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Mindelheim

14.11.2020

80-jähriger Xaver Grimm blickt zurück: „Landwirt war für uns der Traumjob“

Xaver Grimm hatte zwar nie einen eigenen Hof, ist der Landwirtschaft aber bis heute sehr verbunden.
Bild: Sandra Baumberger

Plus Fast 35 Jahre lang war Xaver Grimm Geschäftsführer des Maschinenrings in Mindelheim. Was heute in der Landwirtschaft abgeht, gefällt ihm nicht.

Wer zwischen 1971 und 2005 mit Landwirtschaft zu tun hatte, kam an Xaver Grimm kaum vorbei. Immerhin war er der – übrigens erste – Geschäftsführer des Maschinenrings in Mindelheim und damit in weiten Teilen des Unterallgäus so bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Vor Kurzem feierte der Stettener nun seinen 80. Geburtstag und warf dabei auch einen Blick zurück auf ein Leben, das – obwohl er nie einen eigenen Hof hatte – untrennbar mit der Landwirtschaft verbunden ist.

Zusammen mit sechs Brüdern ist er auf dem elterlichen Hof in Lachen quasi in die Landwirtschaft hineingewachsen und hat sie dort und später bei der Fremdlehre in Niederbayern von der Pike auf gelernt. „Landwirt, das war für uns der Traumjob“, sagt er. „Jeder von uns sieben Buben wäre bereit gewesen, den elterlichen Hof zu übernehmen.“ Die Begeisterung führt er nicht zuletzt darauf zurück, dass es trotz aller Arbeit – der Vater war gestorben als der jüngste der Buben gerade eineinhalb und der älteste 14 Jahre alt war – auch damals schon Freizeit gab. „Wir sind als Jugendliche schon im Urlaub gewesen“, erinnert er sich. Einmal ging es mit dem Fahrrad eine Woche in den Schwarzwald, ein anderes Mal bereits mit dem Auto an den Gardasee.

Der Maschinenring-Geschäftsführer organisierte Bus- und Flugreisen für seine Mitglieder

Und auch später als Geschäftsführer des Maschinenrings hat Xaver Grimm dafür gesorgt, dass die Unterallgäuer auch etwas anderes gesehen haben als den eigenen Hof: Er organisierte Bus- und Flugreisen, unter anderem nach Spanien, Marokko und Griechenland, die Einblicke in die landwirtschaftliche Arbeit dort boten, aber eben auch eine Auszeit. Noch heute werde er auf diese Fahrten angesprochen, erzählt Xaver Grimm. „Wo wären wir denn hingekommen, wenn du uns nicht mitgenommen hättest?“, sagen die damaligen Teilnehmer. Mit 24 Jahren hatte es Xaver Grimm bereits zum Verwalter von Gut Boschach bei Ottobeuren gebracht. Nach der Meisterprüfung wechselte er zum Klostergut Lohhof und fragte sich, ob er wirklich sein ganzes Leben auf einem Betrieb verbringen will. Die Antwort lautete zwar Nein, den Abschied von der Landwirtschaft bedeutete das aber keineswegs: Immerhin war es die BayWa, bei der er seine kaufmännische Ausbildung absolvierte und in den Geschäftsstellen von Kempten bis Nördlingen herumkam. „Im Nachhinein war das eine tolle Zeit“, sagt er heute.

Als er dann jedoch hörte, dass für den neuen Maschinenring in Mindelheim noch ein Geschäftsführer gesucht wurde, fackelte er nicht lange: „Ich hab’ mir gedacht, das versuch’ ich mal“, sagt Xaver Grimm mit einem spitzbübischen Grinsen. Und bekanntermaßen glückte der Versuch. Vielleicht auch, weil für ihn das Maschinenring-Prinzip, den Betrieben Technisierung zu ermöglichen, ohne all die teuren Maschinen selbst kaufen zu müssen, bereits vom elterlichen Hof kannte: Schon Ende der 50er Jahre gab es dort einen Mähdrescher, mit dem die Grimms auch für andere Bauern droschen, weitere Maschinen wurden gemeinsam gekauft und genutzt. Überhaupt war die Familie schon früh offen für neue Technik: Es gab einen Mistbreiter und ebenfalls schon in den 50er Jahren einen Traktor mit Frontlader. „Ich hab’ nie ein Fuder Mist von Hand aufladen müssen“, sagt Xaver Grimm mit einem gewissen Stolz.

Was heute in der Landwirtschaft abgeht, gefällt dem 80-Jährigen nicht

Früh erfahren zu haben, dass Landwirtschaft nicht nur mit harter Arbeit und keinerlei Freizeit verbunden ist, habe bestimmt dazu beigetragen, dass er und seine Brüder ihr so positiv gegenüberstanden. Auch seine Mutter habe das ihre dazugetan: „Wenn sie uns immer vorgejammert hätte, wie nix es ist, ja dann hätte von uns bestimmt keiner Landwirt gelernt“, ist er überzeugt. Heute allerdings schaut er traurig auf die Landwirtschaft. „Mir gefällt nicht, was da abgeht“, sagt er. In Stetten gebe es nur noch zwei Milchviehbetriebe, in Erisried auch nicht mehr. „Das ist keine gute Entwicklung. Die Dörfer ändern sich brutal.“

Zwar nötigen ihm große Betriebe mit Hunderten von Kühen durchaus Respekt ab, trotzdem stelle sich die Frage: „Brauchen wir das? Ich meine, Familienbetriebe wären das allerbeste.“ Er ist überzeugt, dass sie auch heute noch ihr Auskommen haben können – auch wenn die Zeiten damals in den 70er- und 80er-Jahren noch deutlich besser waren als heute. „Aber das ist auch eine Einstellungssache“, glaubt er.

Immer mehr Aufgaben beim Mindelheimer Maschinenring kamen hinzu

In den Anfangsjahren des Maschinenrings war er nicht nur dafür zuständig, Maschinen zu vermitteln, sondern vor allem auch dafür, die Höfe für neue Arbeitsabläufe fit zu machen. Später kamen neue Aufgaben hinzu und er muss noch heute lachen, wenn er an die erste Baumbeschneidung am Mindelheimer Bahnhof zurückdenkt. Vorab hatte er sich noch schnell informiert, wie das gemacht wird, und musste deshalb sehr an sich halten, als ein Bahnmitarbeiter lobte: „Da sieht man gleich, dass da Profis am Werk sind.“

In seiner Freizeit war der Vater dreier Kinder 24 Jahre im Gemeinderat und bei der Dorferneuerung aktiv und engagierte sich als Seniorenbeauftragter. Mit seiner Frau radelt und wandert er gerne, sie gehen schwimmen und – wenn Corona das nicht gerade verhindert – tanzen. Und auch die Landwirtschaft ist immer noch ein Thema, allein schon, weil eine seiner beiden Töchter in einen Betrieb eingeheiratet hat.

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