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Allgäu

18.12.2020

Corona-Krise: Allgäu GmbH appelliert an das Wir-Gefühl

Auch überdimensionale Projektionen an Gebäuden (auf unserem Bild der Sitz von Sozialbau und Allgäu GmbH) in Kempten gehören zur Kampagne.
Bild: Allgäu GmbH

Plus Unter dem Slogan „gemeinsam#unter50“ will die Allgäu GmbH die Zahl der Corona-Infektionen drücken. Was die Verantwortlichen von den Menschen in der Region erhoffen und welche Rolle der Freizeitsport dabei spielt

Mit einer ungewöhnlichen Kampagne will die Allgäu GmbH helfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen: „gemeinsam#unter50“ ist ein Appell an alle Bürger, in den Weihnachts- und Silvestertagen daheim zu bleiben und so Kontaktketten zu unterbrechen. Ziel ist es, dass der Sieben-Tage-Inzidenzwert im Allgäu die Zahl 50 unterschreitet. Der Wert liegt aktuell zwischen 129 und 236. Die Schwelle von 50 ist markant, da Fachleute damit einen deutlichen Rückgang des Infektionsgeschehens verbinden. Die Kampagne erläutern Klaus Fischer und Bernhard Joachim, die Geschäftsführer der Allgäu GmbH, im Interview:

Seit Mittwoch greift der harte Lockdown. Was kann da die Kampagne der Allgäu GmbH zusätzlich bewirken?

Klaus Fischer: Der Lockdown macht unsere Aktion nicht überflüssig, im Gegenteil: Unsere Kampagne ist die ideale Ergänzung. Denn das eine sind Verbote und Anordnungen von Politik und Regierung. Das andere ist das Verständnis der Menschen und die Bereitschaft, selbst einen Anteil bei der Bekämpfung der Pandemie zu leisten.

Bernhard Joachim: Es geht uns ein Stück weit darum, die Allgäuer bei der Ehre zu packen. Wir appellieren an das Wir-Gefühl aller: Jetzt ist der Zeitpunkt, um Zusammenhalt zu zeigen. Ein Beispiel: Der Memminger oder Kemptener muss in den nächsten Wochen nicht um den Forggensee laufen oder dem besten Schnee in der Loipe nachfahren. Da sollte jeder wegen der Ansteckungsgefahr überlegen: Braucht’s das wirklich? Besser wäre es, aufeinander achtzugeben und solidarisch zu sein. Nur gemeinsam können wir einen Inzidenzwert von unter 50 erreichen, damit das öffentliche Leben im Januar wieder stattfinden kann – mit Gastronomie, Handel, Kultur, Wintersport und Vereinsleben.

Was hat die Allgäu GmbH denn dazu gebracht, so eine Kampagne zu starten?

Klaus Fischer: Das Allgäu ist eine starke Region und in vielem Vorreiter. Diese Position wollen wir nutzen. Die Allgäu GmbH als Sprachrohr der wesentlichen Kräfte in der Region ist prädestiniert, in dieser schwierigen Zeit aktiv zu werden. Dem Aufsichtsrat ging es darum, ein Zeichen zu setzen und ein Bewusstsein für den Ernst der Lage zu schaffen.

Wie wollen Sie diese Botschaft bei den Menschen verankern?

Bernhard Joachim: Indem wir viele Kanäle bespielen. Wir nutzen weithin sichtbare Landmarken oder markante Gebäude als Projektionsflächen. Das blaue Kampagnenlabel wird nachts auf Rathäusern, Hotels oder der Oberstdorfer Skisprungschanze prangen. Es gibt Anzeigen und wir nutzen die sozialen Netzwerke. Geplant ist auch, das Label bei Geldautomaten oder Webcam-Ansichten einzublenden.

Wer genau ist denn Ihre Zielgruppe?

Klaus Fischer: Uns geht es in erster Linie um die Allgäuer an sich. Denn der Skitourengeher, der in den kommenden Tagen in den Bergen unterwegs ist, kommt selten aus Ulm oder Stuttgart. Wir werden aber auch versuchen, Auswärtige anzusprechen – bis nach Augsburg, Baden-Württemberg und an den Bodensee.

Rechnen Sie bei Ihrer Kampagne nicht mit Gegenwind, etwa aus dem Handel? Auch Allgäuer Hotels und Gaststätten, die trotz ausgeklügelter Hygienekonzepte schließen mussten, dürfte die Aktion kaum freuen.

Bernhard Joachim: Es gab anfangs auch kritische Stimmen, etwa vom Einzelhandelsverband. Inzwischen ist das Echo aber durchweg positiv. Denn vielen ist bewusst, dass erst die Infektionszahlen deutlich runter müssen, bevor die Wirtschaft wieder hochfahren kann. Auch die Hotellerie steht hinter der Kampagne.

Ist es denn überhaupt realistisch, dass der 50er-Inzidenzwert bald geknackt wird?

Klaus Fischer: Wenn wir das wüssten … So oder so gibt es aus unserer Sicht keine Alternative zum drastischen Herunterfahren. Es ist aber klar, dass es über die Feiertage trotz Lockdowns viele Kontakte geben wird. Insofern wäre zum Jahreswechsel ein Unterschreiten der 100er-Marke ein erster Erfolg.

Interview: Markus Raffler

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