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Gericht

25.11.2017

Brandstifter gesteht und bekommt eine neue Chance

Richter baut dem Angeklagten eine „goldene Brücke“ und erspart dem 40-Jährigen so eine Gefängnisstrafe

Am Abend des 23. November 2013 wurde ein Wäschekorb im Keller eines Hauses in Türkheim angezündet. Das Feuer konnte problemlos von Anwohnern gelöscht werden. Vor Gericht stand nun ein 40-jähriger Mann, der im ersten Prozess zur Anklage der Brandstiftung keine Aussage machte, sodass das Schöffengericht mit Richter Nicolai Braun es nicht einfach hatte, die Wahrheit zu finden, zumal die Zeugen zum Teil große Erinnerungslücken hatten und daher auch keine allzu große Hilfe waren.

Am zweiten Verhandlungstag nahm der Prozess dann eine überraschende Wende, der Angeklagte gestand, nachdem ihm Richter Braun eine „goldene Brücke“ gebaut hatte. Er bekam eine siebenmonatige Haftstrafe wegen Sachbeschädigung, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Der Angeklagte stand von Beginn an im Visier der Ermittlungen, da ihn ein Zeuge schwer belastete. Ein Zeuge behauptete, er habe den Angeklagten in einem Lokal getroffen und sie beide seien dann zu dem Haus gegangen. Er habe dort Geld eintreiben wollen. Während er versucht habe in die Wohnung des Schuldners zu kommen, sei der Angeklagte in den Keller gegangen und wenig später zurückgekommen. Er habe ihn dann aufgefordert sofort zu verschwinden, weil er im Keller einen Brand gelegt habe.

Außer dieser Aussage hatten die ermittelnden Beamten keine weiteren Beweise. Hinzu kam, dass der Zeuge selbst mit Handschellen aus der Haft vorgeführt wurde und daher auch ein Glaubwürdigkeitsproblem hatte. Und die Verwirrung war noch größer, als auch noch ein Zeuge auftauchte, der aussagte, der Angeklagte sei zum Zeitpunkt des Brandlegens in seinem Lokal gewesen. Und bei vielen Zeugen spielte in dieser Nacht Alkohol eine Rolle, sodass sich trotz vieler Zeugen ein diffuses Bild ergab. Auch der Angeklagte hatte sich an dem Abend ein „paar“ Bier genehmigt.

Ein mittlerweile im Ruhestand befindlicher Polizeibeamter erschütterte dann aber vor Gericht das Alibi des Wirtes. In den Fokus war der Angeklagte auch deswegen gekommen, weil er schon im Jahre 2005 für eine Brandserie verantwortlich war und dafür eine hohe Haftstrafe bekommen hatte. Grund waren vermutlich Beziehungsstress mit dem Zerbrechen einer Partnerschaft und der daraus folgende übermäßige Alkoholkonsum.

Für die Tatzeit im November vor vier Jahren vermutete die Sachverständige keinen Kontrollverlust, obwohl Alkohol im Spiel gewesen sei. Aufgrund der Lebensumstände des Angeklagten, der nach der Haftstrafe wieder Boden unter den Füßen bekommen habe, könne man von einer günstigen Sozialprognose ausgehen. Er lebe in einer neuen geordneten Beziehung und gehe einer regelmäßigen Arbeit nach.

Nun sah sich Richter Braun veranlasst, den Angeklagten doch noch zu einer Aussage zu bewegen. Er stellte in Aussicht, die Anklage von der schweren Brandstiftung auf Sachbeschädigung zu reduzieren, was natürlich auch zu einer Minderung der zu verhängenden Strafe führen könnte. Man könne dies in diesem Falle tun, weil von dem Brand in dem Wäschekorb in einem Keller, in dem sich ansonsten nichts Brennbares befand, eigentlich keine Gefahr für die Hausbewohner ausgegangen sei.

Es gab dann ein Rechtsgespräch mit Richter, Staatsanwältin und den beiden Verteidigern Leonhard Graßmann und Otto Pfeiffer. Danach erklärte Graßmann, dass sein Mandant die Vorwürfe in der Anklage einräume.

Die Staatsanwältin schloss sich der günstigen Sozialprognose der Sachverständigen an und weil die Tat auch schon einige Zeit zurückliege, forderte sie sieben Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Rechtsanwalt Graßmann sah dies ähnlich.

Und so war das Urteil, das Richter Braun nach kurzer Beratung verkündete, keine Überraschung: Sieben Monate Haft wegen Sachbeschädigung, die auf drei Jahre Bewährungszeit ausgesetzt wird.

Richter Braun hob in seiner Begründung nochmals die Sozialprognose hervor und die Tatsache, dass der Angeklagte in den letzten Jahren nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten sei.

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