Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für europäische Länder auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Bewegende Trauerfeier für Altlandrat Hermann Haisch

Mindelheim

23.11.2019

Bewegende Trauerfeier für Altlandrat Hermann Haisch

Über das Obere Tor führte der Weg zur letzten Ruhestätte.
3 Bilder
Über das Obere Tor führte der Weg zur letzten Ruhestätte.

Plus Mehr als 2000 Tauernde nehmen Abschied von dem beliebten Landrat in Mindelheim. Auch der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel war gekommen.

Bei Kaiserwetter haben in Mindelheim weit über 2000 Trauergäste bei einem mehr als zweistündigen Requiem in der Stadtpfarrkirche St. Stephan Abschied von Altlandrat Dr. Hermann Haisch genommen. Der beliebte Landrat war am 14. November im 81. Lebensjahr nach langer Krankheit gestorben. Die Choreografie der Feier folgte genau den Wünschen von Hermann Haisch. Wegen des erwartet großen Andrangs wurde der Festakt auch in die Jesuitenkirche auf einer Großleinwand übertragen.

Von der Stadtpfarrkirche zog der Trauerzug über die Kleinhannsstraße, den Marienplatz und die Maximilianstraße mit Landsberger Straße zum Friedhof, wo Haisch die letzte Ruhe fand. Sein Sarg wurde mit einem historischen Pferdewagen gefahren. Vertreter zahlreicher Vereine beteiligten sich mit Fahnenabordnungen. Auf Wunsch des Verstorbenen erklang die Pastoralmesse von Karl Kempter.

Ein Landrat, der immer für die Menschen da war

Unter den Trauernden, die Haisch die letzte Ehre erwiesen haben, waren zahlreiche langjährige Weggefährten aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft – an der Spitze der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel. Sowohl Dekan Andreas Straub, der die Feier zusammen mit mehreren Geistlichen und Diakonen zelebrierte, als auch Landrat Hans-Joachim Weirather und Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer würdigten Haisch als eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die immer für alle Bürger da gewesen war. Haisch war es immer wichtig, bei den ganz normalen Leuten zu sein, bei den Vereinen, den Ehrenamtlichen. Und auch bei seinem Abschied war er mitten unter den Menschen, und das nicht nur weil der Sarg mit einer Ehrenformation aus Vertretern von Vereinen vor dem Altarraum aufgebahrt war.

Bewegende Trauerfeier für Altlandrat Hermann Haisch
Bewegende Trauerfeier für Altlandrat Hermann Haisch
85 Bilder
Bewegender Abschied von Altlandrat Hermann Haisch
Bild: Tobias Hartmann, Johann Stoll

Man hätte ein Stecknadel fallen hören können, so ruhig wurde es in der Kirche, als der Verstorbene noch einmal zur Trauergemeinde sprach. Er tat das natürlich nicht wirklich. Zu hören war ein Ausschnitt aus seiner Lesung vom 6. Dezember 2018. Aber es klang, als stünde Hermann Haisch jetzt zur Minute vorne am Rednerpult. Haisch hatte anlässlich seines 80. Geburtstages die Weihnachtsgeschichte von Arthur Maximilian Miller auf Schwäbisch an gleicher Stelle in der Stadtpfarrkirche gelesen.

Der amtierende Landrat Weirather zollt seinem Vorgänger tiefen Respekt

Dekan Andreas Straub war damals besonders die Szene in Erinnerung geblieben, als der Hirte Hannes ausrief: „Gott isch a Mensch“ und damit die Weihnachtsgeschichte in genau vier Worten zusammenfasste. Diese Zugewandtheit zu den Menschen habe Haisch in besonderer Weise ausgezeichnet, betonte der Stadtpfarrer. „Er war leutselig im besten Sinne des Wortes“. Für die einfachen Menschen sei er dagewesen, und nicht nur für die Wichtigen oder die sich dafür halten.

Hermann Haisch sei tief von seinem Glauben an die Erlösung geprägt gewesen. Dieser Glaube habe ihm in den Wochen und Monaten seiner schweren Krankheit Halt gegeben, so der Dekan weiter. Fürbitten lasen Ulrike Meyer von der Schickling-Stiftung, Johannes Högel, Lothar Zettler, Winfried Roch, Arielle und Tobias Haisch.

Der verstorbene Altlandrat Hermann Haisch war immer ein großer Menschenfreund. Wie sehr er die Geselligkeit schätzte, zeigen diese Bilder aus seinem Leben.
33 Bilder
Bilder aus dem Leben von Altlandrat Hermann Haisch
Bild: Stoll, Klofat, Barnstorf, Sonntag, Honold, Baumberger, Lienert, Heinrich, Issing, Hölzle

Auch Landrat Hans-Joachim Weirather zeigte sich tief berührt von den Vier-Augen-Gesprächen, die er noch mit Hermann Haisch am Krankenbett führen konnte. Er habe sehr offen über seine Krankheit gesprochen. Und Weirathter war beeindruckt, „wie stark er war“. In tiefer Verbundenheit seien sie auseinandergegangen in dem Wissen, dass beiden das Wohl des Landkreises und seiner Menschen am Herzen liegt. Weirather zollte tiefen Respekt vor der großen Lebensleistung von Hermann Haisch, der „immer Platz in den Herzen der Unterallgäuer haben wird“.

Dabei, das räumte Weirather ein, sei der Beginn ihrer Beziehung eher holprig gewesen. Weirather war nicht der Kandidat, den sich Haisch als seinen Nachfolger gewünscht hatte. Herman Haisch habe aber nie die Türen zugeschlagen. Sie seien sich immer in respektvoller Art begegnet.

Pschierer: Haisch war der Landrat der Basis

In den 28 Jahren als Landrat hatte Haisch die Krankenhauslandschaft neu geordnet, die Schulen ertüchtigt, die A96 ermöglicht und vieles mehr, was bereits gewürdigt wurde. Weirather betonte darüber hinaus auch die Partnerschaft mit Nordhausen in Thüringen und Gostyn in Polen. Delegationen aus beiden Regionen waren zur Trauerfeier angereist.

Als politischer Weggefährte und Freund sprach Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer. Manch einer in der CSU wäre nicht das geworden, was er heute ist, wenn nicht Hermann Haisch gewesen wäre. Haisch hätten Haltung, Überzeugung und Werte ausgezeichnet. Und er habe immer Respekt vor politisch andersdenkenden Demokraten gehabt. Haisch habe sein Amt als Landrat leidenschaftlich gelebt. Er war nicht der Vertreter der Parteioberen, er war einer der Basis, sagte Pschierer. Angst vor „Fürstenthronen“ habe er keine gezeigt. Wenn der Bayerische Ministerpräsident im Unterallgäu zu Gast war, wurde dieser immer sehr freundlich empfangen. Wenn es aber sein musste, „konnte er knallhart seine Forderungen stellen“.

Auch Pschierer räumte ein, dass das Verhältnis nicht immer ungetrübt gewesen war. Sie hätten aber immer wieder zusammengefunden. Haisch sei einer der großen Landräte in Bayern gewesen. Ihm sei es immer wichtig gewesen, bei den Menschen zu sein. Haisch habe ehrenamtlichem Engagements immer besondere Wertschätzung entgegengebracht. Nicht zuletzt auch deshalb hatte sich Haisch von 1987 bis 2009 als Bezirksvorsitzender für das Rote Kreuz eingesetzt.

Persönliche Worte an seinen Bruder Hermann richtete am Ende Gerhard Haisch. An seine Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit erinnerte der ältere Bruder. Und er bat darum, ihnen später Tür und Tor für den Himmel zu öffnen. „Aber es pressiert uns noch nicht“, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Nachrufe und einen Kommentar zum Tod des Unterallgäuer Altlandrat Dr. Hermann Haisch finden Sie hier:

Trauer um Altlandrat Hermann Haisch

Nachruf: Hermann Haisch war der große Kümmerer

Wie politische Weggefährten um Hermann Haisch trauern

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren