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Kriminalstatistik

06.04.2018

Das Unterallgäu ist nach wie vor am sichersten

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Am Telefon geben sich Betrüger als Polizisten oder Verwandte aus und versuchen, Senioren um ihr Geld zu bringen. Besonders perfide: Beim Anruf der vermeintlichen Polizisten wird häufig die Nummer 110 angezeigt, die freilich manipuliert ist.
Bild: Markus Merk

Die Zahl der Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West ist leicht gestiegen. Vor einem Trick  warnt die Polizei besonders

Etwa alle fünf Minuten geht bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten ein Notruf ein. Wie Polizeipräsident Werner Strößner bei der Präsentation der Kriminalstatistik versicherte, ist das jedoch kein Grund zur Beunruhigung. Anders als die zahlreichen Anrufe vermuten lassen, ist die Region nämlich nicht besonders gefährlich, sondern im Gegenteil eine der sichersten Deutschlands – auch wenn die Zahl der Fälle im Bereich des Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr leicht gestiegen ist: Dort wurden 43193 Straftaten registriert und damit 138 mehr als im Jahr zuvor. Lässt man ausländerrechtliche Delikte wie Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz außen vor, mussten die Beamten im vergangenen Jahr jedoch sogar 536 Fälle weniger bearbeiten als 2016.

Spitzenreiter unter den Landkreisen und kreisfreien Städten im Bereich des Präsidiums ist – trotz eines Anstiegs um 331 Fälle – erneut das Unterallgäu: Hier wurden 4308 Straftaten gezählt. Umgerechnet auf 100000 Einwohner ergibt das eine Häufigkeitszahl von 3052. Im gesamten Präsidiumsbereich liegt sie bei 4487 und damit erneut unter der gesamtbayerischen Zahl von 4868. Wie im Vorjahr wurden aber nicht nur mehr Straftaten verfolgt, sondern auch mehr aufgeklärt: In 72,1 Prozent der Fälle wurden die Täter gefasst, bei denen es sich zu fast 78 Prozent um Männer handelt. Im Unterallgäu lag die Aufklärungsquote mit 72,7 Prozent sogar noch ein wenig höher.

Gewaltkriminalität 1447 Fälle hat das Präsidium 2017 in diesem Bereich verzeichnet, 94 mehr als 2016. „Das ist der einzige Bereich, wo wir nicht ganz zufrieden sind“, sagte denn auch der Leiter des Sachgebiets Kriminalitätsbekämpfung, Leitender Kriminaldirektor Albert Müller. Die Zahl der Fälle sei zum dritten Mal in Folge gestiegen und aktuell die höchste der vergangenen zehn Jahre. Mit Abstand am häufigsten handelte es sich um gefährliche und schwere Körperverletzungen (1209), gefolgt von Raub/Räuberische Erpressung (144), Vergewaltigung (99), vorsätzlichen Tötungen/Versuch (22) und fünf Morden beziehungsweise Mordversuchen. Mehr als 27 Prozent der Taten wurden von Jugendlichen und Heranwachsenden verübt, obwohl sie nur 7,3 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Ebenfalls überproportional vertreten waren ausländische Tatverdächtige mit einem Anteil von 44,9 Prozent, dem ein Bevölkerungsanteil von 12,1 Prozent gegenübersteht. Im Unterallgäu gab es 146 Fälle, 14 mehr als 2016.

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Straßenkriminalität Auch in diesem Bereich sind Jugendliche, Heranwachsende und ausländische Tatverdächtige besonders häufig. Insgesamt ist die Zahl der Delikte jedoch von 5926 auf 5776 und damit auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gesunken. Auch das Unterallgäu folgt diesem Trend: Hier ging die Zahl der Fälle von 517 auf 489 zurück.

Rauschgiftdelikte Während die Zahl der Delikte im gesamten Präsidiumsbereich von 3798 auf 3389 gesunken ist, ist im Unterallgäu das Gegenteil der Fall: Hier wurden 472 Fälle angezeigt, im Vorjahr waren es noch 287. Der drastische Anstieg ist vor allem auf den westlichen Landkreis zurückzuführen: In dem Bereich des Unterallgäus, für den die Polizeiinspektion Memmingen zuständig ist, hat sich die Zahl der Drogendelikte von 99 im Jahr 2016 auf 327 im Jahr 2017 mehr als verdreifacht. Bei den Polizeiinspektionen in Mindelheim und Bad Wörishofen sind die Fallzahlen dagegen gesunken. In Mindelheim von 101 auf 69 und in Bad Wörishofen von 82 auf 68. Weitere acht Fälle hat die Verkehrspolizei aufgenommen, im Jahr zuvor waren es fünf. Mit Abstand am häufigsten wurde mit Cannabisprodukten gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen (48,5 Prozent). Es folgen Amphetamine (12,8 Prozent), Kokain/Crack (2,5 Prozent) und Heroin (1,3 Prozent). 15 Männer im Präsidumsbereich sind an einer Überdosis Drogen gestorben.

Diebstahlskriminalität Mit 10288 Fällen machen die Diebstähle fast ein Viertel aller Straftaten im Präsidiumsbereich aus. Rund 20 Prozent davon sind Ladendiebstähle, die laut Müller auffallend häufig von Kindern begangen werden. Insgesamt richteten die Diebe einen Beuteschaden von mehr als zehn Millionen Euro an. Im Unterallgäu wurden 932 Diebstähle angezeigt, 2016 waren es 1051. Im gesamten Präsidiums-Bereich ebenfalls gesunken ist die Zahl der Wohnungseinbrüche, nämlich von 3661 auf 2999. Polizeipräsident Strößner führt das nicht zuletzt auf die „Soko Wohnungseinbruch“ zurück.

Vermögens- und Fälschungsdelikte Fälscher und Betrüger haben im vergangenen Jahr mit 6660 Taten (Vorjahr: 6396) einen Gesamtschaden von 19,3 Millionen Euro verursacht. Besonders häufig haben es die Beamten nach wie vor mit dem Enkeltrick und sogenanntem Call-Center-Betrug zu tun: Ein Anrufer gibt sich dabei als Polizeibeamter aus und behauptet, dass das Opfer sein Geld einem Beamten übergeben müsse, weil es sich dabei um Falschgeld handle beziehungsweise weil ein Einbruch bevorstehe.

In vielen Fällen wird dabei die Telefonnummer der Polizei angezeigt, die jedoch manipuliert ist. „Das Vertrauen in die Polizei wird damit massiv missbraucht“, so Müller. Er berichtete von einem 89-Jährigen aus dem südlichen Oberallgäu, dem die Betrüger mit diesem Trick kürzlich um Geld und Schmuck im Wert von 200000 Euro gebracht haben. Am Vortag der Pressekonferenz wurden weitere vier Fälle bekannt. „Die Entwicklung macht uns Sorgen“, so Strößner. Die Call-Center, über die die Anrufe laufen, werden ihm zufolge in der Türkei vermutet. Deshalb würden bereits Gespräche mit der türkischen Polizei geführt.

Sexualdelikte Im vergangenen Jahr wurden 510 Sexualdelikte sowie 99 Vergewaltigungen gezählt. Verglichen mit dem Vorjahr ergäbe sich eine Zunahme von 17 Prozent. Müller verweist jedoch auf eine Rechtsänderung, die diesen Vergleich nicht zulässt: Die Begriffe der sexuellen Belästigung und der Vergewaltigung sind nun weiter gefasst, sodass nun beispielsweise auch Fälle als sexuelle Belästigung registriert werden, die früher der „Beleidigung mit sexuellem Hintergrund“ zugeordnet wurden.

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