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Unterallgäu

19.02.2014

Biber zum Abschuss freigegeben - Jäger erlegen 120 Tiere

Ein geschützter Nager, der immer wieder für Ärger sorgt: Im Unterallgäu ist der Biber seit 2012 zum Abschuss freigegeben. Bisher wurden 120 Tiere erlegt.
Bild: Franz Demharter, dpa

Seit über einem Jahr ist der Biber in bestimmten Flächen des Unterallgäus zum Abschuss freigegeben. 120 Tiere wurden seitdem erlegt. Die Reaktionen darauf sind gemischt.

Unter den Sohlen der Gummistiefel schmatzt der Matsch. Wildschweinklauen haben sich darin abgeformt, doch nicht das Schwarzwild ist für die Sauerei verantwortlich, sondern ein ähnlich umstrittenes Wildtier: Der Biber hat hier in der Schmutter bei Kirch-Siebnach mehrere Dämme aufgeschichtet und so ein etwa 70 Quadratmeter großes Waldstück geflutet. Bis vor zwei Tagen stand das Wasser hier noch deutlich höher. Doch seit dem letzten Besuch von Biberberater Arnold Tschunko aus Türkheim hat jemand große Löcher in die Wälle aus übereinandergeschichteten Ästen gerissen.

Neben dem zerstörten Damm sind Schuhabdrücke zu sehen. Würde man denjenigen finden, der sie hinterlassen hat, drohte ihm eine hohe Strafe. Möglich wären eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro oder auch eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Dazu müsste man den Täter aber erst einmal finden – und das ist fast so unmöglich, wie den Biber daran zu hindern, den Damm schon in der nächsten Nacht wieder aufzubauen.

Biber im Unterallgäu zum Abschuss freigegeben: Keine Ausnahmegenehmigung erforderlich

Es sei denn, das streng geschützte Tier wäre zum Abschuss freigegeben. Das Unterallgäu ist einer von zwei bayerischen Landkreisen, in denen es seit Oktober 2012 die „Allgemeinverfügung für den Abfang und den Abschuss von Bibern“ gibt. Auf 34 eng begrenzten Flächen in 22 Gemeinden dürfen die Tiere zwischen dem 1. September und dem 15. März ohne die sonst erforderliche Ausnahmegenehmigung gefangen und getötet werden. Freilich nicht von jedem, sondern nur von Personen, die die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt dazu bestellt hat.

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Der Biber in der Region
Bild: DZ/privat

Die haben seit 2012 insgesamt 120 Biber „aus der Natur genommen“, was nichts anderes heißt als „erlegt“. Denn auch die Biber, die in eine Lebendfalle tappen, werden längst nicht mehr andernorts ausgewildert oder an Zoos verkauft, sondern erschossen. Das dunkelrote Fleisch darf sich dann der Schütze schmecken lassen oder es weiterverschenken. Handel ist zum Schutz der Tiere verboten. Ob der nach wie vor nötig ist, ist umstritten. Während Naturschützer bejahen, tendieren viele, die unter der regen Bautätigkeit und ihren Folgen zu leiden haben, eher zum Nein.

Biber dürfen erlegt werden: Reaktionen sind unterschiedlich

Auch Arnold Tschunko, der seit acht Jahren ehrenamtlich als einer von drei Unterallgäuer Biberberatern tätig ist, ist zwiegespalten. Rund zehnmal im Monat fährt er hinaus, um bei akuten Problemen zu helfen und um zu kontrollieren, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen greifen. Die Intelligenz und der Fleiß der Tiere ringen ihm einerseits eine gewisse Bewunderung ab, die man beim Blick auf Dämme, Burgen und eine beinahe surreale Wasserlandschaft durchaus teilen kann.

Zudem sei der Biber ja auch nicht besonders „zwider“ oder gar aggressiv. Auf der anderen Seite kann er aber auch den Ärger derjenigen verstehen, die der tierische Architekt teuer zu stehen kommt. „Am besten wär’s, der Biber würde da bleiben, wo er niemanden stört“, findet Tschunko. Zehn Fakten zum Biber

Im vergangenen Jahr scheinen die Tiere diesen Wunsch ansatzweise beherzigt zu haben: Die Summe der gemeldeten Schäden sank von 19.400 Euro im Jahr 2012 auf 5.400 Euro im vergangenen Jahr. Ob das nun daran liegt, dass es aufgrund der Allgemeinverfügung weniger Biber gibt oder schlicht daran, dass viele ihre Schäden nicht mehr melden, ist nicht zu beantworten.

Unterallgäu: Probleme mit Bibern

Fest steht nur, dass dem Biber in vielen Fällen gar nicht so leicht beizukommen ist. Gartenbesitzer können ihre Hecke mit einem Zaun zum angrenzenden Bachlauf hin schützen und die Stämme ihrer Bäume einen Meter hoch mit Drahtgitter umwickeln. „Dann ist das Problem erledigt – endgültig“, so Tschunko. Für Bäume mit glatter Rinde gibt es außerdem eine Paste, die dem Biber mit ihrem hohen Quarzanteil die Lust am Nagen vergällen soll.

Doch für große Flächen taugen diese Maßnahmen nur bedingt. Auch die Scheuchen, die ein Waldbesitzer an der Schmutter aufgestellt hat, scheinen nicht besonders wirkungsvoll zu sein: In Sichtweite hat der Biber mehrere Bäumchen gefällt. „Wir probieren, Lösungen zu finden“, sagt Tschunko und stapft durch den Matsch zum Auto zurück.

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