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Derndorf

02.07.2020

Der Derndorfer "Brennholzdesigner" und sein Märchenwald

Nach getaner Arbeit bietet der Thron des Mindeltals Gelegenheit zur Rast. Nicht nur Sabrina und Martin Schadel mögen diesen besonderen Ort. Er ist auch ein beliebtes Ausflugsziel.
Bild: Melanie Springer-Restle

Plus In unserer Serie stellen wie Künstler aus dem Unterallgäu vor. Martin Schadel schafft bei Derndorf Holzskulpturen mit der Motorsäge.

In einem verwunschenen Waldstück am Ortsrand von Derndorf hat Martin Schadel seinen Outdoor-Arbeitsplatz. Der Wald ist im Familienbesitz und wurde vor 25 Jahren als Mischwald angepflanzt. Hier kann sich der Berufsschullehrer nach einem anstrengenden Schultag so richtig austoben. Mittlerweile verfügt er über ein buntes Sammelsurium an Holzfiguren und Möbeln, die er alle selbst hergestellt hat.

Im Urlaub Holzkunst gesehen, sofort davon fasziniert

Vor ungefähr acht Jahren fing alles an, als er im Urlaub mit der Motorsäge geschnitzte Holzskulpturen gesehen hat. „Das will ich auch machen!“, dachte er sich und hat sich kurze Zeit später für einen Motorsägen-Schnitzkurs im Kloster Roggenburg angemeldet. Voraussetzung war der Motorsägenschein. „Wenn du einmal damit angefangen hast, bist du mit dem Schnitz-Virus infiziert“, erzählt der 55-Jährige.

Seine ersten Stücke waren Pilze, Herzen, Blumen und Eichhörnchen. Mit der Zeit sind die Exponate immer größer geworden und die Arbeiten filigraner. Die größte Herausforderung sei die Unwiderrufbarkeit, wenn man mal pfuscht. „Was weg ist, ist weg und zwar für immer!“, so Schadel. Er hat sich schon oft geärgert, wenn er sich verschnitzt hat und die Proportionen einfach nicht mehr gestimmt haben. Einer Katze habe er mal „einfach den Grend abgeschnitten“ und sie zu Brennholz, erinnert er sich.

Vor vier Jahren ist auch seine Tochter Sabrina in die Schnitzerei eingestiegen. Die gelernte Bauzeichnerin war schon immer handwerklich interessiert und begabt, verrät der Vater. „Die wechselt sogar ihre Reifen selbst.“ Die 22-Jährige hat längst ihre eigenen Projekte und schnitzt auch Kunstwerke mit ihrer Carving Motorsäge. Bevor es losgeht, kommt der Gehörschutz mit integriertem Radio und voller Lautstärke auf den Kopf, denn „ohne Musik läuft gar nichts“, so Schadel. Während der Vater sich mit Schlagern in Fahrt bringt, hört die Tochter lieber Rock. So können sich beide voll und ganz auf ihre Werke konzentrieren. Selbst das Motorsägengeräusch hören sie dann nicht mehr.

Was ein Brennholzdesigner alles macht

Mittlerweile sind die selbst ernannten Brennholzdesigner über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Schadel fertigt auch Exponate nach Wunsch an. Neulich hat er im Garten eines Kunden aus einem festverwurzelten Baumstamm einen Thron gebaut. So konnte zumindest der Rest des gefällten Baums weiterhin bewundert werden. Auch auf dem Ursberger Weihnachtsmarkt hat der Künstler einen Stand. Er kreiert Kunstwerke für alle Anlässe. „So was kann man halt nicht an jeder Ecke kaufen“, bemerkt Tochter Sabrina. Auch Schadels Frau Claudia wirkt bei manchen Stücken mit. Die Hobbymalerin ist für Deko, Schriftzüge und malerische Veredelungen zuständig. Nach der groben Arbeit mit der Motorsäge können die Kunstwerke lackiert, besprayt oder mit Brandmalerei verziert werden.

Der Derndorfer "Brennholzdesigner" und sein Märchenwald
13 Bilder
Die Werke der Derndorfer Brennholzdesigner
Bild: Melanie Springer-Restle

„Märchenwald“ nennen die Einheimischen die Wirkungsstätte des Holzdesigners. Einmal ist ein Mädchen erschrocken, als sie einen von Schadels Bären im Wald sah. Doch am beliebtesten neben all den Tieren ist der „Thron über das Mindeltal“. Von zwei klobigen Holzsesseln aus hat man bei guten Wetterbedingungen einen erhabenen Blick bis nach Gundremmingen. Manche Familie nutzt den Ort regelmäßig als Picknickstätte. Schadel hat auch schon mal jemanden dort angetroffen, der für eine Prüfung gelernt hat. „Ist doch schön, dass die Menschen hier herkommen um durchzuatmen“, freut sich der Künstler.

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