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Bad Wörishofen

09.01.2019

Der Jubiläums-Kneipp kommt jung daher

Isolde Egger legt letzte Hand an die neue Kneipp-Bronze.
Bild: Franz Issing

Die Künstlerin Isolde Egger hat es geärgert, dass Kneipp stets nur als alter Mann dargestellt wird. Das hat sie nun geändert – im Sinne von Markus Lüpertz.

Jetzt ist es nicht mehr zu übersehen. Pfarrer Kneipp ist ein Unikat. Für die Büste des Wasserdoktors, welche die preisgekrönte Wörishofer Künstlerin Isolde Egger geschaffen und farbig gefasst hat, gilt das im Besonderen. Die Malerin ist nach eigenem Bekunden ein großer Fan der Kneipp-Kur, hat damit gute Erfahrungen gemacht und fühlte sich hinterher, wie sie versichert „zum Bäumeausreißen“. Was lag also näher für sie, mit der Lehre ihres Idols auf einer Büste zu werben. Denn Egger hat ein besonderes Datum im Blick: Der 200. Geburtstag von Pfarrer Kneipp rückt näher, im Jahr 2021 ist es soweit. Egger machte sich also ans Werk.

Ein von ihr in Keramik anno 2017 gefertigtes Urmodell ließ sie dazu jetzt in Bronze gießen. Über den damaligen Entwurf hatten wir hier berichtet: Kneipp trifft Lüpertz
Für diesen Arbeitsschritt bot sich als erfahrene Werkstatt die Kunstgießerei Hofmeister in Berg am Starnberger See an. „Mich hat es schon immer geärgert, dass Sebastian Kneipp immer als alter Pfarrer dargestellt wird“, erklärt die freischaffende Malerin und Innengestalterin. Also fahndete sie in einschlägiger Literatur, alten Fotoalben und im Museum nach einem Kneipp-Bild aus jüngeren Jahren. Egger wurde fündig. Mit Hilfe dieser Vorlage erschuf sie einen Priester mit faltigen Gesichtszügen, markanten Augenbrauen und dem vor zwei Jahrhunderten typischen Priesterkragen. Und was den Kneipp a‘la Egger so sympathisch macht: Das freundliche und vertraute Lächeln in seinem Gesicht.

So ist der neue Wörishofer Kneipp entstanden

Den im sogenannten Wachsausschmelzverfahren hergestellten Bronzeguss beschreibt die Künstlerin als „spannenden Prozess“ und informiert über Details. Zunächst musste von der Keramikbüste eine Negativform angefertigt werden. Daraus wurde eine Wachs-Plastik gebildet. An die wurden Angusskanten gesetzt und das ganze Werk in Schamott eingebettet. Bei 600 Grad schmolz das Wachspositiv in einem Trockenofen komplett heraus. Dann kam der entscheidende Schritt. In den entstandenen Hohlraum wurde die glühend, flüssige Bronze bei 1200 Grad eingegossen. Nach dem Erkalten der Bronze befreite die Künstlerin die Büste aus dem Schamott.

Das von Isolde Egger zeitgemäß dargestellte und mit Ölfarben gefasste Porträt des großen Wohltäters der Menschheit inszeniert alle fünf Säulen seiner Gesundheitslehre. „Begriffe, wie Wellness und Fitness inklusive“, findet die Künstlerin. „Es war mir einfach wichtig, sie symbolisch auf der Büste zu präsentieren“, bemerkt sie. Und das ist ihr gelungen. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die Hydrotherapie als Wasserwelle, die Phytotherapie lastet als Heusack auf Kneipps Schultern, Sandalen verkörpern die Säule Bewegung, die richtige Ernährung ein Apfel und die innere Ordnung stellt im Zentrum der 24 Kilo schweren und 52 Zentimeter hohen Büste ein Herz her.

Am Ende kommt Farbe ins Spiel, wie bei Eggers Lehrmeister Lüpertz

Den bunten Anstrich der Kneipp‘schen Elemente sieht die Künstlerin als „zeitgenössische Optik“. Die hat sie von ihrem Dozenten, Professor Markus Lüpertz übernommen. Lüpertz zählt zu den bekanntesten Künstlern Deutschlands. Ein Mann, der regelmäßig polarisiert: Mal wieder Streit um Lüpertz
Noch hat „Kneipp in Bronze“ noch keinen festen Platz. Im Rathaus, aber auch in Hotels und öffentlichen Einrichtungen würde er eine gute Figur machen“, findet Isolde Egger.

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