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Bad Wörishofen

13.11.2019

70 Jahre Stadt: Vom Bauerndorf zum Kurort von Weltruf

Mit einem Fackelzug zum Denkmalplatz feierten die Bad Wörishofer Musikkapellen, begleitet von Fackelträgern der örtlichen Feuerwehr, das 70. Jubiläum der Stadterhebung.
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Mit einem Fackelzug zum Denkmalplatz feierten die Bad Wörishofer Musikkapellen, begleitet von Fackelträgern der örtlichen Feuerwehr, das 70. Jubiläum der Stadterhebung.
Foto: Franz Issing

Plus Vor 70 Jahren wurde Bad Wörishofen zur Stadt erhoben. Dass dabei auch der Wasserdoktor Sebastian Kneipp nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst.

„Der Naturheilkunde von Pfarrer Kneipp vertrauen und sie überzeugend vertreten“, wünschte sich Rathauschef Paul Gruschka von den Bürgern beim Festakt zur Stadterhebung Wörishofens vor 70 Jahren. „Wir dürfen nicht verzweifeln, sondern sollten und darauf besinnen, was uns stark gemacht hat“ beschwor er sie.

Zahlreiche Gratulanten beim Festakt zum 70-jährigen Stadtjubiläum von Bad Wörishofen

Die Gartenstadt ist für den Bürgermeister ein überzeugender Beweis für die Integartionskraft Wörishofens, für deren wirtschaftlichen Aufschwung nicht zuletzt Menschen gesorgt hätten, die wie er betonte, nichts hatten außer Fleiß, Können und dem starken Willen, etwas zu erreichen. Lohn dieser Integration seien zahlreiche Firmengründungen in der Siedlung, für die sich Gruschka wünschte, „dass sie noch näher mit der Kernstadt zusammenwächst“.

Alles, was in Wörishofen und Umgebung im öffentlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Leben Rang und Namen hat – Stadträte, Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienste, Schulen und die Bürgermeister benachbarter Orte eingeschlossen – drängte ins Kurtheater, um der größten Stadt des Landkreises zum 70. Geburtstag zu gratulieren. Auch viele Bürger waren gekommen, um die Verbundenheit mit ihrer Stadt auszudrücken.

Sie erlebten eine im wahrsten Sinne des Wortes „erhebende Feier“ mit vielen musikalischen Glanzlichtern. Dies gilt auch für die von lang anhaltendem Beifall begleitete Festrede des Kreisheimatpflegers Christian Schedler, der quasi in einem Crash-Kurs die wichtigsten Kapitel der Stadtgeschichte aufschlug und wie einst schon Kneipps Vertrauter Alfred Baumgarten versicherte: „Es wird auch weiterhin der glückliche Stern Kneipps nicht von Bad Wörishofen weichen“.

Viele Fotos vom Festakt zum 70-jährigen Stadtjubiläum

70 Jahre Stadt: Vom Bauerndorf zum Kurort von Weltruf
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Bad Wörishofen feiert 70 Jahre Stadterhebung
Foto: Franz Issing

Im Verlauf seines Vortrages folgte Schedler den „Spuren vom Werden“ des Weltheilbades und des bodenständigen Wirkens seines heilkundigen Seelsorgers Sebastian Kneipp, dessen Wasserkur, die Stadt in ganz Europa bekannt machte und Gäste – auch Adelige – in großer Zahl anlockte. „Steigende Übernachtungszahlen“, so Schedler, lösten eine „immense Bautätigkeit aus und aus dem Bauerndorf Wörishofen wurde ein Kurort von Weltruf“. Der Mindelheimer Kunsthistoriker ging auch auf den großen, gesellschaftlichen, baulichen und sozialen Wandel des ehemaligen Klosterdorfes Wörishofen ein und beschrieb seine 800 Jahre alte Erfolgsgeschichte.

Für Wörishofens starken Aufbruchswillen, so Schedler, spreche vor allem das Bemühen zur Stadterhebung nach dem Zweiten Weltkrieg. Nicht zu vergessen auch der gewaltige Entwicklungsschub, den Kneipp frei gesetzt habe und der alles bisher dagewesen über den Haufen geworfen habe. Es gebe nur wenige Städte, erwähnte der Kulturamtsleiter, deren exorbitante und schlagartige Entwicklung einem einzigen Menschen zu verdanken sei. Der Mut des unverbiegbaren, naturheilkundigen Priesters Sebastian Kneipp, seine zutiefst christliche Überzeugung, wie auch seine Mission, etwas Gutes für die Menschen zu tun und in allem Besserung zu suchen, so Schedler, habe Wörishofen, das Heilbad und schließlich auch die Stadt nach vorne katapultiert.

In Zeiten der Instabilität und überkommener Werte, in den Lügen und Menschenverachtung hoffähig geworden sind, würde den Menschen der Mut eines Pfarrer Kneipp gut tun.

Den Hütern seines Erbes und einer Stadt im Wohlstand empfahl Schedler als Richtschnur: „Festhalten, aufbauen und hoffen“. Ähnlich äußerte sich in seiner Glückwunschadresse auch Landrat Hans-Joachim Weirather.

Der Landkreischef bescheingte Bad Wörishofen eine stürmische Fortentwicklung und nannte die inzwischen „größere Schwester Mindelheims“ einen Wohnort mit hoher Lebensqualität, einen attraktiven Wirtschaftsstandort sowie eine Hochburg für Bildung und Kultur.

Beim Stadtjubiläum wurden engagierte Bürger von Bad Wörishofen ausgezeichnet

Kein Stadtjubiläum ohne Ehrung engagierter Bürger. Darüber durfte sich besonders August Filser freuen. Bezirkstagspräsident Martin Sailer verlieh dem ehemaligen Bankdirektor in Würdigung seiner großen Verdienste um das Gemeinwohl in Bad Wörishofen und im Bezirk Schwaben die Sieben-Schwaben-Medaille. Mit dieser Auszeichnung wurde auch Filsers ehrenamtliches Engagement im sozialen, kulturellen und kommunalen Bereich belohnt. August Filser, so der Bezirkstagspräsident, sei ein vorbildlicher Bürger und zähle zu den Menschen, die mit Seele, Herz ,Verstand und viel Wissen sich für ihre Stadt einsetzen und sie bereichern.

Was wäre ein Festakt ohne Musik. Diesen Part übernahm gleich zum Entree das Blechbläser-Ensemble von Sanni Risch. Die Komponistin führte die Gäste singend mit dem Kurbähnle nach Hartental. Dann sorgten Pia Amberger und Celina Pfaudler, zwei Violonistinnen der Irmgard-Seefried-Sing und Musikschule, von Marta Zsiros am Keybord begleitet, mit einem Herbstmedley von Antonio Vivaldi und dem Werk „Roter Himmel, blaue Wolgen“ aus der Feder von Christoph Pampuch für festliche Akzente. Glänzend schließlich auch der Auftritt der 14-jährigen Wörishofer Geigerin Emilia Hofmann, die schon beim Festival der Nationen von sich reden machte. Die junge Künstlerin spielte – am Klavier begleitet von Ayumi Janke – den ersten Satz aus Mozarts D-Dur-Konzert und setzte zudem mit der Prälude Nr 24 aus Opus 34 von Schostakowitsch festliche Akzente.

Zum Ausklang der Feierstunde ließen die Wörishofer Musikkapellen Pfarrer Kneipp mit klingendem Spiel am Denkmalplatz hochleben. Begleitet wurden die Musikanten bei ihrem Marsch vom Kurhaus zu des Wasserdoktors Füßen von Fackelträgern der Feuerwehr.

Dirigiert von Sanni Risch feierten die Musikanten 70 Jahre Stadterhebung mit ins Ohr gehenden Melodien, wie dem Bozener Bergsteigermarsch. Die Zuhörer spendeten ihnen begeisterten Beifall – und Kneipp blickte von seinem Sockel auf das Geschen herab.

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