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Mindelheim

26.07.2019

Bleibt jetzt der Mindelheimer Schandfleck Stadtmühle?

In den 80er Jahren lebten rund 100 Sektenmitglieder am westlichen Rand der Mindelheimer Altstadt. Nach der Nutzung als Jugendzentrum ist es seit vielen Jahren in einen Dornröschenschlaf versunken.
Bild: Stoll

Plus Der Eigentümer will aus der Mindelheimer Stadtmühle Wohnungen machen. Warum der Stadtrat trotz Wohnungsnot ablehnte.

Die Marienkinder mit ihrem Sektenführer Josef Zanker hatten in der Stadtmühle bis Mitte der 80er Jahre ihre Zentrale eingerichtet. Rund 100 Erleuchtete lebten hier am westlichen Rand der Mindelheimer Altstadt. Später stellte sich heraus: Es war zu sexuellen Übergriffen und Missbrauch von Minderjährigen gekommen. Der Sektenführer musste sich vor Gericht verantworten und wurde verurteilt. Das Gebäude wurde später als Jugendzentrum genutzt. Seit vielen Jahren ist es in einen Dornröschenschlaf versunken. Unschön und kaum genutzt wartet es auf eine Aufwertung.

Abreißen der Stadtmühle ist erlaubt, aber kein Neubau an der Stelle

Jetzt wollte der Eigentümer Naheliegendes schaffen: Wenn in Mindelheim Wohnungen dringend gesucht werden, warum nicht sechs bis acht Einheiten auf dem bestehenden Gelände unterbringen? Dazu sollten die bestehenden Gebäude dem Erdboden gleich gemacht und durch einen Neubau ersetzt werden. Gegen den Antrag auf Vorbescheid sprach sich allerdings der Stadtrat mit 23 gegen eine Stimme aus. Nur Ursula Kiefersauer war für die Pläne.

Michael Egger vom Bauamt wies auf den Bebauungsplan 100 Altstadtring hin. Eines der städtebaulichen langfristigen Ziele der Stadt sei, den Stadtgraben wieder erkennbar zu machen. Bei der Stadtpfarrkirche sei das gelungen. Grünflächen will die Stadtplanung dort sehen. Und der Wasserlauf soll für die Allgemeinheit nutzbar sein. Allerdings genießt der Eigentümer der Stadtmühle Bestandsschutz.

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Schon jetzt befinden sich laut Stadtverwaltung drei Wohneinheiten in der Stadtmühle, die gut 100 Jahre alt ist. Dafür sei aber nie ein Antrag vorgelegt worden. Dazu müssten auf dem Gelände fünf Stellplätze nachgewiesen werden. Der Wunsch des Eigentümers, nördlich des Grundstücks sechs bis acht Parkplätze anlegen zu dürfen, lehnte die Verwaltung ab. Begründung: Hier besteht ein öffentliches Geh- und Fahrrecht. Stellplätze müssten auf dem Grundstück selbst nachgewiesen werden.

Aus Gründen der Ziele der Stadtsanierung riet die Verwaltung, einen Neubau abzulehnen. Abreißen dürfe der Eigentümer aber das Gebäude und die bestehenden Mehlsilos. Christel Lidel (BG) regte an, die Stadt sollte versuchen, sich das Grundstück zu sichern. Die Möglichkeit hat es bereits gegeben. Die Stadt hatte diese laut Stadträtin Ursula Kiefersauer verstreichen lassen.

Die Stadt Mindelheim will langfristig den Stadtgraben zur Grünzone machen

Kiefersauer wies in der Aussprache auf die Wohnungsnot hin. Dass der Eigentümer versuche, das Gelände zu aktivieren, begrüßt sie. Das städtebauliche Ziel einer Grünanlage ist bisher aber nicht konsequent verfolgt worden. Beim Bau des Werkstattgebäudes der Berufsschule habe es keine Rolle gespielt, dass der Bau im Stadtgraben erfolgt war. Auch der vom Kunstverein genutzte „Emy’s Salon“ liegt im Stadtgraben.

Ob der Stadt und dem Stadtrat klar sei, dass bei einer Ablehnung einer Wohnbebauung „dieses Eck“ nie saniert werde? Kiefersauer regte ein nochmaliges Gespräch mit dem Eigentümer an. „Sonst wird hier eine Chance vertan.“

Bürgermeister Stephan Winter verwies auf ein bereits stattgefundenes Gespräch. Der Bauwerber wolle einen Beschluss, und den müsse er als Bürgermeister dem Stadtrat vorlegen. Ansonsten müsste der Stadtrat seine Planungsziele und damit dem Bebauungsplan ändern.

Der stellvertretende Leiter des Bauamtes Egger meinte, der Bauwerber könne das Gebäude modernisieren. Dem steht nichts entgegen. Über das Bestehende dürfe er nicht hinausgehen. Christoph Walter (CSU) sprach von einer historischen Chance. Nur alle 50 bis 100 Jahre sei die Stadt handlungsfähig, um städtebauliche Ziele wie die Freilegung des Stadtgrabens überhaupt erreichen zu können. Es gehe hier auch nicht um Enteignung.

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