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Wohnen

26.01.2020

Angenehmer älter werden in Bad Wörishofen

Zwar nichts für die kalte Jahreszeit, aber sobald es wieder wärmer wird, profitiert Bad Wörishofen auch wieder von seiner großen Zahl an Kneippanlagen bei den Senioren, die sich einen möglichst schönen Ort für den Lebensabend aussuchen. Der Zuzug älterer Menschen in die Kneippstadt hält an.
Foto: Kurbetrieb

Plus Der Senioren-Zuzug nach Bad Wörishofen bringt Vorteile, aber auch Herausforderungen. Den Luxus im Alter lassen sich Wohlhabende gerne etwas kosten.

Häufig verlegen Senioren ihren Altersruhesitz an Ferienorte. Besonders beliebt: das Allgäu und der Bodensee. Schwimmbad, Sauna, Kosmetikstudio – all-inclusive. Das sollte es dann schon sein. Doch der Zuzug betuchter Senioren birgt auch Herausforderungen für Städte wie Bad Wörishofen, wie eine Untersuchung der Hochschule in Kempten nun zeigt.

Immer häufiger zieht es Menschen im Alter an Sehnsuchtsorte, wie Wissenschaftler der Hochschule Kempten herausgefunden haben. Neben landschaftlichen Reizen sind es meist Orte, die Ruhe, Erholung und eine gute Gesundheitsversorgung versprechen. Das Phänomen lasse sich vor allem an einigen touristischen Hotspots beobachten. „So sind gerade Kurorte oder bestimmte Ferienregionen zunehmend von einem Zuzug älterer Bürger betroffen“, schreibt Markus Jüster von der Hochschule in einem Artikel über Altersmigration und Gesundheitstourismus.

Oft habe man die Orte schon als Tourist oder Kurgast kennengelernt und wolle im Alter dauerhaft dorthin ziehen. Bad Wörishofen ist so eine Stadt. Kein Wunder also, dass etwa die Johanniter ihr größtes Projekt zum Thema Wohnen im Alter bayernweit gerade in der Kneippstadt umgesetzt haben. „Viele, die in Bad Wörishofen schon einmal Urlaub gemacht haben, mieten sich jetzt hier ein“, berichtet Iris Nowak, die Sprecherin der Johanniter im Allgäu. Wohnungen kaufen kann man dort nicht, nur Mietverhältnisse sind möglich. Aber auch die sind zugkräftig. Lediglich Ein-Zimmer-Appartements seien noch zu haben, der Rest der beiden mächtigen Gebäude schon vergeben. „Es sind sehr rüstige Leute, die vorausschauend umziehen“, berichtet Nowak – und die oft bereit sind, tief in die Tasche zu greifen, wie andere Beispiele zeigen. „Das eigentliche Bonbon ist unsere Wohnung“, sagt Helga Freifrau von Soden. Auf 130 Quadratmetern wohnen sie und ihr Mann Heiko im Herzen von Konstanz am Bodensee in der Seniorenresidenz Tertianum – mit allen Annehmlichkeiten einer gehobenen Unterkunft: inklusive Reinigung, Pflegefachkräften vor Ort, einem Concierge am Empfang und auf Wunsch auch Ärzten, Friseuren und Fußpflegern. Essen können die Bewohner im eigenen Restaurant oder in dem von Sternekoch Tim Raue.

Anderer Ort, anderes Beispiel: die Seniorenresidenz Augustinum in Meersburg. Die Bewohner schauen beim Essen im Restaurant direkt über den Bodensee. Daneben gibt es ein Schwimmbad, eine Sauna, ein Friseur- und Kosmetikstudio und einen hauseigenen Theatersaal. Der Haken: Wer im Augustinum leben will, muss einen dicken Geldbeutel haben. „Wenn man im Premium-Segment wohnen möchte, dann sind damit natürlich auch gewisse Kosten verbunden“, sagt der Direktor Richard Rheindorf. Die Preise für Wohnen, Essen und Betreuung fingen bei rund 2000 Euro an und hörten bei etwa 10.000 Euro auf - in der Penthouse-Wohnung mit Rundum-Sorglos-Paket.

Bis zu 10.000 Euro im Monat für eine Penthouse-Wohnung, auch das ist möglich

Mit solchen Summen könne man in Bad Wörishofen zwar nicht aufwarten, sagt Iris Nowak. Gleichwohl böte man aber auch hier einen Rundum-Service an, wenn gewünscht. Der Concierge-Dienst etwa steht zur Verfügung, Reinigungsdienste, weitere Annehmlichkeiten können je nach Geldbeutelgröße zugebucht werden. Die Tagespflege ist gleich im Haus. Die teuersten Wohnungen der Johanniter liegen derzeit bei rund 2800 Euro pro Monat inklusive Servicepauschale. „Das Ziel der Bewohner ist es, möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können“, sagt Iris Nowak. Mit seinem „unheimlichen Repertoire an Veranstaltungen“ und der medizinischen Infrastruktur biete Bad Wörishofen gute Voraussetzungen.

Wenn Ortsfremde eine Gemeinde als letzten Lebensabschnitt wählen und ihren Alterswohnsitz dorthin verlagern, kann das Auswirkungen auf die Region haben. Paradebeispiel dafür sei eben Bad Wörishofen, heißt es. Der Kurort liegt etwa eine Autostunde von der bayerischen Landeshauptstadt entfernt und werde oft als „Altenheim Münchens“ bezeichnet, schrieb kürzlich die Deutsche Presseagentur.

In Bad Wörishofen kommen auf 100 Arbeitnehmer rund 70 Rentner

In der Kneippstadt kommen auf 100 Arbeitnehmer rund 70 Rentner, wie ein interregionales Forschungs- und Entwicklungsprojekt der Hochschule Kempten und der Fachhochschule Vorarlberg ergab. Fast jeder Dritte der mittlerweile über 17.000 Einwohner sei älter als 66 Jahre. Es handle sich aber nicht nur um wohlhabende Senioren, sagt Jüster – sondern auch um Menschen, die sich Mieten und Lebenshaltungskosten in Metropolen wie München nicht leisten können.

Der Senioren-Zuzug bringt sowohl Vorteile als auch Herausforderungen. In Bad Wörishofen sind die Lebensqualität und Zufriedenheit laut Jüster beispielsweise „exorbitant hoch“.

Die Infrastruktur sei sehr gut ausgebaut, vor allem in Bezug auf Ärzte und Einzelhandel. Gute Berufsperspektiven gebe es für Friseure und Physiotherapeuten. Zugleich konkurrierten bei der Immobiliensuche betuchte Senioren von auswärts mit einheimischen Familien.

Von Altersmigration betroffene Regionen stünden daher vor der Aufgabe, ein Gleichgewicht der Generationen und bezahlbaren Wohnraum zu gewährleisten, rät Wissenschaftler Jüster. (m.he, dpa)

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