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Türkheim

07.12.2020

Corona: Den Kruscht hätt’s wirklich nimmer braucht ...

Jeder wehrt sich gegen die Zumutungen der Corona-Pandemie mit seinen eigenen Mitteln: Emilie Kiefert aus Rammingen hat ihre Gedanken dazu in Gedichtform in schwäbischer Mundart gepackt.
Bild: Sabine Schaa-Schilbach

Plus Die 71-jährige Emilie Kiefert aus Rammingen verarbeitet ihre Gefühle über Corona in einem Gedicht über die Pandemie.

Es war nicht ihr erstes und sicher auch nicht ihr letztes Gedicht zum Thema Corona: Emilie Kiefert (71) aus Rammingen hat ihre ganz besondere Sprache gefunden, um selbst damit klar zu kommen, dass seit Monaten „so viel Leid angerichtet wird bei den Menschen.“ Aber sie klagt nicht, sondern äußert das humorvoll in ihrer persönlichen und heiteren allgäu-schwäbischen Sprachfärbung.

Lesern des aktuellen Büchleins „Advent im Unterallgäu“ dürfte der Namen Emilie Kiefert bekannt vorkommen. Ihr „Gedicht über s´Schneeflöckla“ steht am Anfang des Buches. Emilie Kiefert: „Das ist schon vor einem Jahr entstanden, weil mir damals der Schnee so gefehlt hat.“ 2020 dann hat es genau gepasst, als die ersten noch zaghaften Schneeflocken pünktlich am 1. Dezember vom Himmel wehten.

Das Gedicht hat die Rammingerin in Form eines Wunschzettels geschrieben

Jetzt also das Gedicht vom Wunschzettel einer Oma. Emilie Kiefert hat drei Enkelkinder im Teenager-Alter. Und ja, „wir sehen sie so selten“. Da geht es ihr wie vielen anderen Omas und Opas in diesem Jahr. Solch eine Situation ist für Emilie Kiefert Anlass für ein Gedicht, so wie auch die Jahreszeiten oder das neue Auto ein Anlass sein können.

Das Jahr 2020 hat für sie schon einige Anlässe geboten. Es ist der Corona-Blues, der immer wieder durchscheint, wenn am Beginn des Lockdowns „keiner mehr g’schwätzt hat über den Gartenzaun“, als sich alle drinnen in ihren Häusern eingeigelt hatten.

Ihre Liebe und Begabung für Mundart-Gedichte hat Emilie Kiefert erst spät bei sich entdeckt. Sicher hat sie Anregungen gefunden beim Vortragen von Sketchen und Gedichten schwäbischer Mundartdichter bei Seniorennachmittagen vor Ort. Sie erinnert sich, dass sie auch in der Schule gute Aufsätze schreiben konnte.

Aber die eigenen Gedichte kamen erst viel später. Emilie Kiefert lebt seit 21 Jahren in Rammingen. Die dreifache Großmutter fühlt sich jung und aktiv, „wie fünfzig“. Ihr zuzuhören beim Vortragen ihrer Gedichte und kurzen Texte macht Freude, weil sie genau den richtigen Ton trifft, weil sie es kann.

Hier kommt ihr Wunschzettel-Gedicht

Lieb’s Christkindla,

i schreib dir heit

an Wunschzettel nach langer Zeit.

Will koine materielle Sacha,

nix zum bastla, Spiele macha.

Wünsch mir o gar nix bloß für mi,

was i gern möcht, wär a „Genie“

der a Wundermedizin bald findet,

denn so was brauchen wir ganz dringend.

Corona heißt der böse Virus,

den es zu bekämpfen gilt.

Bevor er no mehr Leid arichtet

und die Welt in Atem hält.

Den Kruscht hätt’s wirklich nimmer braucht, a Krankheit, die die Leit so schlaucht,

drum Christkindla, erhör mei Bitte, bischt zu uns komma in der Krippe

lass uns schnell a Heilung finda,

du kasch doch alle Krankheit lindra.

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