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Mindelheim

25.03.2020

Corona-Krise in Spanien: Ab nach Hause!

Unsere Kollegin Margit Seitz-Röthinger hat die vergangenen Wochen in Spanien verbracht, wo bereits länger als in Deutschland eine strenge Ausgangssperre gilt: Der Strand und öffentliche Fitness-Geräte sind gesperrt.
Bild: Seitz-Röthinger

Plus MZ-Mitarbeiterin Margit Seitz-Röthinger wurde in Spanien von der Corona-Pandemie überrascht. Bleiben oder gehen - eine schwierige Entscheidung.

Am Donnerstag waren unsere Kollegin Margit Seitz-Röthinger und ihr Mann Edwin noch hin- und hergerissen: Sollten sie Spanien, das nach Italien von der Corona-Pandemie in Europa am stärksten betroffen ist, so schnell wie möglich verlassen oder lieber dort ausharren? Die beiden leben abwechselnd in Mindelheim und dem spanischen Veramar. Anfang März ist Margit Seitz-Röthinger ihrem Mann hinterhergereist, den es schon zwei Monate vorher in den warmen Süden gezogen hatte – freilich ohne zu ahnen, was sie dort schon wenig später erwarten würde. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich nicht mehr runtergeflogen“, sagt Margit Seitz-Röthinger.

Bereits seit dem 14. März gilt in Spanien eine strenge Ausgangssperre, mit der die beiden ganz gut leben konnten. Angesichts von Bildern aus Deutschland, die Menschenscharen in Cafés und Parks zeigten, fragten sie sich, ob die Ansteckungsgefahr hier nicht deutlich höher sei als in Spanien. Auf der anderen Seite ist da das marode spanische Gesundheitssystem: Notfallbetten sind in den Krankenhäusern Mangelware und die Patienten dort werden üblicherweise von Angehörigen mit Essen und der nötigen Körperpflege versorgt. „Der Gedanke, dass man hier krank werden könnte, macht da schon Angst“, gibt Margit Seitz-Röthinger zu.

Am Montag setzte sich das Mindelheimer Ehepaar ins Auto

Deshalb haben sie und ihr Mann sich am frühen Montagmorgen dann auch ins Auto gesetzt, um nach Hause zu fahren. Fliegen kam für die beiden nicht infrage. Denn zum einen sind viele Flüge inzwischen gestrichen und zum anderen die empfohlenen Sicherheitsabstände in einem voll besetzten Flugzeug unmöglich einzuhalten. Doch auch die Autofahrt kann man durchaus als abenteuerlich bezeichnen. So war am Donnerstag beispielsweise noch völlig unklar, ob sie die französische Grenze passieren und im Land zum Tanken anhalten dürfen. „Durch die Schweiz können wir auf keinen Fall, die lassen ja keinen mehr rein“, sagt Margit Seitz-Röthinger.

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Ebenfalls unklar war, ob das Ehepaar nach seiner Rückkehr in Quarantäne muss. Bislang gilt in Spanien zwar nur Madrid als Risikogebiet und nicht Andalusien, wo sie sich aufgehalten haben. Bei der Fahrt durch Frankreich müssen sie aber auch durch das Elsass, das das Robert-Koch-Institut als Risikogebiet aufführt.

Disziplinierte Spanier und hohe Geldstrafen für Corona-Verstöße

Die Spanier hat Margit Seitz-Röthinger in der Krise als sehr diszipliniert erlebt. Die Ausgangssperre wird eingehalten – wahrscheinlich auch deshalb, weil Zuwiderhandlungen hart bestraft werden: Wer etwa eine Party veranstaltet, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 600.000 Euro rechnen, für ein durchgeschnittenes Absperrband können bis zu 600 Euro fällig werden. „Man schreibt halt viele WhatsApp-Nachrichten, telefoniert oder unterhält sich aus gebührendem Abstand über den Zaun mit den Nachbarn“, erzählt Margit Seitz-Röthinger.

Wer sich draußen aufhält, braucht dafür einen triftigen Grund und sollte sich möglichst zügig von A nach B begeben. „Wenn man vom Einkaufen kommt, sollte man zum Beispiel seinen Kassenzettel dabeihaben, damit die Beamten bei einer Kontrolle sehen, wie lange man schon draußen unterwegs ist“, sagt Margit Seitz-Röthinger. Denn anders als in Deutschland sind in Spanien Spaziergänge nicht erlaubt. Selbst wer wie die Seitz-Röthingers einen Hund hat, darf mit ihm nur kurz um den Block. „Sonst laufen wir an die acht Kilometer mit unserer Hündin, aber das ist momentan einfach nicht drin. Ich glaube, für sie war das alles am schwersten.“

Auch fürs Einkaufen gelten derzeit strenge Regeln: Erst wenn ein Kunde das Geschäft verlassen hat, darf der nächste hinein – und zwar erst, nachdem er sich die Hände desinfiziert und Einweghandschuhe angezogen hat.

Die Mindelheimerin hat in Spanien ihr Ferienhaus auf Vordermann gebracht

Die Zwangspause hat Margit Seitz-Röthinger genutzt, um ihr Ferienhaus auf Vordermann zu bringen. „Ich hab’ angefangen zu putzen“, sagt sie und lacht. „Und im Garten darf man ja auch sein.“ Allerdings war das zuletzt bei rund 16 Grad und Wind wenig verlockend. Weil es zudem nicht danach aussieht, als würde sich die Lage schon bald wieder entspannen, hat das Ehepaar am Wochenende seine Sachen gepackt und ist losgefahren in Richtung Unterallgäu. Die 19-stündige Reise mit dem Auto hat ohne Probleme geklappt. In der Nacht auf Dienstag sind die beiden Mindelheimer samt Hund wohlbehalten in der Heimat angekommen.

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