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Bad Wörishofen
02.11.2020

Nächste Corona-Zwangspause: Therme Bad Wörishofen erwartet Millionenverluste

Die Therme Bad Wörishofen im Herbst. Normalerweise ist gerade im November richtig viel Betrieb in dem Großbad. Doch die neuerliche Zwangspause führt stattdessen zur vierwöchigen Schließung.
Foto: Therme

Die Therme in Bad Wörishofen muss erneut schließen. Wie es nun weitergeht, sagt Inhaber Jörg Wund. Auch andere Betriebe aus dem Gesundheits- und Freizeitsektor leiden.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr muss die Therme Bad Wörishofen in der Corona-Krise schließen. Das Großbad "fing gerade an, sich zu erholen, und jetzt bricht unser Geschäft ein zweites Mal auf Null runter", sagt Inhaber Jörg Wund. Er rechnet mit einem Millionen-Defizit und nennt Zahlen.

Die Entscheidung der Bundesregierung zum Lockdown in etwas schwächerer Form als im Frühjahr sei vorhersehbar gewesen, sagt Wund. "Dennoch trifft uns die Gewissheit hart, ab Montag wieder schließen zu müssen." Die Enttäuschung sei groß, auch bei den Mitarbeitern.

Bislang sind der Bad Wörishofer Therme keine Corona-Infektion aufgrund eines Thermenbesuchs bekannt

Wund sagt, man habe in den vergangenen Monaten das Sicherheits-Konzept stetig weiterentwickelt, immer in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. Das System greife, ist Wund überzeugt. "Bisher sind uns keine Infektionen aufgrund eines Besuches unserer Therme bekannt", sagt der Unternehmer. Nun sei man gezwungen, die laufenden Kosten auf ein Minimum zu reduzieren und müsse die Mitarbeiter ein zweites Mal in die Kurzarbeit schicken. "Die Anstrengung, auch nach der zweiten Schließung positiv in die Zukunft zu schauen, ist groß", sagt Wund. Seit der Wiedereröffnung Ende Juni hätten rund 150.000 Gäste die Therme Bad Wörishofen besucht. Das sei ein Rückgang um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das sei "zu wenig für eine positive Bilanz", sagt Wund. Nun rechnet er mit noch stärkeren finanziellen Auswirkungen. "Durch die erneute Schließung erhöht sich das Defizit aus dem Frühjahr von über 4 Millionen Euro voraussichtlich um fast zwei weitere Millionen", befürchtet Wund. Das liege auch daran, dass der November einer der besucherstärksten Monate in der Therme Bad Wörishofen sei.

 

Wund sagt aber auch: "Als Ingenieur weiß ich aber auch, wie gefährlich exponentielles Wachstum ist und habe Verständnis für die Maßnahmen, die dem Wirtschaften, wie auch den Gästewünschen so sehr entgegenstehen." Gerade in der kalten Jahreszeit sei ja die Sehnsucht nach Entspannung im Warmen besonders groß. Wund erinnert auch daran, dass die Angebote der Therme das Immunsystem stärken können und deshalb jetzt gerade wichtig wären. Bis zum 30. November muss das Großbad nun geschlossen bleiben. Wund hofft, dass es dann wieder weitergehen kann.

Rund 740.000 Gäste kamen im vergangenen Jahr in die Therme Bad Wörishofen

Im vergangenen Jahr hatte die Therme Bad Wörishofen 740.000 Gäste. In der Zwangspause im Frühjahr ließ Wund das Bad renovieren, spricht von den umfangreichsten Revisions- und Erneuerungsarbeiten seit Eröffnung der Therme. Teilweise zog Wund Arbeiten vor, die erst in den nächsten ein bis zwei Jahren fällig gewesen wären.

Auch andere Branchen aus dem Gesundheits- und Freizeitsektor trifft es erneut hart. "Ungerecht" empfindet es Thomas Misch vom Fitnessstudio "Hello Fit" in Bad Wörishofen, dass er sein Studio am Montag dicht machen muss, aber etwa Friseure oder Fußpfleger ihre Dienstleistungen weiter anbieten dürfen. Dabei sei doch im Sportstudio der Mindestabstand gewährleistet und eine Ansteckungsgefahr sei praktisch ausgeschlossen, ist Misch überzeugt.

So ergeht es Fitnessstudiobetreibern im Lockdown

Er und sein Partner Olivier Mai betreiben seit Januar 2016 das "Hello Fit" über dem V-Markt. Den bevorstehenden Lockdown sieht Thomas Misch dennoch einigermaßen gelassen: Er hofft jedenfalls, dass es diesmal nicht wieder zu einer Kündigungswelle kommt, wie dies im März/April der Fall gewesen sei. Damals hätten fast 20 Prozent seiner Kunden ihre Verträge gekündigt. Seit der Entscheidung, dass ab Montag auch alle Fitnessstudios vorübergehend schließen müssen, stehen aber auch bei Misch die Telefone nicht mehr still: "Die Menschen sind sehr beunruhigt, manche sind wirklich panisch", weiß auch Studioleiterin Mandy Misch.

Mandy und Thomas Misch betreiben in Bad Wörishofen ein Fitnessstudio. Auch sie müssen jetzt bis Ende November schließen.
Foto: Therme

Gerade ältere Kundinnen und Kunden seien besorgt um ihre Gesundheit und fürchten sich sehr vor einer Corona-Infektion. Dafür hat Thomas Misch zwar Verständnis, in seinem Studio sorge aber ein strenges Hygienekonzept dafür, dass dieses Risiko so gering wie möglich bleibe. Und gerade Sport sei ja eine ideale Möglichkeit, um sein Immunsystem zu stärken.

Dass er jetzt vier Wochen seine sportlichen Kunden aussperren muss, sei traurig – aber eben auch unvermeidbar angesichts der explodierenden Infektionszahlen.

Wenn es dabei bleibt und wenn die zugesagten staatlichen Ausfallzahlungen wirklich fließen, dann werde sein Unternehmen auch den zweiten Lockdown wohl verkraften: "Wenn wir im Dezember wieder öffnen können, dann ist das noch nicht existenziell", sagt Thomas Misch.

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