Als wäre alles wie früher: In Städten wie Hannover oder Leipzig, in denen bereits in der vergangenen Woche der Befreiung durch amerikanische Truppen vor 80 Jahren gedacht wurde, nahmen selbstverständlich auch US-Diplomaten oder Vertreter der US-Army an den Feierlichkeiten teil. Wenn dieser Tage auch in unserer Region mit Veranstaltungen an die letzten Kriegstage im Frühjahr 1945 erinnert wird, dürfte das nicht anders sein. Und doch: Tatsächlich ist kaum etwas so wie früher. Denn spätestens mit der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump ist aus dem großen Bruder USA, der verlässlichen militärischen Schutzmacht, ein polternder, zorniger Fremder geworden. Erleben wir gerade den Niedergang der gewachsenen deutsch-amerikanischen Beziehungen?
In den USA verfolgt die Maga-Bewegung („Make America great again“), die hinter Trump steht, offen nationalistische und rassistische Ziele, verbreitet dreiste Lügen, stellt die Freiheit der Medien und die Unabhängigkeit der Justiz infrage. Nach außen überzieht Washington die Welt mit einer irrsinnigen Zollpolitik, beansprucht Gebiete souveräner Staaten.
Anders als im Ersten Weltkrieg kamen die US-Truppen 1945, um zu bleiben
Als die US-Streitkräfte im Juni 1944 in der Normandie landeten, um an der Seite der Alliierten das Dritte Reich und mit ihm den Nazi-Terror zu beenden, war ausgemacht, dass sie – anders als im Ersten Weltkrieg – nach Europa gekommen waren, um zu bleiben.
Dass daraus – in der pathetischen Sprache Hollywoods – „der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ werden würde, war zunächst nicht im Ansatz absehbar. Natürlich ging es den USA im heraufziehenden Kalten Krieg nicht zuletzt um handfeste geopolitische Interessen, als sie dem Besiegten überraschend schnell die Hand reichten. Dabei erwies sich das Bekenntnis der atlantischen Allianz zu Demokratie und freiem Handel als zuverlässige Grundlage für das Verhältnis zwischen Washington und Bonn. Auch wenn diese Prinzipien im Laufe der Jahrzehnte – nicht selten auch durch die USA – immer wieder verletzt wurden.
Die Entfremdung zwischen Washington und Berlin erscheint immer unüberbrückbarer
Doch aktuell erscheint die Entfremdung, die seit einigen Jahren zu spüren ist, immer unüberbrückbarer. Grund genug, innezuhalten. Dass der US-Präsident Gegnern und Freunden wahllos droht, Einschüchterung und Erpressung zur Verhandlungstaktik erklärt, ist das eine. Darüber sollte aber nicht vergessen werden, dass auch viele US-Bürger ihren Präsidenten als Schande für ihr Land empfinden und nach einer Schockstarre beginnen, für die Demokratie zu kämpfen. Ein billiger, selbstzufriedener Antiamerikanismus, der in Deutschland eine so lange wie ungute Tradition hat, sollte sich genauso verbieten wie törichte Boykottaufrufe gegen die USA, die ohnehin fast immer die Falschen treffen.
Und was passiert in Deutschland? Hier hat eine Partei bei der Bundestagswahl in vielen Regionen Mehrheiten errungen, die für rechten Extremismus, Demokratiefeindlichkeit und wirtschaftspolitische Ignoranz steht.
USA und Europa: Es steht einiges auf dem Spiel
Das Verhältnis zwischen den USA und Europa hat sich irreversibel verändert – ein Prozess, der schon vor der ersten Amtszeit von Donald Trump einsetzte, durch den großen Zerstörer im Weißen Haus jedoch gefährliche Dimensionen annimmt. Es mag naiv klingen, aber das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges sollte in den USA und Deutschland als Gelegenheit gesehen werden, sich vor Augen zu führen, was auf dem Spiel steht, wenn Verbindungen gekappt werden und Freundschaften sich in Feindschaften verwandeln.
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