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Augsburg
22.08.2019

Wo die Nahversorgung noch Lücken hat

Regina Baños kommt mit ihrer Jeanny regelmäßig zum „Knolli“ in Hochzoll und ist froh, dass das Geschäft während des Umbaus nebenan geöffnet bleibt.
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Regina Baños kommt mit ihrer Jeanny regelmäßig zum „Knolli“ in Hochzoll und ist froh, dass das Geschäft während des Umbaus nebenan geöffnet bleibt.
Foto: Michael Hochgemuth

In Hochzoll ist die Situation für die Kunden katastrophal. In Oberhausen wollen die Bürger wissen, was mit dem Leerstand in der Donauwörther Straße passiert und Was sich in der Jakobervorstadt tut.

Das Thema Nahversorgung ist für Regina Baños in Hochzoll mit „Notstand“ treffend umschrieben. Dass der Rewe in der Hochzoller Mitte zum Jahresende eröffnen kann, will sie angesichts des Baufortschritts „nicht recht glauben“. Und seit heute ist auch Norma an der Ecke Friedberger und Hochzoller Straße wegen Umbaus im Bestand geschlossen.

Der für die Region verantwortliche Norma-Expansionsleiter Holger Schwind kündigt die Wiedereröffnung für Montag, 9. September, an. Bis dahin sollen moderne Regalsysteme und zeitgemäße Kühltheken in der Filiale eingerichtet sein. Außerdem soll ein 170 Quadratmeter umfassender Anbau fertiggestellt sein, der künftig als Lagerfläche genutzt wird. Die bisherige Lagerfläche werde der Verkaufsfläche zugeschlagen, erklärt der Expansionsleiter. Laut Schwind erhalte außerdem die Außenfassade einen komplett neuen Anstrich, und zur Friedberger Straße hin werden noch kleinere Schaufenster eingebaut. Die bestehenden Glasbausteine werden ebenfalls durch Fenster ersetzt.

„Aber der Bäcker bleibt ja offen“, sagt ein Mann im Vorbeigehen, was Regina Baños mit „zum Glück“ quittiert. Auch Josef Weber kann zumindest dieser Aussicht etwas abgewinnen und geht in den Eckladen, um seinen Einkauf zu erledigen. Auch wenn die Stadt nach dem Unmut über die Tarifreform mit einem Kurzstreckenticket auf die besondere Lage der Hochzoller für die Dauer des Versorgungsengpasses reagiert hat, so wünschen sich die Bürger mehr Unterstützung der Stadt. Regina Baños sagt, Tram und Bus kosten schließlich auch Geld. Und das sei gerade für Leute mit kleiner Rente ein Nachteil. Auch auf dem Zwölf-Apostel-Platz deutet nichts auf den versprochenen Rewe-Supermarkt hin. Hinter den Fensterfronten herrscht gähnende Leere.

Die Leute hier sind "angepisst"

„Wir sind richtig sauer auf die Stadt“, sagt eine Ladeninhaberin, „und auf die Immobilieneigner“, fügt sie noch hinzu, weil sie ihrer Meinung nach Einfluss nehmen und die Sache beschleunigen könnten. Sie hätte den Lotto-Laden sicher nicht übernommen, sagt sie, hätte sie gewusst, dass sich nichts tut. Deutlicher wird ihre Angestellte: „Die Leute hier sind richtig angepisst.“ Es gebe in ganz Hochzoll nur einen einzigen Supermarkt und der sei seit heute geschlossen. Gerade für Rentner und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sei ein Leben in Hochzoll unter den beschriebenen Umständen eine Zumutung geworden, sagen viele.

Auch in der Jakobervorstadt müssen die Menschen Einschnitte hinnehmen. Mehrere Fachgeschäfte haben in den vergangenen Jahren den Stadtteil verlassen. Die Stadtsparkasse hat ihre Geschäftsstelle aufgegeben und bietet ihren Kunden jetzt eine SB-Station. Aktuell laufen Bauarbeiten in ihren ehemaligen Räumen. Der Discounter Norma will seine direkt angrenzende Filiale von 550 auf 780 Quadratmeter vergrößern. Laut Expansionsleiter Schwind gehe damit keine Sortimentserweiterung einher. „Wir bieten künftig bestimmten Warengruppen wie Gemüse, Obst, Tiefkühlkost und Backwaren mehr Platz.“ Norma habe sich für die Erweiterung entschieden, weil die innenstadtnahe Filiale gut angenommen werde. Eröffnet werden soll voraussichtlich noch im Herbst.

Fokussiert auf die Neuvermietung

Bewohner Oberhausens fragen sich derzeit, wann der Leerstand im Nahversorgungszentrum (NVZ) an der Donauwörther Straße wieder vermietet wird. Seitdem dort das Unternehmen Edeka Anfang des Jahres seinen Supermarkt geschlossen hat, sind die Räume verwaist. Verwaltet wird das NVZ von der ILG Assessment GmbH in München. „Wir sind in engen Abstimmungsgesprächen mit potenziellen Mietern und fokussieren uns voll und ganz auf eine Neuvermietung der Fläche“, sagt Geschäftsführer Gernot Falk. Ideal wäre wieder ein Lebensmittelhändler. Derzeit stehe man diesbezüglich mit zwei Interessenten, aber auch mit Geschäftsleuten aus dem Non-Food-Bereich in Kontakt. Falk geht davon aus, dass die Ladenfläche zum Jahresende wieder vermietet sei.

Noch etwas gedulden müssen sich die Bewohner Kriegshabers, bis sie an der Ulmer Straße einkaufen können. Zu dem Megaprojekt Reesepark I der Wohnbaugruppe Augsburg zählen neben 141 Wohnungen ein Supermarkt der Handelskette Rewe, eine Rossmann-Drogerie und ein Ihle-Café. Die Fertigstellung ist für Herbst 2021 vorgesehen.

Auch an der Kreuzung Ulmer-/Neusässer-/Kriegshaber Straße könnten in absehbarer Zeit weitere Einkaufsmöglichkeiten entstehen. Auf dem Areal rund um den denkmalgeschützten ehemaligen Marstaller Hof, wo vor Kurzem Philipps Restposten ausgezogen ist, ist der Bau eines weiteren Supermarkts im Gespräch. Die Stadt steht hier in Kontakt mit einem Investor.

Weit fortgeschritten ist der neue Supermarkt im Bärenkeller am Zaunkönigweg. Edeka will den Markt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche noch 2019 eröffnen.

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