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Breitenbrunn

31.01.2019

Alleine sind Bienen nichts

So sieht es im Winter im Innern eines Bienenstocks aus. Normalerweise bekommt man das nicht zu Gesicht, da die Behausung der Bienen nicht geöffnet wird. Für das Foto hat Imker Bernhard Müller kurz eine Ausnahme gemacht.
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So sieht es im Winter im Innern eines Bienenstocks aus. Normalerweise bekommt man das nicht zu Gesicht, da die Behausung der Bienen nicht geöffnet wird. Für das Foto hat Imker Bernhard Müller kurz eine Ausnahme gemacht.

Nur gemeinsam schaffen sie es: Ein Imker aus Breitenbrunn erklärt, wie Bienen durch den Winter kommen.

„Rettet die Bienen!“ – unter diesem Slogan wird seit mehreren Wochen auf ein Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt in Bayern hingewiesen. (Lesen Sie dazu: So schlimm ist das Insektensterben in unserer Region )
In einer Jahreszeit, in der man normalerweise keine Bienen zu Gesicht bekommt. Doch woran liegt das? Was machen Bienen im Winter überhaupt? Wie halten sie sich warm und wo halten sie sich auf?

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Auf einer blühenden Wiese, wie man es vom Sommer kennt, logischerweise nicht. Honigbienen verbringen den Winter in der Behausung, die ihnen der Imker bereitstellt. „Das nennt man Beute“, erklärt Bernhard Müller aus Breitenbrunn. Der Vorsitzende des Imkervereins Loppenhausen betreut selbst 16 Bienenvölker. In der Beute sammeln sich die Bienen im Winter – genauer gesagt, sobald es acht Grad oder kälter ist: „Bis zehn Grad fliegen die Bienen noch.“

Der Breitenbrunner Imker erklärt das Verhalten der Bienen

Wird es kälter, fliegen sie in den Bienenstock und bilden die sogenannte Wintertraube: „Das heißt, sie formen eine Kugel, weil so die niedrigste Wärmeabstrahlung entsteht.“ Der Breitenbrunner Imker beschreibt, wie sich die Bienen in der Wintertraube warm halten: „Sie zittern und schlagen mit den Flügeln, dabei rotieren sie: Die, die außen sind, kühlen natürlich am schnellsten ab, also kommen dann die nächsten und nehmen ihren Platz ein.“

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Circa 20000 Bienen bilden im Winter ein Volk – im Sommer sind es 40000 bis 50000. Die geringere Zahl der Individuen ist Teil des „Winterprogramms“ der Bienen: „Die Drohnen werden abgestoßen, da wird keiner durch den Winter gefüttert“, erklärt Bernhard Müller den Rückgang der Bienen im Winter.

Die Bienen bekommen im Winter Zuckerwasser

Die Tiere bereiten sich also selbst auf die kalte Jahreszeit vor – aber auch der Imker tut seinen Teil. Ab September werden die Bienen eingefüttert. „Der Mensch nimmt den Bienen ja den Honig weg, also muss man ihnen Ersatz geben.“ Bernhard Müller gibt seinen Völkern – wie viele andere Imker auch – Zuckerwasser. Das verarbeiten die Bienen dann zu einer honigähnlichen Substanz: „Das bedeutet auch, dass man nicht nachfüttern kann, weil die Verarbeitung dauert.“ Würde man mitten im Winter Zuckerwasser geben, könnten die Bienen damit nichts anfangen.

Deswegen hat man als Imker laut Bernhard Müller ab September auch nicht mehr viel zu tun: „Man kann natürlich kontrollieren, ob durch Sturm oder Wildschweine etwas am Bienenstock kaputtgegangen ist.“ Letztlich sind die Insekten aber auf sich gestellt und müssen bis März alleine überleben – und das schaffen sie meist: „Im Sommer leben Bienen rund sechs Wochen, im Winter ein gutes halbes Jahr.“

Breitenbrunner Imker: "Bienen überleben nur gemeinsam"

Zumindest leben die meisten Winterbienen so lange – auch bei der Frühjahrskontrolle ist die erste Aufgabe: „Schauen, ob das Volk überlebt hat.“ Dabei steht – wie meistens bei den Bienen – das Wohl der Königin im Fokus: „Wenn die Königin nicht überlebt hat, muss man das Volk entweder abtöten oder mit einem anderen vereinigen“, erklärt Bernhard Müller und ergänzt: „Die Biene ist ein soziales Wesen – das einzelne Wesen ist eigentlich nichts. Nur das ganze Volk ist überlebensfähig – und das gilt besonders im Winter.“

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