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Seestall: KZ-Gedenkstätte bei Seestall: Tafeln erinnern an Holocaust

Seestall

KZ-Gedenkstätte bei Seestall: Tafeln erinnern an Holocaust

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    Auf Initiative des Bürgerforums Buntes Fuchstal informieren diese Tafeln über die Geschichte des Seestaller KZ-Außenlagers.
    Auf Initiative des Bürgerforums Buntes Fuchstal informieren diese Tafeln über die Geschichte des Seestaller KZ-Außenlagers. Foto: Andreas Hoehne

    In einer würdevollen Feier des Bürgerforums Buntes Fuchstal wurden die beiden Informationstafeln der KZ-Gedenkstätte östlich von Seestall eingeweiht. Unter den 120 Anwesenden befanden sich zahlreiche Kommunal-, Landes- und Bundespolitikerinnen und Politiker sowie Vertreterinnen und Vertreter der Erinnerungskultur an die Gräueltaten des Nationalsozialismus. Hauptredner war der NS-Verfolgte und Präsident der Lagergemeinschaft Dachau Ernst Grube.

    „Holocaust war nicht nur in Auschwitz, sondern auch vor unserer Haustür“

    Der 89-Jährige berichtete, dass im Lager Kaufering II bei Igling auch sein Onkel Siegfried Süß-Schülein im Dezember 1944 ums Leben gekommen sei. „Der Holocaust war nicht nur in Auschwitz, sondern auch vor unserer Haustür“, sagte er. Grube bezog sich zudem auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der Versuch der Russen, diesen mit einer Entnazifizierung zu rechtfertigen, missbrauche diesen Begriff. Er bedauerte, dass die Stimmen, die einen diplomatischen Weg suchten, immer leiser würden. Die Rüstungsanstrengungen der Nato hätten diesen Krieg nicht verhindern können, meinte er, denn Aufrüstung sei kein Weg zum Frieden.

    Die Autorin Alexandra Senfft, Sprecherin der Projektgruppe Gedenkkultur, verwies in ihrer Begrüßung darauf, dass zwar im Jahr 1990 von der B17 aus Wegweiser zu der Gedenkstätte eingerichtet worden waren, die Besucherinnen und Besucher dort aber lediglich den Grabstein mit der unglücklich gewählten Inschrift „Wir waren Juden – Das war unsere Schuld“ vorfanden. Niemand sei schuldig für seine Herkunft, sagt sie. Über die Täter habe man dort nichts erfahren. Durch die Informationstafeln könne man nun endlich die Zusammenhänge mit dem NS-Terror klar erkennen.

    Gedenktafeln mit besonderer Bedeutung

    Dr. Jascha März, Historiker der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, verwies auf die besondere Bedeutung der Tafeln, denn durch diese erhalte die Bevölkerung einen direkten Bezug zur eigenen Geschichte. An die anwesenden Kommunalpolitikerinnen und -politiker gerichtet meinte er, es gebe noch genügend Schauplätze des Holocaust im Landkreis Landsberg, an denen es keine Informationen gebe, woran nach dem Vorbild von Seestall nun aber gearbeitet werde.

    Hauptredner bei deren Einweihung war der NS-Verfolgte Ernst Grube.
    Hauptredner bei deren Einweihung war der NS-Verfolgte Ernst Grube. Foto: Wolfram Ruoff

    Die Historikerin Dr. Edith Raim, die sich seit 40 Jahren mit der Geschichte der KZ-Lager Kaufering befasst, griff das Schicksal eines polnischen Juden namens Jakubowski auf, der ins KZ-Lager Seestall verschleppt worden war. Er floh und wurde im Zug von Hurlach nach Augsburg erhängt aufgefunden. Die Umstände seines Todes seien ungeklärt. An ihn erinnerten nur noch ein Eintrag auf Papier und ein Stein in Augsburg, so Raim, die Seestaller Tafeln sorgten nun für ein weiteres Gedenken an ihn.

    Jeder im Dorf habe gewusst, was mit Juden geschehe

    Dr. Walter Reitler, Fuchstals Dritter Bürgermeister aus Seestall, bezog sich auf seine Gespräche mit Zeitzeugen. Es habe zwar Menschen gegeben, die für die jüdischen Häftlinge des Lagers in Seestall kein Mitleid empfanden, einige hätten den Häftlingen aber geholfen, ihnen Kartoffeln und Brot zugesteckt oder sich bei der Lagerleitung über die Zustände beschwert. Jeder im Dorf habe gewusst, was mit den Juden geschehe. Eine „Erniedrigung über den Tod hinaus“ sei es gewesen, dass man die verstorbenen Häftlinge auf dem ehemaligen Schindacker des Dorfes verscharrt habe.

    Zum Abschluss der Feier zogen die Anwesenden zu dem 150 Meter entfernten Gedenkstein mit dem Grab von mindestens 22 Häftlingen und legten rote Nelken nieder. Die Münchner Sopranistin Irina Firouzi umrahmte die Feier mit drei Liedern, unter anderem der jüdischen Komponistin Lena Stein-Schneider.

    Auf den mit Unterstützung der Stiftung „Europäische Holocaustgedenkstätte“, der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und der Gemeinde Fuchstal errichteten zweisprachigen Tafeln wird auf die Geschichte der zehn bekannten Außenlager des KZ Dachau eingegangen. Der Schwerpunkt liegt auf dem KZ „Kaufering VIII“ westlich von Seestall, das vom 1. September 1944 bis zum Februar 1945 bestand. Dessen auf 500 geschätzte Insassen, Jüdinnen und Juden aus Polen und Tschechien, seien unter anderem als Helferinnen und Helfer in der Landwirtschaft eingesetzt worden. Bereits unmittelbar nach Kriegsende war eine provisorische Gedenkstätte errichtet worden, die dann 1951 durch den Stein der Staatsregierung ersetzt wurde.

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