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Unterallgäu

20.11.2019

Brannten Mutter und Sohn den eigenen Hof ab?

Auf der B16 zwischen Rain und Burgheim hat es kräftig gekracht. Wegen des Unfalls war auch die Feuerwehr im Einsatz.
Bild: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Nachdem im Februar ein Bauernhof in Flammen stand, stehen nun die mutmaßlichen Verursacher vor Gericht.

Komplett zerstörte Ställe und Scheunen, ein verendetes und mehrere verletzte Tiere, über 500.000 Euro Schaden – so lautete Ende Februar die erschreckende Bilanz eines Großbrands im nördlichen Landkreis. Immerhin verhinderten die rund 120 Feuerwehrleute damals, dass die Flammen auf das angrenzende Wohnhaus übergriffen. Eine 79 Jahre alte Frau, die dort wohnte, konnte das Haus unverletzt verlassen. Ab kommendem Montag steht sie zusammen mit ihrem Sohn vor dem Landgericht Memmingen.

Sie sollen den Brand gemeinsam geplant haben

Den beiden wird vorgeworfen, den Brand gemeinsam geplant und durchgeführt zu haben. Nach Angaben des Landgerichts befand sich der 48-jährige Mann damals in einer „desaströsen finanziellen Situation“. Er habe deshalb mit seiner Mutter verabredet, dass sie den Hof anzündet, damit er die Versicherungssumme erhält.

Demnach soll die 79-Jährige am 25. Februar gegen 1 Uhr Heu im neuen Stall des Anwesens angezündet haben. Ihr Sohn soll unterdessen bereits am Tag davor nach Ungarn gefahren sein, um sich ein Alibi zu verschaffen. Der 79-Jährigen gelang es noch, die meisten, teilweise verletzten Tiere aus dem brennenden Stall zu retten, obwohl das Dach bereits einstürzte. Ein Pferd verendete. Die Frau zog sich nur leichte Verletzungen zu.

Brannten Mutter und Sohn den eigenen Hof ab?

Zunächst war die Polizei von einem technischen Defekt als Brandursache ausgegangen. Bald stellte sich jedoch heraus, dass der Mann erst fünf Tage vor dem verheerenden Brand eine Feuer- und Sturmversicherung für sein verpachtetes Anwesen abgeschlossen hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide Angeklagte den Hof angezündet haben, um sich mit der Entschädigung aus ihrer finanziellen Notlage zu befreien. Dieses Vorgehen wird als „warme Sanierung“ bezeichnet. Doch selbst wenn in solchen Fällen Betrug nicht nachgewiesen werden kann, wird die Entschädigung nicht zur freien Verfügung ausbezahlt, sondern zweckgebunden zur Reparatur der Schäden.

Der 79-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft besonders schwere Brandstiftung, Körperverletzung und versuchten Betrug vor. Ihr Sohn, der in Untersuchungshaft sitzt, soll wegen Anstiftung zur besonders schweren Brandstiftung, Körperverletzung und versuchten Betrugs belangt werden.

Acht Verhandlungstage in Memmingen sind geplant

Beiden droht eine Gefängnisstrafe zwischen fünf und 15 Jahren. Sie bestreiten die Vorwürfe. Klarheit soll nun ab Montag ein Indizienprozess in Memmingen bringen. Es sind insgesamt acht Verhandlungstage vorgesehen. 20 Zeugen und zwei Gutachter sollen aussagen.

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