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Sicherheit

23.01.2019

Das Mühlbachwehr ist teilweise abgerissen

Mit einem Bagger wurden die maroden Teile der einsturzgefährdeten Wehranlage an der Windach entfernt, die jetzt dort wieder ungehindert fließen kann. Bürgermeister Richard Michl (im Bild) war vom Beginn der Maßnahmen überrascht und beobachtete vor Ort den Abriss.
Bild: Julian Leitenstorfer

Vor Kurzem ist an der Windach eine tonnenschwere Betonplatte abgebrochen. Das Wasserwirtschaftsamt reagiert. Warum Bürgermeister Richard Michl trotzdem über die Behörde verärgert ist

Warum er die Tage ausgerechnet zum Wehr beim Mühlbach rausfahren wollte, weiß Bürgermeister Richard Michl gar nicht einmal so genau. Was er dort aber sah, das machte ihn zunächst fassungslos. Dort war ein Bagger dabei, Teile der alten und maroden Wehranlage, die in der Windach steht, zu entfernen. Das geschah im Auftrag des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim und ist der Beginn von Maßnahmen, um sichere Verkehrsverhältnisse dort wiederherzustellen.

„Das tut richtig weh“, meint der Windacher Bürgermeister angesichts des Anblickes, der sich ihm bot. Innerhalb nur weniger Stunden war die Querverbauung des Wehres weg, wie auch die bereits von einem Statiker für den Rückbau vorgesehenen und gekennzeichneten Wangenmauern, berichtet er noch vor Ort dem Landsberger Tagblatt. Noch mehr als der Schmerz überwog bei ihm allerdings der Ärger darüber, vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim nicht über den Maßnahmenbeginn informiert worden zu sein. Er glaubt in dem Moment: „Wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Dem widerspricht der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Roland Kriegsch, der am Montagnachmittag zusammen mit seinem Projektleiter Markus Brandtner, vor Ort war. „Die Arbeiten waren zum Schutz von Leib und Leben notwendig geworden“, erklärt der leitende Baudirektor. Die Bausubstanz der Anlage, die bereits vor vier Jahren gebrochen war, war im Laufe der Zeit immer maroder geworden. Dazu kamen nun die starken Schneefälle der vergangenen Wochen und die darauffolgende Schneeschmelze, vor allem zwischen dem 14. und 17. Januar. Die sorgte dafür, dass ein etwa 3,5 Tonnen schweres und acht Quadratmeter großes Stück einer Betonplatte abbrach. Roland Kriegsch legt auch im Gespräch mit dem LT immer wieder Wert darauf, dass es sich aufgrund der zuspitzenden Lage um eine Notmaßnahme handle und niemand vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei.

Wie Projektleiter Markus Brandtner versichert, sei dem Bürgermeister auch ein Schreiben mit Informationen zu den Notmaßnahmen zugeschickt worden, das Michl in diesen Tagen eigentlich erreicht haben sollte oder noch erreichen wird. Auch sah der Ablauf vor, dass am vergangenen Montag eigentlich erst das Arbeitsgerät hätte angeliefert werden sollen. Das jedoch habe dann eine „gewisse Dynamik entwickelt“, so Markus Brandtner. Zudem bestand ein gewisser Handlungsbedarf für die Maßnahme, da jetzt die Böden noch entsprechend gefroren seien, um an die Arbeitsstelle am Wehr heranfahren zu können. Roland Kriegsch: „Zudem ist derzeit eigentlich eine hochwasserarme Zeit.“ Außerdem müssten aus naturfachlicher Sicht entsprechende Arbeiten bis Ende Februar beendet sein, denn dann beginne die Vogelbrutzeit. Es sei bei alledem jedoch immer klar gewesen, dass der Bürgermeister über alle Schritte informiert werde.

Richard Michl räumt ein, dass er in der jüngsten Vergangenheit mit der Behörde gesprochen habe, aber mit dem seiner Meinung nach voreiligen Vorgehen des Wasserwirtschaftsamtes kann er nicht konform gehen. „Warum hat man nicht das Planfeststellungsverfahren abgewartet, wo alle beteiligten Seiten, Ämter, Behörden und Organisationen gehört werden müssen?“

Roland Kriegsch verweist auch diesbezüglich darauf, dass es sich derzeit um einen aufgrund der Situation notwendigen Teilrückbau handle: „Zum Schutz von Leib und Leben kommen wir damit bestehenden Rechtspflichten nach.“ Ein vereidigter Sachverständiger für Standsicherheit habe den Umfang des Teilrückbaus vorab festgelegt. So würden auch „nur die Bauteile des Wehres entfernt, von denen eine Gefährdung ausgeht“. Dazu werden die Ufer naturnah gesichert. Was das bedeutet, erläutert Markus Brandtner: „Wir werden mit Faschinen eine naturnahe Uferbefestigung anlegen.“ Faschinen sind walzenförmige, aus Weidenruten bestehende Befestigungsstreifen, die mit Pflöcken befestigt werden.

Diese Maßnahmen und der Not-Rückbau, der immer mit externer Unterstützung durchgeführt werde, seien in keiner Weise ein Vorgriff auf das notwendige Planfeststellungsverfahren zur künftigen Gewässergestaltung. Im Rahmen dieses Rechtsverfahrens, so erklärt Roland Kriegsch weiter, würden die erforderlichen Unterlagen ab März „unter kontinuierlicher Beteiligung der Gemeinde“ erstellt.

Richard Michl ist dennoch „megatraurig“ über das Vorgefallene, sieht jedoch keine Möglichkeit, noch einzuwirken. Er will auf alle Fälle den Gemeinderat in einer Sitzung über den Status quo informieren. Außerdem habe er Anfang Februar ein Gespräch mit der Fachberatung für Fischerei in Oberbayern. Er ist nämlich überzeugt, dass die Windach in keinem ökologisch so schlechten Zustand ist, wie von den Behörden angenommen. Deren Einschätzung sei ihm zu wenig konkret. Er möchte, dass die Gemeinde gut vorbereitet ins Planfeststellungsverfahren geht.

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