Stadtmuseums sieht. Stadtrat Stefan Meiser (ÖDP) sprach sich dagegen für ein Dokuzentrum auf der Anlage aus. „Ich finde es unendlich schade, dass man die Dokumente bislang nicht einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen konnte.“ Da es sich dabei um ein Schulungszentrum handeln würde, will Meiser keinen Konflikt zur Ausstellung im Stadtmuseum erkennen. Die anwesende Museumsleiterin Sonia Fischer betonte, dass es im Stadtmuseum vor allem um den historischen Überblick gehe. Um Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergien mit dem Projekt im Außenlager zu nutzen, sei es wichtig, „dass wir an einen Tisch kommen“.

    Architekt Libeskind soll Landsberg und das Außenlager besuchen

    Petra Ruffing (CSU) stellte die Frage in den Raum, ob man Schülerinnen und Schülern „an diesem idyllischen Ort“ die Gräueltaten des Dritten Reichs vermitteln könne, wie es beispielsweise in Auschwitz der Fall sei. Der anwesende Stadtheimatpfleger Dr. Stefan Paulus erwiderte auf diese Befürchtung, dass es sich bei Kaufering VII um einen authentischen Gedenkort handle und er keinen Widerspruch zwischen Dokuzentrum und Stadtmuseum sehe. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) stimmte Paulus zu und fragte sich: „Wie stehen die Überlebenden dazu?“ Stiftungspräsident Deiler, der im ständigen Kontakt mit Überlebenden und Angehörigen steht, wusste hierzu die Antwort: Die Bandbreite reiche von „Ich habe es selbst erlebt und brauche es nicht mehr“, bis „die Umsetzung sei längst überfällig“. Der Zuschuss des Bundes ist nur durch nachweisbare Bedeutung zu erwarten, die auf dem historischen Gelände gegeben ist. „Wenn wir das Geld hätten, würden wir uns sofort zusammensetzen“, so Deiler.

    Mit der fertigen Konzeption könnten die Beteiligten in die notwendige Entwurfsplanung gehen, um die Zuschüsse zu beantragen. „Und hier kommt Libeskind ins Spiel“, ergänzt Triebel im Gespräch mit unserer Redaktion. Damit meint die Landtagsabgeordnete den jüdischen Star-Architekten Daniel Libeskind, dessen Büro in New York auf Anfrage der Grünen-Politikerin Interesse an einer Zusammenarbeit im Außenlager Kaufering VII bestätigt hatte. Damit sich dieser selbst vor Ort ein Bild machen kann, planen Triebel und die Stiftung den Architekten Ende 2022 nach Landsberg einzuladen.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden